Ebermannstadt. Wer suchet, der findet. Mit Hilfe der Firma Gammel ist es gelungen, einen von allen Ausschussmitgliedern akzeptierten Standort beim Gymnasium für ein Hackschnitzel-Heizwerk in Ebermannstadt ausfindig zu machen. Gesucht wird nun ein Betreiber. Grundsätzlich war sich der Kreisausschuss bereits in seiner Sitzung vor knapp einem Jahr einig, dass ein Biomasse-Heizwerk die sinnvollste Variante für die Heizung des Gymnasiums, der Volksschule, der Realschule und der im Bau befindlichen Mehrzweckhalle in Ebermannstadt darstellt. Allerdings gab es damals noch einige Vorbehalte.
Die seien nun ausgeräumt. Das von den Vertretern der Firma Gammel, Abensberg, vorgetragene Konzept entspreche diesen Vorgaben. Die Bedingungen für die Realisierung eines Biomasse-Heizwerkes seien erfüllt“, gab Landrat Reinhardt Glauber gleich zu Beginn der Sitzung die Richtung vor.
Geschäftsführer Michael Gammel stellte sein, seit 1987 bestehendes Unternehmen vor. Dabei ließ er keinen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit von Biomasse-Heizanlagen. „Jeden Tag, wenn ich erfahre, dass der Heizöl-Preis steigt, freue ich mich“ bekannte Gammel, der darauf verwies, dass bei einem Hackschnitzel-Heizwerk die Wertschöpfung vor Ort bleibt und so langfristig Arbeitsplätze in der Region gesichert werden. Und er bekräftigte: „Die Landwirte brauchen dieses Standbein“.
Sein Kollege, Diplomingenieur Thomas Winkler, der Spezialist für Anlagentechnik erklärte, dass solche Anlagen bereits ohne staatliche Subventionen wirtschaftlich arbeiteten. Den durchschnittlichen Heizölpreis des vergangenen Jahres zu Grunde gelegt, ergebe sich nur eine geringfügige finanzielle Mehrbelastung gegenüber einer Öl- oder Gasheizung. Detailliert listete er den Energiebedarf und Jahres-Wärmebedarf von Gymnasium, Realschule, Grund- und Hauptschule sowie der Mehrzweckhalle auf und stellte dabei jeweils die Kosten bei Verwendung von Öl oder Gas und Hackschnitzeln gegenüber. Sein Fazit: Die im BiomasseHeizwerk gewonnene Energie ist nur um maximal sechs Prozent teuerer als das Heizöl, wobei Winkler darauf verwies, dass die Energiepreise nach oben tendierten.
Den gesamten jährlichen Energieaufwand für die vier Gebäude bezifferte Winkler auf 3500 Megawatt. 91 Prozent davon könnten über Hackschnitzel abgedeckt werden. Lediglich bei Spitzenlastzeiten müsse zusätzlich ein Öl- oder Gasbrenner zugeschaltet werden.
Die Energie werde aus 40 Kubikmetern Hackschnitzeln gewonnen. Dies entspreche etwas mehr als hundert Lastwagenladungen voll. Dank eines entsprechend dimensionierten Hackschnitzel-Bunkers könne die Anfahrtszeit so gewählt werden, dass es keine Überschneidung mit dem Schulbusverkehr gibt. Bei der Rückfahrt könnten die Anlieferer die jährlich anfallenden 37 Tonnen Asche wieder mitnehmen. Sie könne als Stickstoffdünger auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden.
Auch die Sorgen um eine eventuelle Rohstoffknappheit konnte Landrat Glauber zerstreuen. Nach einer Untersuchung beim Bau der allerersten Hackschnitzel-Heizung habe der damalige Forchheimer Forstdirektor Hans-Jürgen Otto bestätigt, dass im Landkreis 40 bis 50 Hackschnitzel-Heizungen betrieben werden könnten, ohne dass es zu Material-Engpässen kommen würde.
Der Bauausschuss zeigte sich sowohl mit der Standortwahl für das Biomasse-Heizwerk nordöstlich der Turnhalle des Gymnasiums Fränkische Schweiz einverstanden, als auch mit der regenerativen Energie. Der Beschluss wird aber erst wirksam, wenn die Stadt Ebermannstadt und der Schulverband Ebermannstadt gleich lautende Beschlüsse gefasst haben.
Dann soll die Firma Gammel Engineering GmbH, die bisher bereits rund 60 Biomasse-Heizwerke in ganz Bayern errichtet hat - darunter auch das in Obernsees - mit der Ausschreibung des Projektes beauftragt werden.
Josef Hofbauer