Vor etwa zwei Dutzend Bürgern aus Rüssenbach und Neuses-Poxstall, die als Zuhörer zur Stadtratssitzung gekommen waren, rief Bürgermeister Franz Josef Kraus die "Vorgeschichte" noch einmal in Erinnerung. Am 10. August vergangenen Jahres habe das Wasserwirtschaftsamt Bamberg zu einem Gespräch im Landratsamt Ebermannstadt eingeladen, um mit den Vertretern aus Wiesenttal, Gößweinstein, Pretzfeld und dem Zweckverband Wiesentgruppe eine mögliche Wasserentnahme im Unteren Wiesenttal zu diskutieren.
Bei diesem Gespräch hatte Bürgermeister Kraus die Befürchtung geäußert, dass nun, kaum dass sich die "Interessengemeinschaft gegen eine Wasserentnahme im Unteren Wiesenttal" aufgelöst hatte, die in den 70er Jahen festgestellten Grundwasservorkommen in diesem Bereich dennoch angezapft werden sollen. Gleichzeitig hatte Bürgermeister Kraus das Wasserwirtschaftsamt aufgefordert, Zahlen vorzulegen, welche Gemeinden betroffen seien und wie viel Wasser entnommen werden müsste.
Daraufhin hatte das Wasserwirtschaftsamt im Dezember vergangenen Jahres zu einem Diskussionsforum nach Ebermannstadt eingeladen. Dabei wurde vereinbart, Kostenvoranschläge einzuholen, damit eine Studie über die Wasserversorgung der Gemeinden im Oberen Wiesenttal ab Ebermannstadt, im Leinleitertal bis Heiligenstadt und im Trubachtal bis Gräfenberg erstellt werden kann. In einem weiteren Gespräch im Mai dieses Jahres sei die Situation mit allen Beteiligten erörtert worden. Die Kosten für die Wasserstudie der 18 beteiligten Gemeinden wurde damals auf 50.000 bis 60.000 Mark beziffert.
Die Studie sollte anteilsmäßig finanziert werden. Auf Ebermannstadt wäre ein Anteil von 12000 Mark entfallen. Als Entnahmemenge sei eine Million Kubikmeter Wasser pro Jahr im Gespräch gewesen. Dies so Bürgermeister Kraus sei für ihn nicht akzeptabel gewesen. Er habe stattdesen vorgeschlagen Kommunen, die Wasserprobleme haben mit Wasser aus den bestehenden Brunnen im Wasserschutzgebiet oberhalb von Ebermannstadt zu versorgen. Dennoch habe die Mehrzahl der beteiligten Bürgermeister an dieser Studie festgehalten.
Vizebürgermeister Alfons Dorn verwies darauf, dass die neuen Richtwerte, die ab 2003 gelten sollen, beim Ebermannstadter Trinkwasser bereits jetzt eingehalten würden. Er unterstützte den Beschlussvorschlag, in dem die Forderung erhoben wird, die Verantwortung für das Wasserschutzgebiet Unteres Wiesenttal vom Freistaat Bayern auf die Stadt Ebermannstadt zu übertragen. So werde das Gebiet für den Bereich gesichert und Liberalisierungstendenzen entgegengewirkt.
"Wasser ist unser höchstes Gut. Das sollten wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen" bekräftigten Stadtrat Hubert Herbst (CSU) und sein Kollege Wolfgang Minderlein (Freie Wähler). Ludwig Schwabe schloss sich dem inhaltlich voll an, machte aber deutlich, dass aus seiner Sicht der Wasserschutz noch verbesserungsfähig sei.
Josef Hofbauer