Plötzlich war Schützenhaus Kriegsschauplatz

Schützengesellschaft Ebermannstadt hat eine bewegte, jetzt 150-jährige Geschichte – Vier Tage Festprogramm

Vorsitzender Horst Pislcajt

EBERMANNSTADT. Der älteste Verein in Ebermannstadt, die Schützengesellschaft, feiert vom 19. bis 22. Juni ihr 150-jähriges Bestehen. Festausschuss und viele Mitglieder im „Arbeitsdienst“ sind mit Hochdruck dabei, dieses seltene Schützenjubiläum für die Stadt und die Gäste zu einem schönen Fest in einem würdigen Rahmen werden zu lassen.

Der Hauptteil der Veranstaltungen wickelt sich in der Alten Reihthalle ab. Auftakt sind, wie kurz berichtet, an Fronleichnam das Totengedenken und der Festkommers, am Freitag kommt die Jugend zu ihrem Recht bei einem Rock- und Pop-Abend, Samstagabend geht es gemütlich zu mit den Leutenbacher Musikanten.

Weg des Festzuges

Am Sonntag ist ab 14 Uhr Festumzug durch die Stadt zur Alten Reithalle. Er nimmt folgenden Weg: Busumsteigeanlage - Breitenbacherstraße - über die B 470 in die Straße Zum Breitenbach, von der Hauptstraße in die Bahnhofstraße und zurück - Kirchenplatz - über die B 470 in die Schulstraße-Leinengraben -Kirchenweg - Feuersteinstaße - Alte Reithalle.

Die Schützengesellschaft wurde am 24. Oktober 1853 gegründet. Zu dem Zweck, wie es in den Gründungsstatuten hieß: „Die Übung im Schießen überhaupt und insbesondere im Schießen aus freier Hand, und geselliges Vergnügen". Schon im Frühjahr 1854 wurde im idyllisch gelegenen Ramstertal an der Straße nach Wohlmuthshüll das untere Schützenhaus gebaut. Als Schießstand diente der Platz vor dem Häuschen direkt an der Straße. Aber schon bald erwies sich diese Schießanlage als unzulänglich und so wurde 1873 oberhalb des Schützendomizils ein den gesetzlichen Bestimmungen entsprechender Scheibenstand neu angelegt und auch die Schützenhalle erbaut.

Während des ersten Weltkrieges kam das Vereinsleben weitgehend zum Erliegen, normalisierte sich jedoch bald wieder und am 15. September 1919 fand bereits das traditionelle Kirchweihschießen statt.

„Führer“ unerwünscht

1930 wurde das untere Schützenhaus aufgestockt. 1934 musste auf Anordnung eine neue Satzung eingeführt werden, die anstatt eines Ersten Schützenmeisters als Vereinsobersten einen Vereinsführer vorsah. 1935 fand sich bei der Generalversammlung kein neuer „Führer“ und so bestimmte der Vertrauensmann für Turnen und Sport in Stadt und Bezirk Ebermannstadt einen neuen.

In den folgenden Jahren ging die Vereinstätigkeit aufgrund der politischen Verhältnisse immer mehr zurück. Das vorerst letzte Königsschießen fand 1937, die für lange Zeit letzte Ausschusssitzung am 31. März 1942 statt.

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben fast ganz. Kurz vor Ende des Krieges, am 14. April 1945 in den Abendstunden, wurde das verträumte Ramstertal sogar zum Kriegsschauplatz, als es zu einem kurzen Gefecht zwischen dort aufgefahrenen deutschen Flakgeschützen und aus Richtung Gasseldorf vorrückenden amerikanischen Panzern kam. Das Scharmützel forderte einige Todesopfer.

Wie alle ähnlichen Vereinigungen mußte nach Kriegsende, gemäß dem Kontrollratsgesetz Nr. 52-53, auch die Schützengesellschaft Ebermannstadt aufgelöst werden.

Am 18. Oktober 1952 kam es auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Paul Lachmayer und von Stadtrat Hans Mayer zur Wiedergründung der Schützengesellschaft im Vereinslokal Hackschmitt. Von den etwa vierzig Anwesenden erklärten sechsundzwanzig sofort ihren Beitritt. Zum Ersten Schützenmeister wurde Hans Mayer gewählt. Am 20. September 1953 fand nach sechzehnjähriger Pause erstmals wieder ein Königschießen statt. Vom 13. Juni bis 4. Juli 1954 wurde zum 100-jährigen Gründungsfest unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Paul Lachmayer ein großes Preisschießen im Ramstertal veranstaltet, an dem Schützen aus ganz Oberfranken teilnahmen. Dazu wurden extra 15 mechanische Luftgewehrstände oberhalb des Resengörg-Kellers aufgebaut.

