
Mit einem Weißbier in der Hand betritt er in grau/orangen Turnschuhen und einem orange geblümten Hemd die Bühne. Hier zeigt der Unterfranke aus der Nähe von „Aschebäsch“ (Aschaffenburg), dass er sich in Gasseldorf wohl fühlt. „Bei uns kommt auf zwölf Einwohner ein Baumarkt“.
Sein Outfit habe nichts mit Holland zu tun, beteuert Priol, der sich sich zunächst dem Fußball widmet. Als Schuldigen für die Niederlage gegen Tschechien macht er Edmund Stoiber aus, denn der habe die Tschechen „so richtig heiß gemacht“. Da nutzt die Finte Völlers, den Podolski einzuwechseln und zu hoffen, dass Rositzky zu Podolksy spielt, nichts mehr. Und während alle nach einem Nationaltrainer für die Kicker suchen, hat Priol einen parat, den rhetorischen Taifun aus Herzogenaurach. „Besser kann man den Zustand unseres Landes nicht auf den Punkt bringen“ .
Da ist Priol bei der Politik. Den Pessimisten hält er entgegen, dass das Land sehr wohl steigerungsfähig ist. „Gestern war es Kohl, heute Köhler“ begründet er. Der Regierungspartei attestiert er einen zielsicheren Instinkt. Immer wenn ein falsches Pferd durchreitet, rufen sie: „Hebt uns drauf“. Zum „Hosenanzug“ als nächste Bundeskanzlerin höhnt Priol: „Auch das Grauen hat seine Grenzen“. Und zur Variante Guido: „Ich weiß nicht, als was ich es bezeichnen soll. In Shakespeare-Dramen hätte der den Strauch gespielt“.
In Amerika, stellt der Unterfranke fest, haben Politiker immer ein Imperium hinter sich, der eine das Öl, der andere Ketchup. Er bevorzuge Letzteres, bekennt Priol, denn wenn das knapp wird, wen wollen die dann überfallen?, fragt er. „Na gut, Holland“ räumt er nach einer Kunstpause ein.
Wirtschaftspolitisch nennt der Kabarettist die funktionierende Maut in Österreich die größte Schmach seit Cordoba. Kopf schütteln kann er nur über die Unternehmensführung von Daimler Chrysler. Dass das nix werden kann, wisse er seit seiner Kindheit. In den Mickey-Mouse Heften stand immer dann, wenn zwei Autos zusammenkrachten in den Sprechblasen: „Schremp schremp“.
Mit Innovation aus Deutschland verbinde er nur noch den 18-jährigen Schüler aus Niedersachsen, der die halbe Weltwirtschaft lahm gelegt hatte. Schumi siegt nur, weil er ein italienisches Auto hat. Jahn Ulrich dagegen werde vermutlich wenn es in die Berge geht, die Stützräder anschrauben.
Hier zeigt er sich verwundert über die SMS-Nachricht „Ramewedili“ Die Antwort kennt die Tochter, die in die Grundschule geht. Auf Papas Handy sieht sie nach: „Rat mal, wer dich liebt“. Das Kind erklärt auch, dass man die Uhr nach der Tageszeit von Adelaide stellen kann. „Das Blöde daran“ so Priol: „Jetzt klingelt immer nachts um drei der Wecker.“ Da hilft nur eins. Abhauen! Das sei genetisch bedingt. Nicht umsonst heißt ein Duft von Kelvin Klein „Escape“. Aus einem reichen Erfahrungsschatz berichtet er zum Thema Bürokratie. Beispiel: Die Küche eines Lokales wird geschlossen, wenn der Mindestabstand zwischen den Urinalen nicht passt. „Aber wer isst schon auf dem Klo?“
Mit seinem Anlageberater telefonierend und mit einem zweiten Weizen in der Hand betritt Priol die Bühne zur zweiten Halbzeit. Hier übt Priol Kritik am mündigen Verbraucher, dessen Augen leuchten, wenn der Autoverkäufer sagt: „Aber die Fußmatten bekommen sie von mir“. Umgekehrt müsste es sein, belehrt der Kabarettist, der darauf wartet, dass jemand antwortet: „Nein die Fußmatte kauf ich mir selbst. Das Audo gebbe Sie mir.“
Nicht nachvollziehen kann Priol die Sorge von Ex-Präsident Johannes Rau, die Würde des Hohen Hauses könnte durch Filmaufnahmen im Reichstagsgebäude verletzt werden. „Die wird verletzt, wenn jemand da drin den Mund aufmacht“, korrigiert Priol. Beim Streit der Kulturen wundert sich der Kabarettist auch über jene, die alle Kulturen verstehen wollen, auch die im Joghurt.
Orientierungslos macht Priol die universelle Angebotspalette. Früher hast du gewusst: Bei Tschibo gibt's Kaffee. Heute heißt's: „Bring mir doch ein paar Dessous mit“. Ins Grübeln kommt er bei der Zeitschrift „Brigitte woman“. „Für wen bittschön war dann bisher die Brigitte?“, fragt Priol, dem auch die Studie, wonach Jogging sexuell anregend sein soll, suspekt ist. „Vielleicht für die Frau, während der Alte zwei Stunden im Unterholz rumstolpert, vermutet er.
Trends treffen auf ihn ebenfalls nicht zu. Durch eine Ironie des Schicksals kreuzen sich die Glücks- und Harmonie-Linie in Priols Garten exakt auf dem Komposthaufen. Da kann es ja nix werden mit Feng Shui. Und auch die anderen Glücksritter wie Roland Berger und Mac Kinsey hält er für „Pappnasen“, die nur das erklären, was er längst weiß. So ist er sicher: „Das entspricht keiner DIN Norm“. Ebenso wenig Urban Priol, der von einer Dame ein dickes Lob erhielt: „Seit dem Tod meines Mannes hab ich mich nicht mehr so amüsiert, wie bei Ihnen.“
Josef Hofbauer