Stets geprägt von Mitmenschlichkeit

Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Realschule Ebermannstadt – Chance für ländlichen Raum unterstrichen

Ebermannstadt. „Schule im Wandel der Zeit“. Unter diesem Motto stehen die Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Realschule Ebermannstadt, die gestern mit einem Festakt in der Aula eröffnet wurden. Schulleiter Rainer Heinz stellte die Gründung der „Mittelschule Ebermannstadt“ in einen geschichtlichen Zusammenhang, indem er auf deutschland- und weltpolitische Ereignisse dieses Jahres verwies. Die Entscheidung zu Gunsten der Staatlichen Mittelschule Ebermannstadt nannte Heinz ein „epochales Ereignis für Ebermannstadt“. Dies war der erste Schritt auf dem Weg der damals 2500 Einwohner zählenden Kommune zur Schulstadt.

Den Job tun

Zur Feier des Ereignisses begrüßte der Schulleiter Vertreter aller Ebenen, die an der Schulgründung beteiligt waren. Den Vertreter des Kultusministeriums, Leitenden Ministerialrat Anton Schmid, und die anderen Politiker bat Rektor Heinz, all ihren Einfluss geltend zu machen, dass die Pädagogen weiter das tun können, was sie am liebsten machten: „Gerne in die Schule gehen und gute Arbeit leisten.“

Lehrer, so ergänzte Heinz, hätten in den vergangenen 50 Jahren stets den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung getragen. Lehrer richteten ihr berufliches Credo am Wohl der Schüler aus, sie gingen nicht gleich auf die Barrikaden: „Aber Lehrer sind auch nur Menschen“.

Ständiges Wachstum

Rektor Heinz , der an die verschiedenen Häuser, in denen die Realschüler untergebracht waren , erinnerte, verwies aber auch darauf, dass dieses Gebäude für zwölf Klassen gebaut, auf 16 erweitert wurde, jetzt aber 29 Klassen mit 810 Schülern (je 405 Buben und Mädchen) beherbergt. Eine neuerliche räumliche Ausweitung sei überfällig und dulde keinerlei Aufschub. Entscheidend dazu beigetragen habe die Umstrukturierung der Schulgattung von der vier- auf die sechsstufige Realschule. Als die Mittelschule ihren Betrieb aufnahm, dauerte die Schulzeit drei Jahre, ehe sie 1957 auf vier Jahre ausgeweitet wurde.

Dieser Wandel sei begleitet worden durch einen Wandel im Inneren und durch sich ändernde Lehrpläne. Der jetzige Lehrplan mit fachübergreifenden pädagogischen Leitthemen und einem Katalog an Grundwissen sei ausgerichtet, die Stärken der jungen Menschen zu fördern und sie auf ein eigenverantwortliches Leben vorzubereiten. Dies gelinge am besten im Team. Was noch fehlt, sei ein angepasstes Sportangebot, das durch die Dreifachturnhalle aber in erreichbare Nähe gerückt sei. Besonders unterstrich Heinz die Bedeutung des musikbesessenen Vorgängers Siegfried Billich und des Gründungs-Rektors Hans Gutheil.

Schwung in die Aula brachte der Chor unter Helmut Weininger sowie Kirsten Schmidt und Anne Ritter, die aus dem Musical „Grease“ von Warren Casey und Jim Jacob die Lieder „Summer Nights“ und „We Go Together“ – die Interpretation mit Johna Travolta und Olivia Newton-John ist unvergessen – vortrugen.

Klösterliches Vorbild

Leitender Ministerialrat Anton Schmid verwies auf die bildungspolitische Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und rief in Erinnerung, dass die erste Staatliche Mittelschule – Vorbild waren die klösterlichen Mittelschulen für Mädchen – 1949 in Landau an der Isar errichtet wurde. Wenige Jahre später folgte Ebermannstadt, wobei Schmid anmerkte, dass die Mittelschulen generell nicht in Großstädten, sondern in den ländlichen Gebieten errichtet wurden.

Gravierende Veränderungen gab es 1964, als die Mittelschulen in Realschulen umbenannt wurden und 1992/93, als der Schulversuch sechsstufige Realschule gestartet wurde, die seit 2000 verbindllich ist. Der Lehrplan dieser sechsstufigen Realschule setze auf eine breite Allgemeinbildung ganz im Zeichen des Humboldt'schen Bildungs-Gedankens, der sich auch im Bildungsbericht der Unesco wieder finde.

Und die Realschule habe Zukunft, denn es gebe so viele Realschüler wie noch nie. Angesichts dessen müsse die Qualitätssicherung verbessert werden. Noch gebe es zu wenig Wahlunterricht; ein Bereich, der eine Schule prägen könne. Wichtig fand Schmid in diesem Zusammenhang auch, dass den Schulen ein höherer Grad an Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt wird.

Nach einem musikalischen Intermezzo mit Cembalo, Cello und Flöten – vorgetragen wurden Kompositionen von Giovanni Giaccomo Gastoldi – unterstrichen Grußwortredner die Bedeutung der Realschule Ebermannstadt. Den Reigen eröffnete Landtagsabgeordneter Eduard Nöth als Bildungspolitiker und Freund der Ebermannstadter Schule. Er schloss sich den Worten des Gründungsrektors Gutheil an: „Der Geist der Schule wurde geprägt von Menschlichkeit“.

Atmosphäre entscheidend

Der Lernerfolg hänge schließlich ab von der Atmosphäre, die an einer Schule herrsche. Die erste weiterführende Schule in der Fränkischen Schweiz habe einen Aufbruch signalisiert, etwas, das sich Nöth auch heute wieder wünscht. Die Schule habe in den vergangen 50 Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben lobte Nöth, der als Geschenk Rektor Heinz eine Fahne des Freistaates Bayern überreichte.

Vizelandrat Gregor Schmitt freute sich, dass Rektor Heinz die finanziellen Anstrengungen des Landkreises gewürdigt hatte. Gleichzeitig musste er die Hoffnungen auf einen Erweiterungsbau dämpfen. Es sei überaus schwierig, Investitionen größeren Ausmaßes zu leisten. Dennoch versicherte er, dass der Landkreis alles daran setzen werde, ein Umfeld zu gestalten, in dem Schüler und Lehrer gerne arbeiten und lernen.

Grundstock gelegt

Schmitt würdigte die Leistung Bürgermeister Paul Lachmayers, der die weit reichenden Beschlüsse 1954 herbeigeführt hatte, und des damaligen Landrats und späteren Abgeordneten Rudolf Eberhard, der durch die Vermittlung günstiger Kredite die finanzielle Basis für die neue Mittelschule gelegt hatte. Damit seien für die Schüler die bestmöglichen Rahmenbedingungen geschaffen worden.

Auch heute gelte es, Bedingungen zu schaffen, damit jeder seinen festen Platz in der Gesellschaft finden kann. Dies erfordere von Schülern, Lehrern und der Gesellschaft hohe Anstrengungen. Die Schule zeige den jungen Menschen dabei den Weg dorthin.

Musikalisch abgerundet wurde die Feier durch zwei Lieder von Daniel Friderici (Drei schöne Dinge fein) und Erasmus Widmann (Der Floh) unter Elisabeth Wehr und ein Trompetenstück unter der Leitung von Wojciech Grabietz.

Josef Hofbauer


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