Als einer der eifrigsten Befürworter einer Hackschnitzel-Heizung erwies sich Helmut Taut. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere Kommunen wie Gräfenberg, Eggolsheim oder Burg Feuerstein knapp 20 Prozent drauf legen, so wie das hier dargestellt wird“ zweifelte der Wiesenttaler Bürgermeister an den vorgelegten Zahlen.
Verbandsrat Jürgen Pöhlmann, Ebermannstadt, sprach angesichts der jüngst diskutierten unterschiedlichen Zahlen von einer Verunsicherung und Verwirrung und riet deshalb zu einem klärenden Gespräch zwischen Schulverband, Bürgermeister Franz Josef Kraus und Landrat Glauber.
Das hielt der Ebermannstadter Bürgermeister für überflüssig. Die Zahlen lägen „eindeutig“ auf dem Tisch. Das Ingenieurbüro Gammel sei bei seiner Berechnung des Energiebedarfes der Volksschule nicht von der tatsächlich benötigten Energiemenge ausgegangen. Er sei um die Hälfte zu niedrig angesetzt. Bei Nacherhebungen habe sich gezeigt, dass bei den Kosten für die Gasheizung neben den tatsächlichen Verbrauchskosten auch geschätzte Kosten zu Grunde gelegt wurden. Das zeige sich am deutlichsten bei der so genannten Rabattierung, der Ermittlung der Restwerte der Heizungsanlagen von Realschule, Gymnasium und Volksschule.
Das vom Landkreis beauftragte Ingenieurbüro Gammel habe für die Hackschnitzelheizung die Kosten nur rein rechnerisch ermittelt, wobei das Unternehmen mit sechs Prozent Mehrkosten der Hackschnitzel-Variante gegenüber dem Erdgas in dem vom Kreisausschuss geforderten Rahmen blieb. Gehe man aber von den reinen Energiekosten des Schulverbandes für die Volksschule aus, ergebe sich bei der bisherigen Variante, der Gasheizung, ein Kostenaufwand von 60 000 Euro pro Jahr, zuzüglich 2250 Euro für Investitionen.
Das bislang nicht näher vorgestellte Contracting Modell der Stadtwerke Ebermannstadt weise eine finanzielle Belastung von 71 000 Euro für den Schulverband aus und bei der Hackschnitzel-Variante müsste der Schulverband 82 000 Euro pro Jahr bezahlen.
Bürgermeister Erhard Müller, Pretzfeld, der sich grundsätzlich zur Hackschnitzel-Variante bekannte, sah keinerlei Handlungsbedarf, nachdem Klaus Neuner bestätigt hatte, dass die Heizungsanlagen aller drei Schulen absolut funktionsfähig seien. Worauf für seinen Kollegen Gerhard Sendelbeck aus Unterleinleiter die „Verwirrung komplett“ war. Erst habe ein renommiertes Büro seine Zahlen bekannt gegeben, und nun soll plötzlich alles nicht mehr stimmen, meldete er seine Bedenken an. Er wollte wissen, woher die unterschiedlichen Werte kommen.
Die Antwort von Bürgermeister Kraus: Jeder Preis sei irgendwo ein „politischer Preis“, denn auch die Kosten für die Hackschnitzel-Anlieferung seien zum Teil an den Ölpreis gebunden. Ferner verwies er nochmals auf die Restwert-Ermittlungen der bestehenden Heizungsanlagen und kam zu dem Schluss: „So hat jeder seine Spielwiese“.
Dem gegenüber bedauerte Helmut Taut, dass die Entscheidung des Stadtrates Ebermannstadt über die Art der Energieversorgung für die Dreifachturnhalle aus Sicht des Schulverbandes zu einem unglücklichen Zeitpunkt fiel. Mit der Entscheidung für Erdgas habe der Stadtrat seine Spielwiese taktisch gut genutzt, merkte Taut kritisch an. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass auch der Gaspreis in den nächsten Jahren rasant steigen werde.
Verwundert über die Mehrkosten der Hackschnitzel-Variante zeigte sich auch der stellvertretende Bürgermeister des Marktes Wiesenttal, Gerhard Kraus. Und Gerhard Sendelbeck, Unterleinleiter, fürchtete, dass mit dem Nein zur Hackschnitzelheizung auf Dauer der Weg zu dieser Art der Energieversorgung versperrt sei. „Wir reden über Mehrkosten von rund 200 000 Euro“ verdeutlichte Bürgermeister Franz Josef Kraus, der die Mehrkosten auf die zu erwartende Lebensdauer der bestehenden Heizungen an den Schulen hoch rechnete. In dieser Zeit könne der Schulverband ordentlich Geld sparen.
Mit 8:4 Stimmen wurde bei der Abstimmung die Hackschnitzel-Heizung für das Schulzentrum Ebermannstadt abgelehnt. Das endgültige „Aus“ für dieses Projekt?
Josef Hofbauer