"Ich bin drin!" Im Bauernhofurlaub

Prospekte wird es bald nicht mehr geben, aber Qualität ist zu verbessern

KANNDORF. Prospekte sind out, Internet ist in. Das prophezeite Vize-Landrat Gregor Schmitt bei der jüngsten Hauptversammlung des Vereins "Urlaub auf dem Bauernhof". Den Wandel der Kundeninformation und des Buchungsverhaltens sah er innerhalb der nächsten zehn Jahre kommen.

Der Gastronom aus Bärnfels ging sogar so weit zu behaupten, dass es den "Urlaubsberater" der Fränkischen Schweiz (als "Hauptprospekt" der Tourismuszentrale) in zehn Jahren nicht mehr in dieser Form geben werde, da Prospekte von den elektronischen Medien abgelöst würden.

Die Hauptversammlung des Vereins fand im Gasthof Messingschlager in Kanndorf statt und stand unter dem Motto "touristische Qualitätsverbesserung". Außerdem wurden zahlreiche Gründungsmitglieder für 30-jährige Treue ausgezeichnet.

Vereinsgeschäftsführerin Sigrid Ehrlicher berichtete eingangs vom neu gegründeten Arbeitskreis "Qualitätsmanagement", der sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, die Mitgliedsbetriebe durch besseren Service und qualitativ hochwertige (Vermieter-) Leistung von anderen Bauernhofzimmervermietern abzuheben. Dadurch erhofft sich der Verein Wettbewerbsvorteile und eine bessere Auslastung der Quartiere.

Am Beispiel des Schindlerhofes in Boxdorf bei Nürnberg - dorthin unternahm der Arbeitskreis kürzlich eine Lehrfahrt - machte Ehrlicher deutlich, was unter Qualitätsmanagement zu verstehen ist. Das Hotel, 1984 in denkmalgeschützten Gebäuden entstanden, hat sich seit Einführung des Qualitätssiegels 1994 stetig weiter entwickelt. 20 Millionen Mark investierte man in den letzten 15 Jahren, um "Erlebnisgastronomie" zu bieten Der Erfolg gibt den Besitzern recht.

Tiefstand bei Betrieben

Dem touristischen Trend folgend fiel auch das Grußwort des Vizelandrates Gregor Schmitt aus. Schmitt gab zu, sich anfangs "als erzkonservativer Mensch" schwer getan zu haben, moderne Marketingmethoden anzuwenden. Doch mittlerweile habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Qualitätsmanagement und zum Beispiel das Internet "unverzichtbare" Merkmale moderner Verkaufsförderung und des Marketings sind. Schmitt, selbst erfolgreicher Gastronom in Bärnfels, berichtete weiter, dass die Auslastung in gewerblichen Betrieben mit 30 Prozent am unteren Existenzminimum liegt. Eine "alarmierendes" statistisches Ergebnis, trotz aller Bemühungen des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz, Gäste in die Fränkische Schweiz zu locken, meinte Schmitt. Er befürwortete aus diesem Grund die von Landrat Reinhardt Glauber initiierte "Zukunftswerkstatt" (unter dem Arbeitstitel "Leitbild 2015), die als immerwährender Prozess neue touristische Möglichkeiten für die Region eröffnen soll.

Zusammen mit allen Gruppierungen, die am Tourismus verdienen, wird unter anderem auch die Qualität des Angebotes verbessert werden müssen; Gäste wollen heutzutage "Erlebnis-Urlaub buchen und dabei verwöhnt werden".

Ein wichtiger Teil sei das kulturelle Angebot in der Region, meinte der zweite Grußwortredner Bürgermeister Franz- Josef Kraus. Er verwies auf das heuer erstmals in Ebermannstadt veranstaltete Programm "Kultur in der Stadt", das im nächsten Jahr weiter ausgebaut werden soll. Damit schaffe die Stadt den notwendigen Rahmen, der dann von den Bürgern und Vereinen ausgefüllt werden sollte. Gemeinsam und ohne Konkurrenzdenken werde das Ziel verfolgt, die Attraktivität des Wiesentstädtchens für Gäste zu steigern.

Über das Projekt "Kulturerlebnis Fränkische Schweiz" referierte Toni Eckert, Kulturreferent des Landkreises, zum Schluss der Veranstaltung. Grundlage dieses geplanten Kulturprojektes ist eine Initiative der Europäischen Union, die im Rahmen des Förderprogramms "Leader plus" in den nächsten fünf Jahren bayernweit 40 ausgewählte Kulturkonzepte in wirtschaftlich schwachen und dünn besiedelten Regionen mit insgesamt 110 Millionen Mark (56 Millionen Euro) fördern will.

Kulturweg im Landkreis

Unter Berücksichtigung der EU-Vorschriften will der Landkreis Forchheim einen "Kulturweg" installieren, der auf die historisch gewachsenen Eigenheiten und Ressourcen der Region als "Gebietskulisse" aufbaut. So sollen unter anderem die zahlreichen Burgen und vorgeschichtlichen Denkmäler berücksichtigt werden, das Kirschenanbaugebiet und auch die Schafzucht. Ziel ist es, den Tourismus zu stärken und die eigene Bevölkerung mit den historischen Wurzeln vertraut zu machen.

löw


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