
Ebermannstadt. Der Trinkspruch: „Auf dein Wohl“ ist das Motto, unter dem im Heimatmuseum Ebermannstadt eine Sonderausstellung über das Brauwesen und den Wandel der Bierkultur in der Wiesent-Stadt zu sehen ist. Zur Eröffnung konnte Dr. Manfred Franze namens des Museumsbeirats auch die Fränkische Bierkönigin Heike Jost aus Kulmbach begrüßen.
„Bier ist gesund, solang man's nicht säuft“, zitierte Bürgermeister Franz Josef Kraus die Braumeisterin des Klosters Mallersdorf, Schwester Doris, die damit maßvollen Genuss und gesundheitliche Vorzüge des Gerstensafts auf einen Nenner gebracht hatte. Unter den rund 50 Eröffnungsgästen hieß Kraus Stadtpfarrer Hans Hübner und den Kreisheimatpfleger Andreas Otto Weber willkommen.
Weiter zurück, als es die anderthalb Jahrhundert zurückreichende Ausstellung dokumentiert, ging Kraus bei seinen Worten zur Eröffnung. So erwähnte er den über 400 Jahre währenden „Bierkrieg“ der Ebermannstadter gegen die Pretzfelder, den 1510 Kaiser Maximilian mit dem Dekret auslöste, dass gegen alle vorzugehen sei, die im Umkreis unbefugt Bier ausschänkten.
Über Hopfen, Malz und Bier berichtet um 1750 auch Melchior Freytags berühmte Ebermannstadter Liederhandschrift. Dank sagte der Stadtchef dem Ebermannstadter Kunsthistoriker Georg Brütting und Christian Rösch für das mühevolle „Ausgraben“ und die gelungene Präsentation der hoch interessanten Exponate durch Ulrike Reuter.
Neben der auf Bildtafeln gezeigten Geschichte des Ebermannstadter Brauwesens dokumentiere die Ausstellung Fränkische Lebensart sagte Christian Rösch bei seiner Einführung. Aus einem Verzeichnis von 1884 geht hervor, dass es in Ebermannstadt und Breitenbach 120 Berechtigte gab, die im Kommunbrauhaus ihren Haustrunk brauen durften. Insgesamt bestanden 1908 in den Stadtteilen noch 20 Einkehrmöglichkeiten, ist einem Reiseführer zu entnehmen; bei damals 1130 Einwohnern stand rechnerisch 56 Einwohnern ein Lokal zur Verfügung, das konnten nur wenige Städte in Bayern bieten, stellten die „Ausstellungsmacher“ eine unglaubliche „Bierdichte“ fest.
In Bildern fest gehalten ist das Leben auf den zahlreichen Bierkellern der Stadt, die es heute längst nicht mehr gibt. Dass man heute nur noch im Gasthof zur Sonne und beim Schwanenwirt Ebermannstadter selbst gebrautes Bier trinken kann, ist bekannt. Schnell wurde dem Kunsthistoriker Brütting von der Universität Bamberg bei seinen „Quellforschungen“ eine zunehmende „Unschärfe“ bei weiter zurück liegenden Ereignissen deutlich. Deshalb liegt in der Ausstellung ein Gästebuch auf, in dem bei etwaigen Fehlern Richtigstellungen erwünscht sind.
Besonderen Dank sagte Brütting den vielen Helfern und Leihgebern von Krügen und Brau-Utensilien. Beeindruckt vom Sammlerfleiß zeigte sich auch die Kunst studierende Bierkönigin. Die Ausstellung ist bis 12. September an Sonntagen von 14 bis 17 Uhr im Bürgerhaus zu besichtigen.
mao