
Ebermannstadt. Die Freundschaft zwischen Ebermannstadt und Chantonnay lebt – von Generation zu Generation. Jüngstes Beispiel: Alexander Roussiere, der zurzeit ein mehrmonatiges Praktikum bei der Firma Vierling absolviert.
Der 20-Jährige ist der Sohn von André Roussière, dem Ehrenpräsidenten des Partnerschaftkommitees von Chantonnay. Dem Motto: „Die Partnerschaft mit Chantonnay soll gedeihen und niemals enden“, das in der Festzeitschrift zu der am Wochenende statt findenden Mini-Olympiade nachzulesen ist, fühlen sich auch Manfred und Werner Vierling verbunden. Sie ermöglichten bereitwillig eine Praktikumsstelle für Alexandre Roussière, auch wenn er an seinem Deutsch noch feilen muss. So wurde bei einem Pressegespräch mit Manfred Vierling, Drittem Bürgermeister Ernst Schmeußer und Katja Metschnabel vom Partnerschaftskomitee der Aufenthalt des französischen Praktikanten als Beispiel der lebendigen Städtepartnerschaft gewürdigt.
Alexandre studiert an der Berufsfachhochschule EGC Vendee in Les Sables d` Olonne Internationaler Handel, Marketing und Finanzwesen. Während seines Aufenthalts in Ebermannstadt wohnt er bei der Familie Schwabe in Wohlmuthshüll, mit der die Familie Roussière seit Jahren eng verbunden ist. Auch wenn es dem jungen Franzosen sehr gut in Wohlmuthshüll gefällt, liegt der Ort doch ein wenig abseits, denn „nach Dienstschluss geht das Leben weiter“ bekennt Alexandre, der schon mitbekommen hat, dass im „Bierbrunnen“ nicht nur herkömmlicher Gerstensaft, sondern auch Alkoholfreies gezapft wird.
Fit hält sich der Student mit Basketball. Das Ebermannstadter Team hat ihn herzlich in seinen Reihen aufgenommen. Außerdem ist Alexander Roussiere in die Vorbereitung der Mini-Olympiade eingebunden, für ihn so etwas wie eine Familientradition, denn sein Vater leitete von 1983 bis 1990 und von 1993 bis 1997 das Comite de Jumelage. So war sein Rat nicht nur gefragt, als es um die Zusammenstellung des Menüs für die französischen Gäste beim TSV Ebermannstadt ging.
Alexandre war mit auf der Messe der Firma Vierling in Fulda und informiert sich über Verkaufsstrategien und Geschäftsmethoden. Er übersetzte die Werbung der Ebermannstadter Geschäftsleute für die Festzeitschrift ins Französische. Er sorgte auch dafür, dass seine Landsleute nun auch die Streetball-Regeln verstehen.
Seine Deutschlehrerin Doris Michon, die an der Fachschule für Marketing in La Roche sur Yon unterrichtet, zeigte sich angetan von den sprachlichen Fortschritten ihres Schützlings. Die Nichte des Ebermannstädters Walter Lahres, die nach Frankreich geheiratet hat, begleitete 1970 Michel Crucis, den damaligen Bürgermeister von Chantonnay als Dolmetscherin nach Ebermannstadt. Bei einem Empfang im Rathaus, der dem Besuch e von Alexandre vorausging, fühlte sie sich in diese Zeit zurück versetzt. „Alles ist wie damals. Nur die Personen sind andere!“ bekräftigte sie.
Doris Michon, in beiden Ländern beheimatet, ist heute der Motor des Dachverbandes von Partnerstädten in der Vendee, die sich zusammengeschlossen haben, um ihre Kraft für die deutsch-französische Freundschaft zu bündeln. Von 26 deutschen Partnerstädten der Kommunen dieses französischen Touristengebietes liegen allein 16 in Bayern, ein Beweis für die gebürtige Fränkin, dass der Freistaat „irgendwie frankophil“ ist.
Dies gilt auch für die ebenfalls Chantonnay-vorbelastete Katja Metschnabl. Ihr Vater Ernst Schmid-Sommer spielte oft bei der Mini-Olympiade auf dem Center Court von Chantonnay.
JH