Neben der Kirche und dem Rathaus war in allen fränkischen Gemeinden, besonders aber in Ebermannstadt, das Wirtshaus der wichtigste Ort im öffentlichen Leben. Man traf sich in der Wirtsstube am Stammtisch, spielte Schafkopf, diskutierte die Gemeindepolitik, erzählte Witziges, erfuhr das Allerneueste, schloß mancherlei Geschäfte ab und kehrte bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen ein.
In einem Reiseführer von 1930 wird Ebermannstadt als ein Städtchen mit 860 Einwohnern und Breitenbach als ein Ort mit 380 Einwohnern erwähnt. Empfohlen werden die Gasthäuser Eisenbahn, Post, Goldener Stern, Goldener Engel, Sonne und Schwan. Nicht genannt sind all die Brauereien, Wirtshäuser und Cafés, die keine Fremdenzimmer hatten und kein Mittagessen ausgaben und das waren nicht wenige. Insgesamt befanden sich in Ebermannstadt und in Breitenbach in den 30er Jahren 20 Einkehrmöglichkeiten.
Dies entsprach bei 1240 Einwohnern (Ebermannstadt und Breitenbach) einer Dichte von 16 Wirtschaften auf 1000 Einwohnern oder für 62 Einwohner stand ein Lokal zur Verfügung. Noch erstaunlicher wird es, wenn wir nur die Stadt Ebermannstadt berücksichtigen. Breitenbach war bis 1939 eine selbständige Gemeinde und hatte zwei Wirtschaften, den Goldenen Engel und das Gasthaus Zum Bayerischen.
Ebermannstadt konnte bei 860 Einwohnern 18 Gasthäuser, Wirtshäuser und Cafés aufweisen. Das ergab eine Dichte von 21 Wirtschaften auf 1000 Einwohner oder klarer ausgedrückt: Für 48 Einwohner war ein Lokal vorhanden. Jeder Erwachsene hatte, wenn wir die Zahl der vorhandenen Wirtshausplätze berücksichtigen, seinen eigenen Wirtshausstuhl. Keine andere Stadt in Bayern konnte dies seinen Bürgern bieten.
So achteten sie stets darauf, daß im Umkreis von zwei Stunden nur Ebermannstädter Bier ausgeschenkt und getrunken werden durfte. Über Jahrhunderte stritt man sich mit Pretzfeld, Wannbach, Wichsenstein, Morschreuth und Unterleinleiter um Braurechte und Bierlieferungen. 1510 zogen Ebermannstädter Bürger sogar bewaffnet gegen Pretzfeld, beschlagnahmten das widerrechtlich gebraute Bier und tranken es aus. Ob die Qualität dieses Bieres das der Ebermannstädter übertraf, darüber schweigen die Chronisten allerdings.
Erst 1803 im neu eingerichteten Königreich Bayern endete dieses Biermonopol endgültig. Nicht beendet aber wurde das Bierbrauen in der Stadt Ebermannstadt. Nach dem Motto Wettbewerb erhöht das Geschäft verbesserten die zahlreichen Brauer die Qualität des Bieres und eröffneten zunehmend eigene Schankwirtschaften.
Wer vor einem halben Jahrhundert auf der Hauptstraße durch die Stadt radelte, stieg gerne ab und schob sein Fahrrad. Einmal wegen des äußerst holprigen Pflasters, aber auch wegen der zahlreichen Wirtshäuser und Brauereien, die es zu bestaunen galt. Allein entlang der Hauptstraße und am Marktplatz konnte man 18 Brauereien, Wirtshäuser und Gasthäuser zählen. Dazu kamen noch zwei Cafés, das Café Münzinger und das Café Gath, das Gasthaus Zur Eisenbahn am Bahnhof und das Gasthaus Zum Bayerischen in Breitenbach.