Auf Vereinsheimsuche

In den Jahren von der Wiedergründung bis zum Einzug in das neue Schützenheim (1973) mußten die Schützen ihr Vereins- und Sportlokal häufig wechseln. Vom Gasthaus Resengörg zogen die Schützen zur Brauerei Hackschmitt, dann in das „Gasthaus zur Eisenbahn“. Weil dort nicht geschossen werden konnte, stellte der damalige Dritte Schützenmeister Richard Göller 1957 seine noch nicht der Zweckbestimmung zugeführte neue Werkstatthalle hinter der Tankstelle für das Oster- und Nikolausschießen zur Verfügung. Das Königschießen 1958 fand am Kellergelände von Vereinswirt Karl Klötzer statt. Als sich Ende 1958 Schützenbruder Georg Stein bereit erklärte, seine Gastwirtschaft „Zum Bayerischen“ als Vereinslokal zur Verfügung zu stellen, erhielt man nach langer Zeit wieder winterfeste Schießstände.

Ende 1964 ging es schließlich ins Gasthaus „Sonne“ als neues Vereinslokal, das mit seinem Saal beste Voraussetzungen für den Schießsport bot.

Bereits 1956 hatten Überlegungen für einen Ausbau der Schießanlage im Ramstertal zum „Scharfschießen“ begonnen. Interesse zeigte auch die Landpolizei, die hier ihre Schießübungen abhalten wolte. Verhandlungen fanden statt mit der Regierung von Oberfranken wegen der Finanzierbarkeit des Projekts. Am 1. Dezember 1959 wurde das Gelände im Ramstertal der Schützengesellschaft kostenlos von der Stadt übereignet.

Die alte Anlage blieb bis 1972 in Betrieb. Mit dem Königschießen nahmen die Aktiven Abschied von dem traditionsreichen Schießstand im Ramstertal. Dieser Schritt fiel nicht leicht, war aber erforderlich, da ein Ausbau der Anlage nicht mehr möglich war. Besonders das Fehlen ausreichender sanitärer Anlagen und der dringend benötigten Parkplätze trugen zu der Entscheidung bei. Als Ersatz stellte die Stadt ein 6400 qm großes Gelände im Altweihergebiet kostenlos zur Verfügung. Der neue Standort bot sich an, da zur gleichen Zeit etwas unterhalb das Sportzentrum in Angriff genommen wurde.

Den Grundstock für den Bau des neuen Schützenheims bildete der Erlös von 30. 000 DM aus dem Verkauf der alten Schießanlage. Baubeginn war am 27. Juni 1972 und schon am 14. Oktober darauf konnte Richtfest gefeiert werden.

Die 125-Jahr-Feier vom 7. bis 9. Juli 1978 stellte einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte dar. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Karl Theiler wurde mit einem vierwöchigen Jubiläums-Pokalschießen und einem großen Festzug durch die Stadt zum neuen Schützenhaus dieser runde Geburtstag gebührend gefeiert.

1980 übernahm der langjährige Schützenmeister Ludwig Pislcajt als neuer Vorstand die Vereinsführung. Die Würde des ersten Ehrenvorstandes in der Vereinsgeschichte erhielt Franz Brütting.

Auf Anregung mehrerer weiblicher Mitglieder wird seit 1983 eine Damenkönigin beim alljährlichem Königschießen ermittelt und seit 1996 wird ein König in der Disziplin Sportpistole herausgeschossen.

Die seit 1995 im Amt befindliche Vorstandschaft führt neben den traditionellen Schießsportveranstaltungen seit 1996 im Zwei-Jahres-Rythmus eine Stadtmeisterschaft für alle ortsansässigen Vereine und Stammtische durch.

Sport modernisiert

Im Januar 2001 begannen die seit dem Neubau des Schützenhauses größten Umbaumaßnahmen. So mussten aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen die Pistolenstände auf die gesamte Länge von 25 Metern komplett überdacht und Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden. Die KK-Gewehrstände mußten im Scheibenbereich (50 und 100 m) fest umbaut und mit massiven Dächern versehen werden.

Mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer und über 1200 Arbeitsstunden konnten diese Umbauten in knapp einem Jahr realisiert werden und so wird der Schießsport heute auf Kleinkalibergewehr- und Pistolenständen ausgeübt, die den neuesten schießrechtlichen und sicherheitstechnischen Bestimmungen entsprechen.

Mit den Festtagen zum 150. Jahr des Bestehens der Schützengesellschaft Ebermannstadt möchte die Vorstandschaft – sie besteht seit 1996 aus dem Vorsitzendem Horst Pislcajt, den Schützenmeistern Volkmar Bürger, Thomas Dehler und Harold Edelmann, dem Schatzmeister Alois Stenglein, der Schriftführerin Sonja Grasser, dem Jugendleiter Klaus Grasser und dem Wirtschaftsleiter Armin Dittrich – auf die Tradition des ältesten Vereins der Stadt Ebermannstadt aufmerksam machen und das allgemeine Interesse am Schießsport wecken.

mw


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