Ebermannstadt. Mit einem zweitägigen Fest feierte die Dampfbahn Fränkische Schweiz ihr 30-jähriges Bestehen. Als die Dampflokomotiven der damaligen Deutschen Bundesbahn in den letzten Zügen lagen, gründeten Eisenbahnfreunde und Laien den Verein und sicherten so die Zukunft der historischen Bahnfahrzeuge.
Einer der Höhepunkte war die am Samstag ein Jubiläumszug mit zwei Dampfloks, der um 12 Uhr und um 15.15 Uhr auf die die 16 Kilometer lange Strecke nach Behringersmühle geschickt wurde. Als besonderer Leckerbissen für die Fotofans startete um 13 Uhr ein Foto-Güterzug in Richtung Fränkische Schweiz. Jede Menge Kameras klickten auch am Nachmittag, als auf dem Ebermannstadter Bahnhof die rollenden Kostbarkeiten der Dampfbahn Fränkische Schweiz vorgestellt wurden. Während die Oldtimer der Schiene langsam in den Bahnhof einrollten, informierte Walter Sieburg von der DFS Hunderte von Nostalgikern über Historie und technische Details der einzelnen Fahrzeuge.
So erfuhren die staunenden Besucher, dass etwa der 1937 für die deutsche Reichsbahn gebaute Diesetriebwagen VT1, der wieder in der weinrot-elfenbeinfarbigen Originalfarbe erstrahlt, bereits in den 50er-Jahren im Wiesenttal zu Hause war. Von 1983 bis 1991 war er die einzige Lokomotive der DFS. „Und immer zuverlässig“, fügt der für Sonderfahrten zuständige Sieburg hinzu.
Vorgestellt wird auch die aus dem Jahr 1930 stammende, 54 Tonnen schwere und 40 Stundenkilometer schnelle Elna 6, die einen Wasservorrat von sechs Kubikmetern hat. Der Besucher erfährt auch, dass es sich hierbei um eine vierfach gekuppelte Heißdampftenderlok handelt, die in die Liste der beweglichen Denkmale aufgenommen wurde. Der Kessel und die beiden Dampfzylinder wurden vorher komplett erneuert.
Über die 1940 von Orenstein und Koppel in Berlin für die Deutsche Reichsbahn gebaute Personenzugtenderlok erfährt der Besucher, dass diese Baureihe von 1928 bis 1940 eingesetzt wurde und den Spitznamen „Bubikopf“ hatte. Das immerhin 90 Stundenkilometer schnelle Fahrzeug bestimmte bis in die 60er-Jahre das Bild auf den fränkischen Nebenbahnen.
Bemerkenswert: Eine Lok der 64-er Baureihe brachte am 4. Oktober 1930 den Eröffnungszug nach Behringersmühle. Das bunte Bild historischer Fahrzeuge bereichern neben Güter- und Arbeitswagen sowie den Reisezugwagen eine 1956 gebaute Draisine mit einem 28 PS starken VW-Motor und einem unsynchronisierten Prometheus-Getriebe, die besonders bei Inspektions- und Arbeitsfahrten zum Einsatz kommt oder ein Zweiwegebagger, den die DFS von einer Gleisbaufirma erwarbt.
Dieses Gerät hat ein Eigengewicht von zwölf Tonnen und kann bis zu 40 Tonnen ziehen. Heben kann der Bagger Lasten bis zu 3,5 Tonnen. Zu den Arbeitsgeräten gehört auch ein Kranwagen Baujahr 1949. Seine Tragkraft liegt bei zehn Tonnen, seine Ausladung beträgt acht Meter.
Ein besonderes Spektakel ist aber das Szenario, wenn Lokführer und Heizer mit Hammer und Ölkännchen ausgerüstet noch einmal das Triebwerk der Lok inspizieren, ehe sich die Maschine mit einem Achtungspfiff in Bewegung setzt. Auf Gleis 4 fährt die 64 491 an der östlichen Bahnhofsaufahrt hinaus, bis ein weiterer pfiff dem Stellwerker signalisiert: „Weiche umstellen“. Die Maschine rollt wieder zurück und setzt sich an die Spitze des Zugs, vor eine Lok gleicher Bauart. Nun führen Zug- und Lokführer eine Bremse durch. Dann wird Dampf angelassen, und die Fahrt geht los durch das malerische Wiesenttal Richtung Behringersmühle.
Auch am Sonntag starteten die Dampfbahner mit Volldampf voll durch. Von 9 bis 18 Uhr verkehrte stündlich ein historischer Zug. Am Sonntagvormittag stattete die Fränkische Weinkönigin, Lisa I. aus Großlangheim (Lisa Schmitt) mit weiteren Weinprinzessinnen aus dem Hofstaat zu Kitzingen der Dampfbahn Fränkische Schweiz einen Besuch ab. Die Weinkönigin bot am Bahnhof Ebermannstadt und in den Zügen nach Behringersmühle verschiedene Weine zum Verkosten an. Der Ebermannstadter Bürgermeister Franz-Josef Kraus und der Vorsitzende der Dampfbahn, Siegfried Fuchs, tranken aus der „Kandel“ des Hofrats Walter.
Leckerbissen für die Fotofreunde. Dazu zählte auch das Rahmenprogramm, denn neben historischen Lokomotiven gab es auch jede Menge zwei und vierrädrige Oldtimer zu bestaunen.
Josef Hofbauer