Gemeinsame Krankenhaus-Holding?

Klinik Fränkische Schweiz und das Krankenhaus Forchheim könnten zusammenarbeiten

Ebermannstadt. Der Aufsichtsrat der Klinik Fränkische Schweiz, Ebermannstadt, hat in seiner Sitzung am Montag Geschäftsführer Thilo Penzhorn beauftragt, Möglichkeiten der Kooperation mit dem Krankenhaus Forchheim auszuloten. Die Idee: Eine gemeinsame Holding für den organisatorischen Bereich. Ebenfalls neu: Neben der Klinik soll in Bälde ein Ärztehaus entstehen.

Die Holding sei weder eine „Liebesheirat“, noch eine für uns zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit, erläutert der Geschäftsführer. Sie mache aber Sinn, denn hier könne gespart werden, ohne dass dies auf Kosten der Patienten geht. So ist geplant, die Lohnabrechnungen für die Beschäftigten beider Häuser von einer Stelle aus zu organisieren, denn „dem Computerprogramm ist es egal, ob er er 500 oder 2000 Gehaltsabrechnungen druckt“. Sorgen um seinen Arbeitsplatz müsse sich aber niemand machen, denn eine solche Zusammenarbeit werde sozialverträglich gestaltet, versichert der Verwaltungschef. „Wir gewähren unseren Leuten eine Arbeitsplatzsicherheit“ verspricht er. Weitere Synergie-Effekte sieht er im gemeinsamen Einkauf oder der Wäscherei.

Nicht opfern will er die eigene Küche, denn sie sei eines der Qualitätsmerkmale der Klinik und arbeite günstiger als beispielsweise ein großer „Caterer“.

Dies habe eine Untersuchung durch ein namhaftes Unternehmen ergeben. Und das Team um Chefkoch Stefan Bogner ist auch so flexibel, um ab und an individuelle Wünsche erfüllen zu können. So gab's gestern für einen Patienten Zander. Und für die Angehörigen Kaffee gratis.

Überlegt wird, ob nicht auch warmes Mittagessen für die Familien der Patienten angeboten werden soll. Gedacht ist an ein warmes Büffet, das sich die Leute selbst holen, so dass keine Personalkosten anfallen.

„Das will sich unser Haus (164 Betten, davon 104 für Akutkranke und 60 für den Bereich Geriatrie) leisten“ bekräftigt Chefarzt Dr. Georg Obenauf. Mit Stolz verweist er darauf, dass heuer bereits wieder 200 Patienten mehr behandelt wurden als im Vorjahr. Im vergleich zu den Zahlen vor zehn Jahren werden jetzt um 1200 Patienten jährlich mehr behandelt als damals.

Dadurch muss die Finanzlücke kompensiert werden, die durch die Umstellung von Tagessätzen auf Pflegepauschalen entstanden ist. Lag die durchschnittliche Verweildauer in einem Krankenhaus noch bei 13 Tagen, liegt dieser Schnitt in der Klinik Fränkische Schweiz aktuell bei 6,9 Tagen.

90 Prozent Auslastung

So liegt die derzeitige Auslastung des Hauses laut Penzhorn bei über 90 Prozent. Im Geriatriebereich sei das Haus zu 100 Prozent ausgelastet, im Akutbereich zu etwa 90 Prozent. Um finanziell über die Runden zu kommen, ist ein Auslastungsgrad von 85 Prozent notwendig. Das habe die Klinik in den letzten Jahren stets erreicht. Nächstes Jahr werde dieser Wert auf über 90 Prozent klettern, („das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“) weil derzeit etwa 30 Pflegeplätze eingerichtet werden, die den Patienten nicht nur eine optimale ärztliche Versorgung sichern, sondern auch ein persönliches Wohn-Umfeld schaffen. Da diese Patienten „Dauerkunden“ sind, hat der Aufsichtsrat bereits die Planung für den Neubau eines Pflegeheimes in der Schublade.

Unser Ziel muss es sein, auch ohne Kooperation schwarze Zahlen zu schreiben, verdeutlicht Penzhorn. Das sei in den letzten 15 Jahren auch immer erreicht worden, mit Ausnahme des vergangenen Jahres. Da gab es eine große Umbaumaßnahme, bei der sämtliche Leitungen erneuert werden mussten, so dass über das ganze Jahr hinweg 25 Betten nicht belegt werden konnten. Diese 600 000 Euro waren im Etat nicht eingeplant. Ferner mussten 400 000 € zu Unrecht erhaltene Fördermittel an den Staat zurück bezahlt werden. „Eine Million, die wir uns aus den Rippen schneiden mussten“ so Penzhorn, der aber schnell anfügt, dass es sich hier um eine einmalige, außergewöhnliche Situation gehandelt habe.

Kaum Strahlenbelastung

Wichtig für Chefarzt Dr. Georg Obenauf und den Verwaltungsleiter: Die Leute kommen gern zu uns. Dafür werde einiges getan. So sind die 1200 Patienten, die alljährlich den Bereich Angiografie und Herzkatheter durchlaufen nur einem Zehntel der weltweit üblichen Strahlung ausgesetzt. „Ein Steckenpferd von Dr. Eberhard Kuon, das der Klinik bundesweite Beachtung einbringt“, freut sich der medizinische Leiter des Hauses.

Nicht minder stolz ist er auf die Erfolge in der physikalischen Therapie, wo die Patienten nach einem Schlaganfall wieder das Gehen und durch Flechten, bohren oder bügeln die Fingerfertigkeit wieder erlernen. Auch dabei gilt: Erstklassige medizinische Versorgung wird kombiniert mit schönem, hotelartigem Service. Das schätzen die Leute, denn bereits jetzt kommt ein Drittel der Patienten aus dem Großraum Nürnberg. Und noch etwas fällt auf: 40 Prozent der in der Klinik Fränkische Schweiz behandelten Klientel sind Privatkunden. Für die Leitung des Hauses ein Beweis, dass die Betreuung stimmt.

Das zeigt auch das Schlaflabor. Die sechs hier zur Verfügung stehenden Plätze sind bereits jetzt bis Januar ausgebucht. Jährlich werden 900 Patienten behandelt. Neueste Technik, wie der Pupillograph, der die Tagesschläfrigkeit misst und dazu beitragen soll, den Sekundenschlaf zu verhindern, ist auch hier selbstverständlich.

Ärztehaus neben Klinik

Eine noch bessere Auslastung der Medizintechnik soll ein Ärztehaus garantieren, das wenige Meter neben der Klinik entstehen soll. Das Schöne: „Die niedergelassenen Ärzte sind auf uns zugekommen“ freut sich Penzhorn. Durch die Zentralisierung des Standortes könne das Leistungsangebot erweitert werden. Sowohl der Allgemeinarzt, als auch der Gynäkologe, der HNO-Arzt oder der Chirurg profitierten von der Nachbarschaft der Klinik. Umgekehrt werde dem Patienten durch das Ärztezentrum eine Rundum-Versorgung gewährleistet. Dabei schaue die Klinik nicht auf den Cent. Einer Dame, der die Kasse keine Kostenübernahme zugesichert hatte, die aber gesundheitlich so schlecht dran, war, wurde gratis mehrere Tage gepflegt. „Auch das“ so Dr. Obenauf, „gehört zu unserem Versorgungsauftrag“.

Josef Hofbauer


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