„Dumbo“ gefangen, Ausreißer gestellt

Erster „Berufsfeuerwehrtag“ für Jugendliche in Ebermannstadt – Acht Anwärter 24 Stunden im Einsatz

Ebermannstadt. Samstag, 22.10 Uhr, Feuerwehrhaus Ebermannstadt: Ein Knacken im Lautsprecher der Rufanlage. Sekunden später ein durchdringender Alarmgong und die Durchsage „Alarm für Florian Ebermannstadt, Waldbrand Burg Feuerstein“. Übungseinsatz für die Jugendgruppe Ebermannstadt anlässlich des ersten Berufsfeuerwehrtages!

Zwei Mädchen und sechs Buben zwischen zwölf bis 14 Jahren stellten sich der Herausforderung, eine 24-Stunden-Schicht ähnlich der einer Berufsfeuerwehr im Feuerwehrhaus zu absolvieren. Die Jugendwarte Manuela Lange und Stefan Hübschmann sowie ein Helferteam hatten das umfangreiche Programm ausgearbeitet.

Beim Dienstantritt morgens um halb acht wurde die Einteilung der Mannschaft auf die Fahrzeuge vorgenommen. Bis zur Brotzeitpause wurden die Gerätschaften auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft.

Danach stellte Brandmeister Erich Steinlein von der Berufsfeuerwehr Nürnberg, in Personalunion Zugführer bei der FFW Ebermannstadt, die Aufgaben der Berufsfeuerwehr vor. Jugendwart Stefan Hübschmann referierte über die Gefahren an der Einsatzstelle.

Der Alarmgong beendete seine Ausführungen. Bei der Zufahrt zum Wertstoff galt es eine längere Ölspur – gottlob nur ein Kakao-Wassergemisch – mittels Ölbindemittel (Sägespäne) aufzunehmen. Auf dem Heimweg klebten die Jugendlichen in der Hauptstraße Plakate für das Open-Air-Konzert mit den „Fried Chicken“ im Feuerwehrhaus.

Nach der Rückkehr ins Gerätehaus wurden die Besatzungen neu eingeteilt und eine Bewegungsfahrt mit Mehrzweckfahrzeug, Tanklöschfahrzeug und Drehleiter angeordnet. Diese führte die Jugendgruppe zur Klinik Fränkische Schweiz, wo die Mitarbeiter der Klinikküche bereits das Mittagessen vorbereitet hatten.

Kurz vor 13 Uhr wurde die Mittagspause durch das Piepsen der Funkwecker jäh unterbrochen: Feueralarm bei der Firma Kennametal! Im Laufschritt ging es zu den Fahrzeugen, um die Brandmeldezentrale der Firma anzufahren. Dort wurden die Feuerwehranwärter von Werkleiter Armin Schneider empfangen. Sicherheitsbeauftragter Otto Grasser erläuterte die Brandmeldezentrale sowie die so genannten Feuerwehrlaufkarten, anhand derer sich die Einsatzkräfte im Gebäude orientieren. Auf dem Heimweg wurden die Einsatzkräfte über ein aus dem Zirkus entflohenes Tier aufmerksam gemacht, das sich angeblich in einem großen Baum nahe der evangelischen Kirche versteckt halten soll. Kurzerhand wurde die Drehleiter in Stellung gebracht und „Dumbo, der fliegende Elefant“ gerettet.

Endlich Pause. Um 15.30 Uhr stand Dienstsport auf dem Programm. Auf dem nahe gelegenen Bolzplatz entwickelte sich ein munteres Fußballspiel, das gegen 16.15 Uhr ein Wolkenbruch beendete. Im Feuerwehrhaus zurück nahmen die Nachwuchs-Einsatzkräfte erst einmal eine Dusche und tauschten Uniform gegen zivile Kleidung. Die Vorbereitungen für das Abendessen (selbstgemachte Pizza) begannen.

Immer wieder Alarm

Doch der Alarmgong rief zu einem neuen Einsatz. In Gasseldorf lag als Folge des Sturmes ein Baum über der Fahrbahn. Diesen mussten die Feuerwehranwärter fachgerecht mit Bügelsäge zerkleinern. Bald war die Strecke wieder befahrbar. Die Jugendlichen machten es sich wieder im Feuerwehrhaus gemütlich. Als Nachtisch zur Pizza servierte Zweiter Vorstand Paul Steinlein je eine Extra-Portion Eis. In aller Ruhe schauten die Jugendlichen einen Videofilm auf Großleinwand. Ab 22 Uhr war Nachtruhe angesagt. Sie dauerte nur zehn Minuten. Mit Blaulicht und Martinshorn ging's mit dem Mehrzweck- und Tanklöschfahrzeug sowie begleitet von Feuerwehrarzt Dr. Christian Glaser zur Burg Feuerstein. Die Verantwortlichen dort hatten einen Waldbrand im Bereich eines Zeltplatzes gemeldet. Mitten im Wald wurde ein unbeaufsichtigtes Lagerfeuer ausfindig gemacht.

Da das schwere Tanklöschfahrzeug nicht direkt auf das Gelände vorfahren konnte, musste eine 100 Meter lange Schlauchleitung zum Brandherd gelegt werden. Erst dann konnten die Löscharbeiten mit zwei D-Rohren beginnen. Die Nachlöscharbeiten übernahm der nächste Regenschauer, was jedoch die Aufräumarbeiten nicht gerade angenehm machte. Auf der Rückfahrt freute sich jeder auf die warme, trockene Unterkunft. Doch über Funk wurde ein Folgeauftrag gemeldet: Müllcontainerbrand bei der Schreinerei Lange, Ebermannstadt. Der war aber schnell mit der Kübelspritze unter Kontrolle.Zurück im Feuerwehrhaus wurden erst einmal die schmutzigen Stiefel gewaschen, die nasse Schutzkleidung getrocknet und die Fahrzeuge neu mit Schläuchen bestückt. Erst kurz vor Mitternacht fielen die Einsatzkräfte in die vom BRK bereit gestellten Feldbetten.

Bereits um 6.16 Uhr mussten die Jugendlichen zu einer Vermisstensuche ausrücken. Vom Zeltplatz in Rothenbühl ist der zehnjährige Hansi verschwunden. Vermutlich ist das Bürschlein zu Fuß in Richtung Niederfellendorf unterwegs. Aufgeteilt in Suchtrupps mit Beleuchtungsgerät wird gesucht. Kurze Zeit später wird der Ausreißer aufgestöbert.

Kurz vor Schichtende werden die eingesetzten Fahrzeuge gewaschen und die Betten ge räumt, bevor das reichhaltige Frühstück für die unruhige Nacht entschädigt. Vorstand Michael Krug und Kommandant Norbert Weisel danken den Anwärtern für ihre erste 24-Stunden-Schicht. Jeder der Teilnehmer erhält ein kleines Präsent.


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