
Ebermannstadt. Es ist die 48. Ausstellung. Na gut! Seit zehn Jahren gibt es die Reihe Kunst in der Klinik. Sehr schön! Und jetzt zum Jubiläum der Knaller: Werke von Friedensreich Hundertwasser und Shoichi Hasegawa. Besser geht's kaum. Und noch eins vorneweg: Hingehen und anschauen!
Was sich da auf den drei Etagen des Atriums in der Klinik Fränkische Schweiz den erstaunten Augen bietet, verschlägt dem Besucher beinahe den Atem. Da sind unter dem Motto „Orient trifft Okzident“ rund 100 Exponate ausgestellt, die wahrlich allerhöchstes Niveau repräsentieren. Vorwiegend Druckgraphik, dazu Aquarelle. Was für ein künstlerischer Kosmos sich da entrollt.
Hier der Japaner (Jahrgang 1929 und noch heute in Paris lebend), aufgewachsen und ausgebildet in der asiatischen Tradition seines Landes: abstrakt, akribisch und symbolbeladen – man denke nur einen japanischen Garten. Daneben der gebürtige Wiener (gestorben im Jahr 2000), ein Gegner der geraden Linie, farbenreich, alternativ und von einer philosophischen Grundhaltung, die ihm (Stichwort Architektur) schon zu Lebzeiten Ruhm und Ehre einbrachte.
Und das Besondere: Beide Künstler, die beinahe im selben Jahr geboren wurden, haben Anfang der 60er-Jahre jeweils den Sprung in des anderen Kontinent gewagt, was natürlich befruchtende Folgen auf ihr Euvre hatte. Hasegawa wurde suggestiver und abstrakter (und wohl auch gefühlsbetonter) als er es vorher war, und Hundertwasser öffnete sich den Meistern japanischer Holzschnittkunst, tauchte ein in die fernöstliche Kultur.
Und dann kommt es eben zu Werken wie „Die Häuser hängen unter den Wiesen“ oder „Zwei Bäume auf dem Schiff Regentag“. Wenn man sich einlässt auf diese Meisterwerke, wird man in deren Bann gezogen.
Subtile Techniken unterstützen die zu Grunde liegende Gefühlswelt, transponieren das Naturhafte ins Abstrakte, machen Farbwelten zu Gefühlswelten, löst sich Geradliniges in Bewegtes auf, schließen sich Stimmungslagen zu großer Kunst zusammen.
Und das alles im Krankenhaus. Ein kongenialer Ort, meint Richard H. Mayer, Chef des Bamberger Kunstkontors, aus dessen Besitz die meisten Exponate stammen. „Weltklasse in der Provinz“, betont er und freut sich, dass solche Werke „nahe am Menschen“ präsentiert werden. Mal weg vom Großstadtambiente raus aufs Land. Freuen tut sich auch der gebürtige Wiesenthauer, Prof. Gerhard Seitz, Pathologe am Bamberger Klinikum, der diese Schau in Ebermannstadt mit eingefädelt hat. Zum Thema Wechselwirkungen ist es wie in der Medizin, betont er: Kamen die Japaner früher nach Europa, um medizinisch dazuzulernen, ist es heute umgekehrt.
Und eben diese Wechselwirkungen zwischen japanischer und europäischer Kultur sind das besondere Faszinosum der Ebermannstädter Schau.
Was kommt heraus, wenn man über den Tellerrand seines angestammten Kulturkreises blickt, sich öffnet für Neues und doch so lang Gewachsenes. Die drei Etagen im Klinikum sind eine künstlerische Offenbarung. Ein Muss, denn so etwas sieht man nicht alle Tage – und nicht in Ebermannstadt.
Die Vernissage findet am Freitag, 18. Juni, um 19.30 Uhr im Atrium der Klinik Fränkische Schweiz statt. Danach ist bis zum 11. Juli Gelegenheit, diese einmalige Ausstellung zu erleben.
Mü