Ebermannstadt. In Rüssenbach halten sich 86,2 bzw. 87 Prozent der Autofahrer nicht an das vorgegebene Limit. „Das Tempo- 30-Schild ist also für die Katz“, resümierte der Bürgermeister, der das Problem Raser zum Anlass nahm, bei der Polizei vorstellig zu werden. Polizeichef Peter Kelke und Verkehrserzieher Werner Götz demonstrierten daher den Einsatz einer Radarpistole.Der „Laser Traffic Speed Meter“, so Verkehrserzieher Werner Götz, ein österreichisches Fabrikat, sei das modernste Gerät auf dem Markt. Allerdings eigne es sich nicht für Massenmessungen. Da dieses Gerät keine Beweisfotos anfertigt, muss jeder Temposünder an Ort und Stelle angehalten werden.
Das geeichte Gerät darf nur von ausgebildeten Polizisten, die ihre Schulung durch ein Zertifikat belegen können, eingesetzt werden. Nur dann hält ihre Aussage auch vor Gericht stand, denn ausdruckbare Beweisdaten liefert die Laserpistole nicht. Mit ihr kann man bis zu einer Entfernung von 1000 Meter die Geschwindigkeit eines Verkehrsteilnehmers feststellen. Gemessen wird allerdings normalerweise in einer Entfernung von 200 bis 300 Metern. Bei Autos wird das Nummernschild, bei Motorradfahrern der Helm oder der Scheinwerfer anvisiert.
Eingesetzt wird das Gerät üblicherweise an Unfallschwerpunkten, an Gefahrenstellen oder an anderen „neuralgischen Orten“ so Peter Kelke. Die Laserpistole stelle eine Ergänzung zur herkömmlichen Geschwindigkeitsmessung dar.
Wie groß der Einsatzbedarf ist, belegte Bürgermeister Kraus durch Langzeitmessungen der Gesellschaft für kommunale Verkehrssicherheit (GKVS) in Zirndorf. Bei einer Langzeitmessung auf Höhe des Kalkwerkes wurde festgestellt, dass sich 62 Prozent der Autofahrer in Richtung Gasseldorf nicht an das Tempolimit halten. Der Schnellste war bei erlaubten 50 km/h mit Tempo 117 unterwegs. Bei einer weiteren Messung zwischen Mitternacht und 6.45 Uhr wurde ein Autofahrer gar mit 128 Sachen „geblitzt“.
Testmessungen in der Hirtengasse in Rüssenbach ergaben, dass die Autofahrer die Tempobeschränkung weitgehend ignorieren. Von 1162 gemessenen Fahrzeugen waren 1002 zu schnell.
Alljährlich tragen auch die Anwohner aus Moggast ihre Beschwerden wegen der Raser bei den Bürgerversammlungen vor. Heuer hat es sogar einen schweren Unfall gegeben. Doch die Zahl der Tempoverstöße ist nach wie vor beachtlich. Von den in Richtung Gößweinstein fahrenden Wagen waren 39,7 Prozent zu schnell, von denen, die in der Gegenrichtung unterwegs waren, hielten sich knapp 24 Prozent nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Gleiches gilt für eine Messung auf Höhe der Kapelle bei der Abzweigung nach Burg- und Windischgaillenreuth. Hier waren es vor allem die Autofahrer Richtung Gößweinstein, die „auf die Tube drückten“. Jeder zweite war zu flott. Statt 70 km/h wurde der Schnellste mit 129 km/h „erwischt“.
Als Sofortmaßnahme gegen die Raser in Moggast plädierte der Ausschuss für die Errichtung von Verkehrsinseln. Das sei von den Bürgern so gefordert und Platz sei genug da, argumentierte Bürgermeister Kraus, der sich darüber beklagte, dass sein erster Vorstoß in dieser Sache seitens des Straßenbauamtes Bamberg unbeantwortet blieb. Gerade deshalb sollen diese Maßnahmen vehement gefordert werden.
Handlungsbedarf sah auch Polizeichef Peter Kelke. Nachdem vier weitere Kollegen an der Radarpistole gechult seien, wolle die Polizei Ebermannstadt im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten verstärkt Präsenz zeigen und an den neuralgischen Punkten, aber auch an anderen Gefahrenstellen Geschwindigkeitsmessungen durchführen. Die gefährliche Raserei sei nicht hinunehmen, fand Peter Kelke.
Stadtrat Peter Schatz regte an, dass in die Überwachung auch der verkehrsberuhigte Bereich in der Hauptstraße einbezogen werden. Es dürfe nicht immer nur gedroht werden. Hier sei aber der Einsatz einer Radarpistole nicht notwendig, hier genüge „das Auge des Polizisten“ informierte Werner Götz, der sich zusammen mit Peter Kelke überlegen will, wie hier Abhilfe zu schaffen sei. Handlungsbedarf bestehe auch deshalb, weil zunehmend „Geisterfahrer“ registriert wurden, die entgegen der Fahrtrichtung vom Wasserrad in Richung Kirche unterwegs waren.
Josef Hofbauer