War mit dem „Bushmesser“ da
„Mach’s mir nochmal, Wüstling“ – Buchholz bot Kabarett ohne Tabu
GASSELDORF. Martin Buchholz am Bistrotisch im Gemeinschaftshaus Gasseldorf. Hier gab er einen Überblick über 20 Jahre „Buchholzerei“, geschickt verpackt, zu einem Programm aus einem Guss. Und was der „linke Wüstling“ aus Berlin von sich gab, hat den 120 Zuhörer(inne)n durchaus gefallen.
Buchholz war mit dem „Bushmesser“ da und er hat es ohne Umschweife ausgepackt: „Was wäre uns doch allen erspart geblieben, wenn der Mann aus Texas nach seinem 40. Lebensjahr weiter gesoffen hätte“. Jetzt lässt der – nix gegen Schwarze (schon weil der Bürgermeister da war) – jetzt seinen „Hausnicker“ Colin Powel wie beim Ostereier verstecken nach dem Kriegsgrund gegen den Irak suchen. „Vom Himmel hoch, da komm ich her, wir bomben heut humanitär“ lautete messerscharf die Anklage zum „Kreuzzug gegen das Böse“ von George „Dappelju“ Bush; einer allein kann ja gar nicht so beballert sein ...
... ein schwarzer Tag
„Ich will’s heut mit ihnen treiben“, lässt der Satiriker der Extraklasse keinen Zweifel an seiner Abneigung gegen möllemannschem Antisemitismus aufkommen. Stoiber ist für den einstigen „Spiegel“ und „Stern“- Reporter ohnehin ein Autist, weil „der bis heute nicht gemerkt hat, dass er die Bundestagswahl nicht gewonnen hat“. Konform will die Berliner „Wühlmaus“ aber weder mit seinem früheren Anwalt Otto Schily oder dem „Medienkanzler“ Schröder gehen; schon gar nicht mit dem „veritablen Kotzbrocken“ Roland Koch, der noch vor Kurzem bei der Zuwanderungsdebatte dem Land am liebsten den Rücken gekehrt hätte. Bei allem war für den ehemaligen Ghostwriter von Wolfgang Neuss und deutschen Kabarettpreisträger 1992 die Entlassung von Rudolf Scharping ein schwarzer Tag. „Von dem hatte ich auf der Bühne gelebt“, klagte Buchholz seinen Zuhörern. Die Zweideutigkeit der deutschen Sprache, die der Mundwerker ohne Pause schamlos nutzt, trifft Volksvertreter („Vertreter sind doch welche, die was verkaufen“?) aller Couleur.
„Wie konnte Hertha Deubler-Gmelin nur den größten Führer mit diesem amerikanischen Dorfdeppen vergleichen“? Mit der deutschen Identität hat's der böse Bube aus Berlin-Wedding von Beginn an nicht. Hatte die Mutter 1942 das Gefühl, dem „Führer“ ein Kind geschenkt zu haben, so orakelte damals die Tante: „Den kannste gleich zurückgeben, aus dem wird sowieso nischt“.
Kokettiert hat Horst Buchholz, der seine „geistigen Väter“ in Kurt Tucholsky oder Bert Brecht sieht, seither mit „Wessis“ und „Ossis“, aber weil er keinem „maulgerecht“ geredet hat, ist sein Leben eine ständige „Spiegelaffäre“ und deshalb steht er auch bei den „Öffentlich Rechtlichen“ nicht gerade im Rampenlicht. Nein, kastrieren will er sich die Geistespotenz nicht lassen. Da geht der Satyriker lieber nach Gasseldorf.
Mao
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