Am Sonntag ist Gottesdienst in „St. Bellini“

Kirche im Café – Ehrenamtliches Engagement macht es möglich – Weiter Bemühen um eigenen Raum

Gottesdienst in „St. Bellini“: Winfried Mohn (rechts) und Thomas Lange mit den Bewohnern. Foto: p

Ebermannstadt. Jeden Sonntagmorgen vollzieht sich mit dem Ebermannstädter Café Bellini eine wundersame Verwandlung. Aus dem Café-Bistro im Seniorenzentrum Fränkische Schweiz wird eine „Kirche“.

Wo unter der Woche die Hits von Antenne Bayern aus den Lautsprechern dudeln, erklingen nun geistliche Gesänge unter der Begleitung der Kirchenorgel und aus einem Bistrotisch wird ein Altar mit Bibel, Kreuz und Kerzen. Entstanden sind diese wundersamen Vorgänge, weil bei Planung und Bau des Seniorenzentrums eine Hauskapelle anscheinend „vergessen“ wurde. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung mit 63 betreuten Wohnungen und 36 Pflegeplätzen formulierten aber bald ihren Wunsch nach einem Gottesdienstangebot im Haus.

Auf Seiten der katholischen und evangelischen Gemeinden stieß dieses Begehren auf offene Ohren: Innerhalb kurzer Frist stand ein Gottesdienstangebot am Sonntagmorgen bereit; abwechselnd verantwortet durch die evangelische und katholische Gemeinde am Ort.

Der erste „Gottesdienstraum“ im Wohn- und Esszimmer des Wohnpflege-Bereiches platzte bald aus allen Nähten und ließ sich auch schwer in den Lebens- und Arbeitsrhythmus des kleinen Wohnbereiches mit seinen 13 Bewohnern integrieren. Die Suche nach einem besser geeigneten Raum endete sehr bald im hauseigenen Café-Bistro, dessen Wirtin Marliese Heinlein dem Ansinnen mit großer Offenheit begegnete.

Auch die Stadt Ebermannstadt als Eigentümerin des Cafés unterstützte das Projekt, indem sie die Anschaffung der „Kirchenorgel“, eines elektronischen Pianos, übernahm.

Für die „wundersame Verwandlung“ des Cafés in eine Kirche sorgte mit ihrem Engagement und ihrer Begeisterung für ein Gottesdienstangebot im Haus Magarete Kügel, die selbst in einer der betreuten Wohnungen des Hauses lebt. Mit ihrer entwaffnenden Freundlichkeit und Tatkraft kümmerte sie sich nicht nur um den Prediger- und Organistenplan von „St. Bellini“.

Bald hatte sie auch ein ehrenamtliches Team auf die Beine gestellt, das den äußeren Rahmen der Gottesdienst sicherstellte. Die „wundersame Verwandlung“ des Cafés vollbringen als „Mesner“ der Pensionär Reinhold Saloga und sein Kollege Karl Blumrich, die den Raum komplett umstellen, den „Altar“ und die „Kanzel“ aufbauen, Gesangbücher bereitlegen usw. und auch die Rückverwandlung garantieren. Für die frischen Blumen am Tisch des Herrn sorgt Wirtin Marliese Heinlein und die ehrenamtlichen Besuchsdienst-Mitarbeiterinnen Helga Schramm und Waltraud Ott holen Bewohnerinnen und Bewohner, die den Gottesdienst nicht aus eigener Kraft besuchen könnten, aus den Pflegebereichen ab und bringen sie am Ende der Feier wieder zurück.

Dass am Sonntag auch immer ein Prediger da ist, garantieren der katholische Stadtpfarrer Hans Hübner und sein evangelischer Kollege Pfarrer Rudolf Schmidt. Wenn die beiden Geistlichen nicht selbst predigen, organisieren sie eine Vertretung, die – wie in Person von Winfried Mohn – auch oft auf ehrenamtlicher Basis erfolgt. Mohn war im Berufsleben Küster in einer Berliner Pfarrgemeinde und vertrat schon damals als Diakonatshelfer oft den Pfarrer.

Laienprediger springt ein

Das führt er nun in seinem Ruhestand, den er in Ebermannstadt verbringt, in würdiger und professioneller Weise als ehrenamtlicher Laienprediger fort. Andreas Weisel schließlich organisiert als ehrenamtlicher Kantor von St. Bellini das Organistenteam und spielt oft – wenn sich niemand anderer gefunden hat – selbst im Gottesdienst. An diesem Sonntag sitzt Thomas Lange, der sonst „eigentlich nicht in der Kirche, sondern in einer Band“ spielt, hinter der Orgel.

Die Bewohner danken das breite Engagement: Mit einem Besucherstamm von 20 bis 30 Teilnehmern übertrifft der Gottesdienst im Seniorenzentrum Fränkische Schweiz im Verhältnis den jeder Kirchengemeinde.

Wer nun aber geglaubt hat, dass sich Margarete Kügel mit diesem Ergebnis zufrieden gibt, der kennt sie freilich nicht: Der engagierten Seniorin schwebt der Umbau einer wenig genutzten Dachterrasse in eine Hauskapelle vor. Da geht es nicht mehr ehrenamtlich. Es braucht auch finanzielles Engagement, und dazu war die Eigentümergemeinschaft des Hauses erst einmal nicht bereit. Aber auch hier gibt Kügel die Hoffnung so schnell nicht auf. Vielleicht wird „St. Margarete“ eines Tages doch noch gebaut.

Wolfgang Streit


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