
Ebermannstadt. Wo Barbara Stamm auftritt, fliegen ihr die Herzen zu. Eine Welle der Sympathie kam der Landtagsvizepräsidentin im „Herz der Fränkischen Schweiz“ entgegen. 500 Zuhörer auf dem Marktplatz geizten nicht mit Beifall, weil sie offen aussprach, wo Bürger und Kommunen der Schuh drückt.
Zu viele Kommissionen und zu viel Bürokratie gebe es in Deutschland, „aber wir in Bayern machen auch nicht alles richtig“. Vorausgegangen war der politischen Kundgebung am letzten Tag des Altstadtfestes ein Empfang der CSU-Politikerin im Rathaus mit Eintrag im Goldenen Buch der Stadt. Relativ kurz geriet bei einem Achtel „Iphöfer Kalb“ die Vorstellung der Stadtgeschichte durch Bürgermeister Franz Josef Kraus.
Ein gegenwärtiges Thema – die Schaffung von Krippenplätzen für Kinder unter drei Jahren – und wieder die Bürokratie zwischen Bundesgesetzgebung und dem Kindertagesstättengesetz des Freistaats, die hier einer freiwilligen Einrichtung mit Tagesmüttern den Riegel vorschiebt, brachte die Landtagsvertreterin in Rage. „Schicken Sie das an die Staatskanzlei mit der Aufschrift „Entbürokratisierungsvorschlag“, forderte sie den Bürgermeister auf. „Wenn es noch mehr solcher Beispiele gibt, decken Sie den Erwin Huber damit zu.
Ständig wird uns von da gesagt, weniger Bürokratie, weniger reglementieren – die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube – ich kann dieses Gerede nicht mehr hören!“ Weitere Probleme der Stadt, wie die Sanierung der Volksschule („Seit drei Jahren wandern Pläne zur Regierung und zurück“, klagte Kraus), des Rathauses oder den Neubau der mit Vorschriften überhäuften Mehrzweckhalle, für die man gespannt auf die 1,5 Millionen Euro Zuschuss wartet, gab das Stadtoberhaupt mit auf den Weg. Zumindest „bewilligt“ seien die ersten 250 000 Euro in diesem Jahr, bestätigte hier Stamms Forchheimer Landtagskollege Eduard Nöth.
Sehr interessiert zeigte sich Barbara Stamm – früher selbst Erzieherin – an der Sternwarte auf dem Feuerstein, die nach der Schilderung des Bürgermeisters jährlich von 1500 Kindern besucht werde. „Vom Kultusministerium wollte die Sternwarte dafür Geld“, sagte Kraus im Rückblick auch auf den letztjährigen Besuch Monika Hohlmeiers. Aber von dort sei nichts gekommen.
Von Leidenschaft zum sozialen Bereich geprägt, war der Auftritt der ehemaligen Staatsministerin für Arbeit und Soziales auf dem Marktplatz, nicht nur der Bayreuther CSU-Wahlkreisabgeordnete in Berlin, Hartmut Koschyk, empfand das so. Eindeutig bekannte sich Stamm zur bei Hartz IV beschlossenen Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.
Aber es müsse jetzt endlich aufhören mit immer neuen Kommissionen. Wichtiger sei, vor allem im Mittelstand Rahmenbedingungen zu schaffen, damit wieder mehr Menschen – besonders Ältere – in Arbeit kommen. Der Spitzensteuersatz und die Sozialversicherungsbeiträge müssten dafür gesenkt werden.
mao