Ex-„Tante“ ist harter Fall

Mit „Allein unter Rüden“ hat Friedrich in Gasseldorf keinen gebissen

Gasseldorf. Eineinhalb Stunden solo auf der Bühne ist nicht einfach. Und wenn „das Heidi“ auch noch so viele „Baustellen“ aufmacht, am Ende verhindert der Wischmopp zwischen den Zähnen den tiefgehenden Biss im Programm „Allein unter Rüden“.

Brav „Platz gemacht“ haben die knapp Hundert im Gasseldorfer Gemeinschaftshaus, da ist es schwer für Heidi Friedrich, einen aus der „Rudeldeckung“ herauszuholen. Das Opfer kommt schließlich aus der ersten Sitzreihe: „Keine Angst, ich will doch bloß spielen“, verspricht sie dem Werner.

Das kleinere Übel

Doch was will sie bloß anfangen, mit einem „Schreibtischtäter“ auf der Baustelle, wo die Hilti hämmert, ob es das nun braucht oder nicht. Aber immer noch besser als solche Bauherrinnen, die Spax und Dübel nicht voneinander unterscheiden können.

Mut hat sie, die rheinische Frohnatur, wenn sie zu einer Zeit, in der Männer ihr sprachliches Pensum schon runter haben, bei der „Comedy auf’m Dorf“ noch mal 20.000 Wörter hinballert, darunter im Original sämtliche Kaffee-Abarten und Sätze in Fränkisch, die sie nicht allein auf dem Frankenschnellweg („Eine lustige Straße, aber verarschen kann ich mich selbst.“) aufgeschnappt haben kann.

Die gute Erfahrung: mit Franken an einem Tisch, da kommst du immer zu Wort. Die schlechte: im Reihenhaus für Idealisten musste sie lernen mit der Stimme bei sich zu bleiben. Der Kontakt zu den fränkischen Eingeborenen beschränkt sich aufs Eier holen.

„Zero points“

Mit Kindern hat es die Schlakse aus Köln eher nicht: „Wenn die mal 40 sind, entmündigen sie dich ja doch.“ Und außerdem – so schlimm wäre es doch nicht, wenn wir Deutschen aussterben, uns mag doch sowieso keiner: „Germany zero points!“

Dann schon lieber Hunde. Schließlich hat ihr so ein treuer Begleiter auch den Freund ausgesucht.

Und wenn’s auch nicht mehr der Rottweiler ist, mit dem es beim Training am Kinderspielplatz immer so viel Stress gab, dann tut es jetzt der „Minisatan“ in der Bomberjacke, der kostet auch keine Kampfhundesteuer.

Beim Wort genommen

So gesehen, blieb die Ex- „Tante“ auch als männermordende Hausfrau ein harter Fall. Aber richtig beißen tut sie nicht Vielleicht hat Heidi Friedrich das bei Beginn nicht so gemeint, aber gesagt hat sie es: „Uns Frauen geht es ums Reden an sich, Inhalte sind uns scheißegal.“

Ein deutlicher Hinweis, dass „Kabarett von der Stange“ auch in Gasseldorf kein Kavaliersdelikt ist, war der dünne Schlussapplaus.

Marquard Och


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