Flut von Anrufern: Hallo Kaktus!

Ebermannstädter Michael Parzefall machte sich gaudihalber auf den Weg zum Superstar

EBERMANNSTADT. Was haben Moderatorin und Modell Michelle Hunziker, Produzent Dieter Bohlen und Michael Parzefall, Azubi aus Ebermannstadt, gemeinsam? Beim Casting zu „Deutschland sucht den Superstar“ in München konnte man sie zusammen vor der Kamera sehen.

Der 19-Jährige war schon mehrmals bei Reportagen über die Show im Fernsehen zu bewundern.

„Für mich war es einfach nur Gaudi“, sagt Parzefall. „Ich habe das Ganze überhaupt nicht ernst genommen.“ Schon im Juni reiste er zusammen mit einem Freund zur Aufzeichnung in die Landeshauptstadt. Jedoch ging Parzefall nicht mit der gleichen Einstellung wie die Mitbewerber ins Rennen. Das zeigte sich beim Warten auf die „große Chance“. „Während die anderen im Raum sich nervös warm sangen, scherzte er mit dem Sicherheitspersonal“, erzählt Conny Berndt, der ihn begleitete.

Parzefall hat nämlich kaum musikalische Vorbildung. In der fünften und sechsten Klasse habe er im Schulchor gesungen, sonst aber nie etwas wie Gesangsunterricht genossen.

Trotzdem hat sein Auftritt der Jury so gut gefallen, dass er es bis in die zweite Runde schaffte. „Damit habe ich nie gerechnet“, sagt er. „Vor allem bei meiner Liedauswahl“. Das Lied „Mein kleiner grüner Kaktus“ unterschied sich doch sehr von denen der anderen Bewerber. Parzefall ist aber der Meinung, dass gerade dieses Lied ihn vor dem Ausscheiden in der ersten Runde bewahrte. „Das war mal etwas anderes“. So schaffte er es in seiner Gruppe von 200 Bewerbern unter die besten acht. Mit seinem Lied hatte er schon in der zehnten Klasse die „Eins mit Stern“ im Vorsingen.

Den Kaktus, den er zu seinem Auftritt Produzent Dieter Bohlen auf den Tisch stellte, fand dieser sehr originell. Nach dem eigentlichen Casting traf Parzefall Bohlen zufällig im Hotelflur. Umringt von Kamerateams unterhielten sich die beiden eine Weile, wobei Bohlen bedauerte, dass es für Parzefall nicht gereicht hatte. Er erwiderte: „Macht nix, Dieter, war ja nur Spaß!“, und ging weiter.

Ursula Parzefall, die Mutter des Kandidaten, hielt von Anfang an nichts davon, dass ihr ältester Sprössling seine Ausbildung bei der Stadtverwaltung abbricht und „Superstar“ wird: „Eine solide Ausbildung ist da schon besser, sonst steht man da, wenn der Rummel vorbei und das ganze Geld verpulvert ist“, sagt sie. Diese Bedenken sind nicht unbegründet. Für viele der früheren Finalisten ist die Karriere bereits beendet.

Schon am Tag als er zurück kam, zeigte das Abenteuer in München seine Auswirkungen. Parzefall wurde ständig angesprochen, ob er denn wirklich dabei gewesen sei. Das Gerücht hatte sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Aus diesem Grund hatte Parzefall sich auch beworben: „Ich wollte, dass mal jemand den ich kenne dabei ist, jemand aus der Gegend. Da hab ich einfach selber hin geschrieben.“

Stecker raus

Allerdings ist er auch ganz froh, wenn die Show nicht mehr so aktuell ist wegen des Rummels. „In der Nacht, nachdem er zum ersten Mal im Fernsehen war, habe ich um Mitternacht den Telefonstecker herausgezogen,“ erzählt seine Mutter, die von der Flut an Anrufern ganz überrascht war. „Jeder wollte mir erzählen, dass er mich gerade im Fernsehen gesehen hat“, erzählt Parzefall. Wo er auch hinkommt, überall spricht man ihn an, möchte, dass er „sein Lied“ singt. Wenn er an einem Café vorbei läuft, schallt es „Hallo Kaktus!“

Inzwischen hat Parzefall auch schon ein Angebot als Sänger bekommen. Die Frage, ob man ihn in Zukunft auf der Bühne sehen wird, lässt er aber vorerst noch offen.

Christian Horn


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