Ferienwohnungen sind teilweise „zum Grausen“
Verein „Urlaub auf dem Bauernhof“ stellt Quartiere auf den Prüfstand – Gravierende hygienische Mängel
Kanndorf. Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des Vereins „Urlaub auf dem Bauernhof“ in der Vereinsgaststätte Messingschlager stand die Qualifizierung der Quartiere und ihr teilweise schlechter Zustand.
Sigrid Ehrlicher, die zusammen mit Kathrin Ruß von der Touristinformation Streitberg vier Monate lang 178 Objekte begutachtete, berichtete von ihren Erfahrungen und gab Tipps zur besseren Ausstattung der Wohnungen.
Durch diverse Marktanalysen sind das Verhalten und die Ansprüche der Gäste, so die Referentin, ziemlich genau bekannt. Wichtig sind demnach die Lage und Ausstattung des Hofes, die Möblierung der Ferienwohnungen und ganz wichtig: der Kontakt zu den Vermietern.
Meist sind es Familien, die auf dem Bauernhof Urlaub machen. Die Männer interessieren sich in der Regel für die Gerätschaften, die Frauen für den Bauerngarten und die Kinder für den Streichelzoo. So weit so gut, aus der Sicht von Marktstrategen.
Aus der Sicht des Gastes sieht die Welt dagegen etwas anders aus, berichtete Ehrlicher über ihre Besuche in zahlreichen Ferienwohnungen. Was sie vorfand, war teilweise nicht zumutbar: ungünstige Raumaufteilung (durchs Schlafzimmer in die Küche), Möblierung mit dem „Charme der 70-er Jahre“ , alte und zu kleine Bäder, zum Teil mit gravierenden hygienischen Mängeln behaftet, zu wenig Sitzflächen, zu kleine Wohnungen, gemessen an der Zahl der Betten, veraltete Kücheneinrichtungen und mangelhafte technische Ausstattungen (Fernseher etc.).
Harsche Kritik
„Manchmal hat es uns richtig gegraust und wir waren froh, wieder draußen zu sein“, bekannte Ehrlicher im Kreis der meist weiblichen Vereinsmitglieder. „Der Gast will und muss als Gast behandelt werden und nicht als Fremder“.Daher sei es sehr wichtig, dass er zumindest die von zu Hause gewohnte Qualität der Unterkunft vorfinde. Schließlich verbringt er hier die „schönste Zeit“ des Jahres, seinen Urlaub. Sie empfahl daher einen ungewöhnlichen Schritt. An die Vermieter gewandt: „Übernachten Sie ein verlängertes Wochenende in ihrer eigenen Ferienwohnung und betrachten Sie ihren Aufenthalt mit den Augen des Gastes. Dann werden sie schnell feststellen, wo Verbesserungen notwendig sind“.
Um beim Stichwort „Qualität der Unterkunft“ zu bleiben: Kathrin Ruß ging in ihrem kurzen Referat auf die neuen Klassifizierungsmerkmale des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) ein, wonach Ferienwohnungen und auch Privatzimmer in „Standarts“ eingeteilt sind, die - ähnlich wie bei den Hotels - in Sternen ausgedrückt werden. Ziel der seit 1996 laufenden Aktion ist, dem Gast die Wahl seiner Unterkunft zu erleichtern und bösen Überraschungen vorzubeugen.
Ab 2004 gelten für die Klassifizierung neue Richtlinien, die sich auch in höheren Teilnehmerkosten ausdrücken. So ist ein Lizenzvertrag notwendig, eine Lizenzgebühr pro Wohnung vorgeschrieben und Bearbeitungskosten die zwischen 30 und 40 Euro liegen. Der Vermieter kann ein Schild mit den festgestellten und geprüften Sternen aufhängen, das kostet ebenfalls extra. Außerdem sind künftig Mindeststandarts notwendig, um überhaupt an einer Klassifizierung teilnehmen zu können. Die Messlatte wird also höher gesteckt. Die Einzelheiten der „neuen“ DTV-Klassifizierung sind bei den Touristinformationen der Region zu erfragen, meinte Ruß abschließend.
Auf jeden Fall verbessern
Franz Xaver Bauer, Leiter der Tourismuszentrale hub in die gleiche Bresche. Ein Schwerpunkt der zukünftigen touristischen Arbeit in der Region werden Qualitätsverbesserungen in allen Bereichen sein. Die Klassifizierung der Ferienwohnungen und Privatzimmer wird fortgeführt. In nächster Zeit stehen die Einordnung und Standartisierungen „fahrradfreundlicher Quartiere“ auf dem Programm. Er kündigte an, dass es im ersten Quartal 2004 eine Broschüre geben wird, in der die wichtigsten touristischen Ziele der „Zukunftswerkstatt 2015“ zusammengefasst dargestellt sind. Dieser „Leitfaden“ soll die Grundlage der touristischen Weiterentwicklung der Fränkischen Schweiz bilden.
Neben der Qualitätsoffensive standen die weiteren Aktivitäten des Vereins Urlaub auf dem Bauernhof auf der Tagesordnung.
Zwei Nachfolgerinnen
Vereinsvorstand Kroder gab bekannt, dass Sigrid Ehrlicher, die seit 18 Jahren die Geschicke des Vereins als Geschäftsführerin leitete in ein anderes Sachgebiet versetzt wurde. Ihre Nachfolgerin gibt es nun gleich doppelt. Maria Schmitt vom Landwirtschaftsamt Bamberg-Forchheim und Christa Reinert-Heinz vom Landwirtschaftsamt Bayreuth teilen sich die Aufgabe, da auch immer mehr „Vernetzungen“ zwischen den Ämtern stattfinden. Letztere ist auch Beauftragte für das Qualiätsmanagementsystem in Oberfranken. Im Laufe des Abends ehrte Kroder Martha und Heidi Bauer aus Wünschendorf (Ahorntal) für 30 Jahre Vereinsmitgliedschaft. Der Kassenbericht von Rita Ott ergab ein Plus von rund 4.000 Euro. Damit ist man für das nächste Jahr gut gerüstet.
löw
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