Neben der Stadtpfarrkirche stand die bekannteste Gastwirtschaft mit einem herrlichen Biergarten, das Gasthaus Zum goldenen Engel. Dann folgten wie auf einer Perlschnur aufgereiht Brauerei Wagner (ohne Ausschank), Brauerei Kolb, Brauerei Winkler, Gasthaus Zur Sonne, Brauerei Hackschmitt, Brauerei Resengörg, Gasthaus Zur Post, Brauerei Wagner (später Blaue Traube), Brauerei Josef Ott, Brauerei Theiler/Kraus, Brauerei Kraus (Basteibräu), Brauerei Ott (ohne Ausschank), Brauerei Seiller, Brauerei Lachmayer, Kronenwirt, Brauerei Adam Theiler, Gasthaus Zum goldenen Stern, Schwanenbräu.
Fast alle Brauereien hatten ihre eigene Wirtsstube, in der sie das im Kommunbrauhaus gebraute Bier ausschenkten. Nur die Basteibräu, die Brauerei Josef Wagner und die Brauerei Ott (Matrosen) hatten keinen eigenen Ausschank. Sie lieferten ihr Bier an Zapfenwirte in Ebermannstadt und in Orte der näheren Umgebung.
Die Gast- und Bierwirtschaften gehörten bis zur Jahrhundertwende zu den konzessionspflichtigen Gewerbezweigen mit persönlicher bzw. auf das Wirtsehepaar bezogener Erlaubnis. Während Gastwirtschaften Fremdbeherbergung und Verabreichung von Speisen betrieben, lag der Schwerpunkt bei Bierwirtschaften auf den Getränken. Wurde eine Konzession zum Betrieb einer Wirtschaft beim Bezirksamt beantragt, mußte die Gemeinde eine Bedürfnisprüfung durchführen.
So heißt es in einem Sitzungsbericht der Gemeinde Ebermannstadt vom 20. Februar 1882: Es sei das Bedürfniß zur Schaffung einer vierten Gastwirtschaft dahier als vorhanden anzuerkennen, dagegen die Bedürfnißfrage für fünf Gastwirtschaften zu verneinen. Die Lokalität des Gesuchsstellers sei wegen ihrer Beschaffenheit und Lage der polizeilichen Anforderungen als genügend anzusehen und wird konstatiert, daß keine Thatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß er das Gewerbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit mißbrauchen werde.
Warum so viele Gasthäuser?
Spätestens hier stellt sich die Frage, warum es gerade in Ebermannstadt so viele Einkehrmöglichkeiten gab. Die Antwort gibt wie fast immer die Geschichte. Die Anfänge liegen im Braurecht. Im Jahr 1323 stellte Kaiser Ludwig der Bayer den Einwohnern von Ebermannsadt den Gnadenbrief aus. Aus dem Dorf wurde die Stadt Ebermannstadt mit dem Recht auf Befestigung, dem Marktrecht und dem Recht zur Wahl von Bürgermeister und Rat. Vom wichtigsten Recht, dem Marktrecht, leiteten die Ebermanstädter auch das Recht ab, als einzige in der Stadt und da-rum in einer Meile Bier zu brauen.Einzelne Gasthäuser
Eine der ältesten Gastwirtschaften in Ebermannstadt ist die Sonne (Hausname Herbstseppala). Im Jahre 1824 erhielt der Landwirt und Brauer Johann Herbst die Conzession zum Führen einer Gastwirtschaft vom königlichen Landgericht Ebermannstadt. Voraussetzung für diese Genehmigung war, daß er Fremde beherbergen, Gäte verköstigen und Pferde in einem Stall unterstellen konnte. Vor dem Zweiten Weltkrieg standen im Gastzimmer sechs Tische für ungefähr 30 Gäste, im Nebenzimmer übte der hiesige Zitherklub. Im ersten Stock waren die Fremdenzimmer mit 15 Betten (Pensionspreis 2,80 bis drei Reichsmark) und ein Saal für Versammlungen, Theateraufführungen und Tanzveranstaltungen.