„Für andere“ Richtschnur des Handelns

Ebermannstadt zeichnet Michel Froger, Anneliese Unfried und Dr. Hans Weisel mit Ehrenwappen aus

Bürgermeister Franz Josef Kraus mit den Trägern des Ehrenwappens. Von links Michel Froger, Anneliese Unfried und Dr. Hans Weisel

EBERMANNSTADT. „Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement wird von ihnen gelebt“. Eine Kernaussage, die Bürgermeister Franz Josef Kraus in seiner Laudatio auf drei Persönlichkeiten bezog, die vom Stadtrat Ebermannstadt mit der Verleihung des Ehrenwappens gewürdigt wurden.

Im Festsaal des Gasthauses „Zum Schwanen“ galten die Honneurs dem langjährigen „Motor“ der Städtepartnerschaft in Chantonnay, Michel Froger, der Ausbilderin und Leiterin der städtischen Musikschule, Anneliese Unfried, und dem Förderer der Heimatkultur, Dr. Hans Weisel.

Bürgermeister Franz Josef Kraus knüpfte vor dem versammelten Stadtrat und einigen Mitgliedern des Partnerschaftskomitees an das berühmte Kennedy-Wort an und meinte, dass die Frage, was man für andere oder die Gemeinschaft tun kann, eher seltener gestellt werde. „Manche stellen sich diese Frage nie, andere machen sie zur Richtschnur ihres Handelns“.

Die Partnerschaft mit Chantonnay lebe im Schüleraustausch, in der Mini-Olympiade, in gegenseitigen Besuchen der Feuerwehren und in privaten Begegnungen. Nach 35 Jahren gehöre sie „fast schon zum Alltag“, resümierte der Bürgermeister. Die ersten, die nach dem berühmten Vertrag von de Gaulle und Adenauer die Kontakte knüpften, seien sich wie Pioniere, die Neuland betreten, vorgekommen. Doch sie seien beseelt gewesen vom Gedanken der Völkerverständigung und der Überwindung einer gemeinsamen leidvollen Vergangenheit.

Der Oberbotschafter

Ein Mann, der diese Partnerschaft mit zur Erfolgsgeschichte gemacht habe, sei Michel Froger. Der Ex-Außenminister Hans Dietrich Genscher sprach von den Bürgern, die sich in Partnerschaften einbrachten, von „Botschaftern ehrenhalber“. Michel Froger sei auf Grund seiner Verdienste ein „Oberbotschafter“, dem man heute für sein großartiges Engagement danken dürfe.

Er forcierte ab 1970 den Schüleraustausch, gründete 1971 das Partnerschaftskomitee in Chantonnay und leitete es zwölf Jahre, rief 1974 die alle zwei Jahre abwechselnd in den Städten stattfindende Mini-Olympiade mit den humoristischen Spielen ins Leben, sorgte für die Einführung von Deutsch in den Schulen und organisierte den Erfahrungsaustausch auf Verwaltungsebene.

Kraus erwähnte auch die Männer der ersten Stunde: Die Bürgermeister Michel Crucis, Paul Lachmayer und Karl Theiler, und er dankte auch den Komiteepräsidenten auf beiden Seiten für das Weitertragen der Idee. Froger sei nach Michel Crucis die zweite Persönlichkeit aus der Partnerstadt, der der Ehrenteller zuerkannt wurde.

Froger antwortete, dass er die Auszeichnung mit allen teile, die für die Partnerschaft gearbeitet haben. Zwei Gefühle seien vorherrschend: Die Vernunft, die die Zweckgemeinschaft erkennt, und das Herz, „das den Fortbestand leitet“.

Begeistert Kinder

Interessierten die Musik als eine Bereicherung des Lebens erfahrbar zu machen – das ist die Intention der städtischen Musikschule. Der Bürgermeister verband die Anerkennung, die sie heute mit 440 Schülern findet, mit einem Namen: Anneliese Unfried.

Die gelernte Drogistin begann ihr musikpädagogisches Wirken mit dem Aufbau eines Kinderchores in der evangelischen Emmausgemeinde 1970. Drei Jahre unterrichtete sie Blockflöte bei der VHS, 1978 trat sie als Lehrerin für Flöte und Zither bei der Musikschule ein. „Sie haben die Gabe, die Kinder für die Musik zu begeistern und leisten damit einen wertvollen sozialen Beitrag“ wandte sich Kraus an die musikalische Autodidaktin. 1996 übernahm sie in schwieriger Zeit die Leitung der Musikschule, um sie 2002 in jüngere, fähige Hände zu übergeben. Nämlich an Wojciech Grabietz, der den Festabend mit seinem Blächbläserquintett facettenreich umrahmte.

Der Redner hob aber auch das soziale Engagement von Anneliese Unfried hervor. Mit ihren Schülern sammelte sie für Altenheime, das Tierheim in Forchheim und für die Ausbildung von Straßenkindern in einer Musikschule in Rio de Janeiro.

In seinen Dank bezog Franz Josef Kraus Ehemann Herbert Unfried mit ein, der seit über 30 Jahren den evangelischen Kirchenchor leitet.

Die Geehrte dankte ihrem „Chef“ und der Stadtverwaltung für Verständnis und Hilfe und gestand, dass ihr die Arbeit immer Freude bereitet habe.

Gewinnt Mitmacher

Heimat ist eine gefühlsbetonte Beziehung. Aber es gibt Menschen, die das Phänomen Heimat genauer ergründen wollen. Dazu gehöre Dr. Hans Weisel, betonte der Bürgermeister. Der stv. Leiter des Gymnasiums lebe geradezu in und mit seiner Arbeit. 1979 gründete Hans Weisel den Arbeitskreis Heimatkunde im Fränkische-Schweiz-Verein und hat seither als dessen Leiter über 30 Bände in zwei Schriftenreihe herausgegeben. Er baute eine öffentliche Bibliothek über die Fränkische Schweiz auf und leitet seit 1998 die FSV-Ortsgruppe. Außerdem ist er im Museumsbeirat der Stadt und arbeitet seit über 15 Jahren im Kulturkreis an herausragender Position mit. Auf seine Initiative hin kam der Ebermannstädter Ostereiermarkt zu Stande, der Tausende von Interessenten anzieht. Saubere Landschaft, Naturlehrpfad, Familien- und geologische Wanderungen und Ausstellungen sind weitere Initiativen.

Es ist Dr. Weisel in all den Jahren gelungen, lobte Kraus, Menschen zu begeistern und zum Mitmachen zu gewinnen.

Ehrungen seien nicht unumstritten, wenn gezweifelt wird, ob wirklich verdient sind, merkte Dr. Weisel an. Vom Stadtrat Ebermannstadt könne er sie akzeptieren. Er dankte der Verwaltung und dem Bauhof, sowie den „Helfern für Natur und Kultur“ für ihr Bemühen, die Stadt und die schöne Landschaft den Bürgern und Fremden zu vermitteln.

Michael Wuttke


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