Kapitän geht, und das Schiff sinkt nicht

Dank vorausschauender Sorge um die Energie-Sicherheit – Stadtwerkechef Weber in Ruhestand verabschiedet

Ein symbolischer Akt: Nach 36 Jahren in der Leitung der Stadtwerke Ebermannstadt übergibt Josef Weber (links) den Schlüssel an seinen Nachfolger in der Geschäftsführung, Jürgen Fiedler. FT-Foto: B. Herbst

Ebermannstadt. Ein „Abschlusszeugnis“ Eins mit Stern stellte der Bürgermeister von Ebermannstadt, Franz Josef Kraus, dem langjährigen Leiter der Stadtwerke, Geschäftsführer Josef Weber aus. Aber auch die menschlich geschätzte Persönlichkeit, bis zum „Lichtgott von Ebermannstadt“ apostrophiert, leuchtete bei der Ruhestandsverabschiedung auf.

In der liebevoll gestalteten Einladung, die Bezug nahm zum Ort des Treffens von Offiziellen, Geschäftspartnern und Freunden – das Alte Kurhaus in Streitberg – wurde auch das „Stromland“ Webers skizziert, über dem sich stolz die Ruine Neideck erhebt. Auch der aufkommende Wind, der an den im Freien aufgestellten Zelten zerrte, vermochte nicht daran zu rütteln, dass der Diplom-Ingenieur, der als Elektromonteur begann seine Kindheitsträume zu verwirklichen, nach 35 Jahren mit Erreichen des 65. Lebensjahres in den Ruhestand trat.

Weber begann 1953 als Lehrling beim Überlandwerk Oberfranken und stand am Ende als Direktor der Stadtwerke, die 2000 vom Eigenbetrieb der Stadt in eine Gesellschaft umgegründet wurde, zeichnete Franz Josef Kraus die Karriere nach. Leitersprossen waren zweiter Bildungsweg, Studium, Elek-troingenieur, Fernmeldeinspektor bei der Post und Mitarbeiter der Firma Vierling.

Er war mit Leib und Seele dabei, zeigte der Bürgermeister auf: Im Büro jederzeit ansprechbar, auch nach Feierabend und am Wochenende, der Erste in der Schaltwarte nach einem Blitzschlag und der Letzte, der sie verließ, und an seiner Seite eine Frau, die mit viel Verständnis ihrem Mann den Rücken frei gehalten hat. Der Stadtrat und der Aufsichtsrat dankten ihm dafür, dass er mit großem Einsatz viel Gespür für das Notwendige und das Machbarte bewiesen habe.

Von Tragweite

Als er 1969 bei den Stadtwerken eintrat, sei es das Ziel von Josef Weber stets gewesen, vorausschauend eine hohe Versorgungs- und Betriebssicherheit bei Strom, Wasser und später auch Gas zu gewährleisten. Kraus zählte eine Reihe von markanten Daten auf. Von großer Tragweite war 1988 die Gesellschaftsgründung zwischen der Fränkischen Gaslieferungsgesellschaft (FGL) und der Stadt – die Initialzündung für den Aufbau der Gasversorgung, die die Attraktivität der Stadt für Industrie, Gewerbe und Wohnen erhöhte. Schließlich konnte im April 2004 auch die erste Erdgastankstelle im Landkreis Forchheim in Ebermannstadt in Betrieb genommen werden. 1995 wurde den Stadtwerken die Führung des Erlebnisfreibades übertragen mit der Zielvorgabe, die Attraktivität zu erhöhen.

Die größte Herausforderung brachte die Liberalisierung des Strommarktes mit sich. Mit der Folge, dass der Eigenbetrieb der Stadtwerke in eine privatwirtschaftliche GmbH mit den Tochtergesellschaften Stadtwerke Versorgungsbetriebe und Gasversorgung mündete. Um die Position am Strommarkt zu stärken und eine höhere Ertragskraft zu erlangen, hat man sich von der damaligen EVO, jetzt e.on, zu 25 Prozent beteiligen lassen. So brachte der neue Partner Stromkunden aus Ortsteilen von Ebermannstadt, Unterleinleiter und Pretzfeld mit ein.

Die Bilanz des Werkleiters fällt positiv aus, resümierte der Redner. Josef Weber habe sich viel Anerkennung und Respekt erworben, sei seinen Obliegenheiten mit großem Verantwortungsbewusstsein nachgekommen und stets bereit gewesen, neue Herausforderungen anzunehmen.

Ein Gutschein für eine Reise und eine Eber-Plastik aus Bronze, sowie Blumen für Ehefrau Traudel waren das Abschiedsgeschenk der Stadt.

„Herr Weber hat sein Soll übererfüllt, es hat Freude gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten“ sagte in einem Grußwort der Generalbevollmächtigte der e.on Bayern AG für Oberfranken, Rolf Wutschka. Man schätzte dessen „wohlwollende Wachsamkeit“ und die Fairness in den Verhandlungen. Was die Stadtwerke mit ÜWO, EVO und jetzt e.on praktizierten stellte Wutschka als ein „Muster der Partnerschaft“ zwischen lokaler und regionaler Stromversorgung heraus.

„Der Kapitän verlässt das Schiff“, sagte Betriebsratsvorsitzender Jürgen Pöhlmann. Dass es kein sinkendes ist, dafür habe Josef Weber in globalen Stürmen und Turbulenzen gesorgt und vorgesorgt. Er habe seine Mannschaft, „trotz“ eisernen Ehrgeizes, motivieren können, und sie sei den Weg begeistert mitgegangen.

Der neue Geschäftsführer Jürgen Fiedler hatte die Gäste begrüßt, darunter die Bürgermeister des Versorgungsgebietes, die Geistlichkeit, Industriekunden, die Spitzen von e.on, FGL und der Ferngas Nordbayern. Josef Weber zu folgen falle ihm leicht, sagte Fiedler, übergebe er doch ein erfolgreiches und geordnetes Lebenswerk.

Josef Weber selbst dankte vielen Menschen, Weggefährten und Freunden, die ihn in seinen Idealen und beruflichen Zielen beflügelten und unterstützten. Dem Bürgermeister und dem Stadtdrat dankte er für das Vertrauen, das sie ihm und dem Aufsichtsrat entgegen brachten, seinen Mitarbeitern für die gemeinsam erreichen Ziele. „Ich war gerne Kapitän und hatte stets gute Steuermänner an Bord“ betonte er.

Nun gilt der Blick des Ehepaares Weber ferneren Zielen. Die Bläsergruppe von Wojciech Grabietz spielte dazu das mexikanische „Guantanamera“.

Michael Wuttke


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