Die notärztliche Versorgung krankt

Stadtrat Ebermannstadt besorgt – Notärzte im Bezirk machen mobil

Ebermannstadt. Besorgt zeigten sich Bürgermeister Franz Josef Kraus und die Vertreter des Haupt- und Kulturausschusses, dass die notärztliche Versorgung im ländlichen Raum womöglich schon bald nicht mehr gewährleistet sein wird. In Alarm versetzt hatte das Gremium ein Schreiben der oberfränkischen Notärzte.

Bürgermeister Kraus verdeutlichte den Stadträten, dass für Feuerwehren und Rettungsdienst eine Frist von zehn Minuten gelte, in der sie am Einsatzort sein müssten. Dies gelte nicht mehr für den Notarzt.

CSU-Fraktionssprecher Hubert Herbst sorgte sich, dass der ländliche Raum von der notärztlichen Versorgung her nicht schlechter gestellt werden dürfe als größere Städte. So müsse mit Nachdruck darauf gedrungen werden, dass die Notfallversorgung „durch wen auch immer“ gesichert werde. Dabei müsse man auch die Notwendigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung auf den Prüfstand stellen. „Vielleicht sind die ja überflüssig und man kann durch ihre Abschaffung Geld sparen“, war der Gegenvorschlag von Herbst angesichts offensichtlicher Einsparbemühungen.

Für Ludwig Brütting (Freie Wähler) lautete die entscheidende Frage, ob Ebermannstadt, bzw. der Landkris Forchheim, bereits zu den Gebieten gehören, in denen die notärztliche Versorgung nicht mehr gewährleistet ist. Sollte dies der Fall sein, wäre der Stadtrat gefordert, in einem Memorandum die Aufrechterhaltung des Notdienstes zu fordern. Ansonsten genüge es, deren Notwendigkeit zu unterstreichen.

Geschrieben hatte der Stadt Dr. W. Gruber, Arzt in der Unfallchirurgie am Klinikum Bayreuth, der im November zum Sprecher der oberfränkischen Notärzte berufen wurde. Er hat in einem Schreiben vom 12. Januar die notärztliche Versorgung in Oberfranken als sehr angespannt bezeichnet. An sechs von 16 Standorten könne kein durchgängiger Dienstplan mehr organisiert werden, in einigen Standorten versuchten vier bis fünf Kollegen die Versorgung aufrecht zu erhalten.

Bürgermeister wollen System beibehalten

Ebermannstadt und Forchheim befänden sich nicht unter den sechs angesprochenen Standorten, sagte Dr. Gruber gestern dem FT. Sie lägen im Bereich Coburg bis Wunsiedel, betroffen sei aber auch Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg.

Gruber hat im Dezember die sieben Landräte in Oberfranken sowie 50 Bürgermeister und Oberbürgermeister angeschrieben und diese über die derzeit bestehenden schwierigen Rahmenbedingungen im Notarztdienst und die organisatorischen Veränderungen (Thema KVB-Notrufservice, der FT berichtete wiederholt) informiert. Bis auf den Landrat von Bayreuth habe bis jetzt keiner der Landräte geantwortet, was Gruber schon verwunderlich findet, die Bürgermeister reagierten alle und versicherten „größtes Interesse und Engagement für die Aufrechterhaltung des Rettungssystems in der bisherigen Form“.

Der Notarztsprecher stellt in seinem Schreiben vom 12. Januar fest, dass es sich die Kassenärztliche Vereinigung Bayern schon etwas einfach macht, wenn sie versuche, durch einen „Hinauswurf“ der Notärzte aus dem Gesamt-Budget die Lage bedrohlich zu verschärfen „und damit die Sicherstellung der Notarztversorgung zu riskieren, deren Garant sie ja eigentlich ist“.

Die gegenwärtige Situation verdeutlicht Dr. Gruber an einem Beispiel aus Bayreuth. Weil kein Notarzt im Dienst war, wurden Einsätze an den Rettungshubschrauber delegiert, die dieser aber wegen schlechter Wetterlage nicht durchführen konnte. Ergo: „Patienten bleiben also bereit jetzt ohne notärztliche Versorgung“.

mw


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