Liebe auf den ersten Blick – le coup de foudre!

Ebermannstadt–Chantonnay: 33 Jahre schon dauert die älteste Partnerschaft im Landkreis

Ebermannstadt. Seit dem deutschen-französischen Freundschaftsvertrag vom 22. Januar 1963 werden Frankreich und Deutschland oft mit einem Ehepaar verglichen. Was heißt das für Ebermannstadt und Chantonnay? Liebesheirat oder Zweckbündnis?

Am Anfang der ältesten Städtepartnerschaft im Landkreis Forchheim steht neben gegenseitiger Neugierde der unbedingte Wille zur Versöhnung nach zwei schrecklichen Weltkriegen.

So begibt sich im Jahre 1965 eine Gruppe ehemaliger Kriegsgefangener auf eine Reise nach Franken und frühstückt zufällig in Ebermannstadt. Es folgt die Besichtigung der Jugendburg Feuerstein.

Mit dem Lot

Aus der Begegnung mit dem damaligen Leiter Wolf und seiner Ehefrau erwächst der Gegenbesuch einer Gruppe junger Menschen im darauf folgenden Jahr. In Chantonnay werden sie von keinem Geringeren empfangen als dem Bürgermeister und späteren Senator Michel Crucis, der noch im gleichen Jahr zu einem Privatbesuch nach Ebermannstadt kommt, um die Chancen für eine Partnerschaft auszuloten.

Es ist Liebe auf den ersten Blick – le coup de foudre!

Nach knapp vierjähriger Verlobungszeit wird die Ehe geschlossen, am 12. April 1970 in Ebermannstadt. Nur sieben Jahre nach de Gaulle und Adenauer geben sich Michel Crucis und Paul Lachmayer ein Jawort. Im Namen ihrer beiden Städte versprechen sich die Bürgermeister, „ihre Bürger auf dem Weg des gegenseitigen Sich-Kennen-und-Verstehen-Lernens zu freundschaftlicher Verbundenheit zu führen“.

Die Begeisterung ist groß. In regelmäßigen Abständen folgen unzählige Begegnungen. Hans Gutheil, der Direktor der Staatlichen Realschule, wird zum Motor des Schüleraustausches und des deutsch-französischen Freundeskreises in Ebermannstadt. Seine unermüdlichen Partner sind Michel Froger, der 1971 in Chantonnay das Partnerschaftskomitee gründet und später André Roussière, der auch in seiner Funktion als Lehrer im Collège St. Joseph viele Schülergruppen empfängt und nach Ebermannstadt begleitet.

Im Juni 1974 starten über einhundert Ebermannstadter zur ersten Miniolympiade in die Vendée. Die Partnerschaft hat endgültig die breite Bevölkerung erreicht Bürgermeister Karl Theiler führt die Delegation aus jungen Sportlern und zahlreichen Schlachtenbummlern an.

Seine bis heute bestehende herzliche Freundschaft mit Michel Crucis garantiert Stabilität und Kontinuität. Die miniolympiadischen Spiele werden fester Ritus.

Mittlerweile sind es 200 Personen, die sich alle zwei Jahre für ein verlängertes Pfingstwochenende auf den Weg in ihre Partnerschaft machen. Zum Sport kommen die humoristischen Spiele und kulturelle Begegnungen. Dies alles ist nur möglich dank des politischen Willens und Weitblicks des amtierenden Bürgermeister Franz Josef Kraus und Gérard Villette mit ihrem Stadtrat.

Es ist nur möglich dank des Engagements von Lehrerinnen und Lehrern an den Schulen beider Städte, sowie dank des Idealismus der zahlreich ehrenamtlich Tätigen. Es ist schließlich nur möglich dank einer alle Sprachbarrieren übersteigenden Gastfreundschaft der Einwohner von Ebermannstadt und Chantonnay. Es kommen Gäste und es gehen Freunde. Beim Abschied fließen reichlich Tränen, traditionelle Briefe, Päckchen und Botschaften über moderne Kommunikationsmittel gehen hin und her.

Weiterknüpfen

Die derzeitigen Partnerschaftsbeauftragten aus Ebermannstadt und Chantonnay, die Französischlehrerin Katja Metschnabel und Thomas Marian, ein Saarländer, der über die Liebe zu seiner französischen Frau in die Vendée kam, knüpfen mit ihren Teams weiter am Freundschaftsband.

Im April und Mai dieses Jahres findet traditionsgemäß der Schüleraustausch statt. Und das nächste Großereignis lässt nicht lange auf sich warten: Ebermannstadt bereitet sich vor auf die 16. Miniolympiade und die 10. humoristischen Spiele. Pfingsten 2004: Que la féte continue – das Fest soll weitergehen!


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