Helfen durch Hinschauen

In Ebermannstadt startet Schulbus-Begleitprojekt Coolrider – 15 Schüler machen mit

Ebermannstadt. Tatort Schulweg, Schulbus oder Bahnabteil. Streit, Rangeleien, Verschmutzung, Sachbeschädigung, Erpressung von Mitschülern. Wenig erfreuliche Begleitungen des Schulalltages. Viele leiden darunter. Die Schulen in Ebermannstadt unternehmen jetzt etwas. Mit dem Projekt „Coolrider“.

Coolrider sind Schülerinnen und Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe, die bei diesem Fahrzeugbegleiterprojekt freiwillig mitmachen, sich ausbilden lassen und durch ihr Vorbild Konfliktsituationen verhindern oder entschärfen. „Überzeugen statt petzen“ heißt das Motto dieses Projektes, das in Bochum entwickelt, erfolgreich praktiziert und von der Verkehrs-AG Nürnberg übernommen worden ist.

Jetzt soll es auf den Schulbuslinien umgesetzt werden, die das Schulzentrum Ebermannstadt bedienen. Alle drei Schulen machen mit: die Grund- und Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium Fränkische Schweiz.

Kreisjugendring Initiator

>Initiiert hat den Einsatz von Schülerinnen und Schüler als Fahrzeugbegleiter der Kreisjugendring Forchheim unter der Führung der Jugendpflegerin Ursula Albuschkat. Bei diversen Veranstaltungen in und mit den Schulen, sagte Jugendpfleger Christian Kohlert dem FT, seien immer wieder Klagen über (die eingangs geschilderten) Pöbeleien, Attacken und anderweitiges negatives Verhalten (dazu gehört auch Rauchen im Schulbus) laut geworden.

„Das Wohlfühlen im Schulalltag beginnt auf dem Schulweg“, weiß man beim Kreisjugendring. Deshalb schlug man den Ebermannstädter Schulleitungen das Coolrider-Projekt vor. Das Anliegen stieß auf offene Ohren.
So waren im Medienraum der Realschule am Donnerstagnachmittag Beauftragte der Schulen, der Polizei und des Landratsamtes sowie die 15 Jungen und Mädchen, die sich bereits als Coolrider gemeldet haben, versammelt.

Was ist zu organsieren, wie ist die Ausbildung, was erwartet man, was sind die Ziele? Darüber gaben die Projektbetreuer der VAG Nürnberg, Andrea Leisner, sowie die beiden Trainer Christian Hannweber und Esat Ayan Auskunft. Letztere sind als Verkehrsmeister in der Betriebsaufsicht eingesetzt und für den Umgang mit der Jugend entsprechend geschult.

Christian Kohlert bedankte sich im Namen des Kreisjugendrings dafür, dass hier alle drei Schularten mitmachen und das Ganze in einer relativ kurzen Anlaufzeit auf den Weg gebracht werden konnte. „Die Anwesenheit der Schulleitungen, Behörden und Polizei zeigt, dass ihr ernst genommen werdet“ wandte er sich an die Schülerinnen und Schüler.

Besser als Erwachsene

Warum Schüler und keine Erwachsene als Aufsicht? Die Erfahrung von Christian Hannweber ist eindeutig: „Das Konfliktmanagement kann durch Mitschüler besser erbracht werden“. Der Schülerverkehr stellt Fahrgäste und Busfahrer jeden Tag vor Probleme, begann Andrea Leisner ihren Vortrag: Verspätungen, gefährliche Situationen an Haltestellen, Auseinandersetzungen zwischen Schülern, Überfüllung der Verkehrsmittel, Stress und Zeitdruck, mangelndes Gefahrenbewusstsein.

Mit dem Erreichen von Zielen möchte man dagegen wirken: Mehr Sicherheit, Minimierung von Gewalt, Fördern von fairem Verhalten, Verbesserung der Kommunikation, Reduzieren von Beschädigungen und Zerstörungen. „Wir möchten einen Beitrag leisten, dass Jugendliche den Erwachsenen Zivilcourage vorleben“ sprach Andrea Leisner, die in Bochum eine Schulung durchlaufen hat, eine wichtige Absicht an.

Daraus ergäben sich auch pädagogische Chancen für die Coolrider wie Übernahme von Verantwortung, Vorbildfunktion, Gerechtigkeitsstreben und bessere Akzeptanz.

Keine Hilfssheriffs

Die Aufgabe besteht darin, dass sich die Schulwegbegleiter bei möglichen Problemsituationen und Konflikten einschalten und durch „Kommunikation ohne körperlichen Einsatz“ die Situation beruhigen bzw. bereinigen. Keinesfalls sollten sich Coolrider in der Rolle als „Hilfssheriff“ sehen, vielmehr Ansprechpartner sein und durch das Kenntlichmachen von Schwierigkeiten eine „Hinschau-Mentalität“ erzeugen. Deshalb tragen sie auch keine uniformierte Kleidung in Form von T-Shirts oder Anoraks bzw. Embleme. Lediglich ein Ausweis, der am Revers getragen werden kann, benennt ihren Einsatz.

Für die Ausbildung erhalten die Fahrzeugbegleiter ein Training durch die dafür ausgebildeten VAG-Mitarbeiter, in Verbindung mit einer Lehrkraft der Schule und der Polizei als Berater. Das Training findet zum Teil in Fahrzeugen statt. Auf die 15 Mädchen und Jungen warten insgesamt acht Besprechungs- und Schulungstermine mit einem Aufwand von 25 Stunden.

Zertifikat von Beckstein

Am Schluss erhalten sie ein Zertifikat, das vermutlich Schirmherr Innenminister Günter Beckstein am 14. November persönlich überreichen wird und das die Coolrider später ihren Bewerbungsunterlagen beilegen können. Ein Dankeschön wird auch Blick hinter die Kulissen der Nürnberger Verkehrsbetriebe sein. Der Kreisjugendring will dafür die Busfahrt spenden.

Die Aktion läuft in Nürnberg seit einem Jahr. Bisher wurden 70 Schüler ausgebildet. „Das Interesse wird immer größer. Auch Erlangen und Fürth haben schon angefragt“ berichteten die Ausbilder von der Verkehrs AG. Michael Wuttke

Michael Wuttke


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