Zwei Millionen für die "Judenäcker"

Bauausschuss begrüßte detaillierte Planung - Kanal im Trennsystem, Straßen für Dreiachser

EBERMANNSTADT. Viel Zeit nahm sich der Bauausschuss für den Vorentwurf des Bamberger Ingenieurbüros Lein zur Gesamterschließung des Baugebietes "Judenäcker". Kosten von über 2,04 Millionen Mark (1,043 Millionen Euro) stehen der Stadt dabei ins Haus. Ein Kompliment stellte Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) dem Planer Josef Nagengast aus: "Noch nie wurde so detailliert informiert".

Für die Entwässerung der 52 Baurechte im Trennsystem errechnete der Diplomingenieur Kosten von rund einer Million Mark (511 300Euro). Um den Abfluss im freien Gefälle zu erreichen, sind aber Kanaltiefen von bis zu sechs Metern erforderlich. Die Alternative, Entwässerung im Mischsystem: Das würde bei Kanaltiefen bis zu 3,8 Meter zwar nur Kosten von 825.000 Mark (421822 Euro) verursachen, würde aber für fünf tiefer gelegene Grundstücke an der Wendeplatte eine Pumpstation erforderlich machen, die (nicht gerechnet den Unterhalt) alleine in der Anschaffung 50.000 Mark kosten würde.

Zu wenig Platz für ein Rückhaltebecken

Hauptargument gegen den einläufigen Mischkanal war für Günther Böhm (CSU) die Tatsache, dass der bestehende Mischwasserkanal unterhalb des Baugebiets ersetzt werden müsste, weil er die Abwässer aus den Judenäckern gar nicht aufnehmen könnte. Warum zum Trennsystem (das sauberes Regenwasser von der Kläranlage abhalte) nicht gleich ein Regenrückhaltebecken geplant wurde, wollte CSU-Fraktionschef Hubert Herbst wissen. Aufgrund der Hanglage, so Josef Nagengast, sei höchstens ein Becken mit 50 Kubikmeter Fassungsvermögen zu realisieren, notwendig wären bei 27.000 Quadratmeter Erschließungsfläche aber mindestens 250 Kubikmeter. Schon aus ökologischer Sicht solle an der Planung einer Drosselleitung mit einem kleineren Becken im Grünbereich der Lochwiese festgehalten werden, bestärkte trotz Kosten von 60.000 Mark (30678 Euro) Vizebürgermeister Alfons Dorn (WGM) die Aussicht auf ein Biotop.

Die Bedenken von Klaus Neuner (CSU), schon bei einem Wasserstand über 30 Zentimeter, würden weitere Kosten für eine Einfriedung fällig, konnten nicht ganz entkräftet werden, eine Überprüfung durch das Büro Lein folgt.

Bei einer Gegenstimme von Veronika Herlitz (SPD), wurde der Vorentwurf gebilligt; die Ausschreibung der Arbeiten folgt frühestens 2002.

Die "Schleppkurven" beschneiden Grundstücke

Durch den Bebauungsplan mit dem Straßenentwurf schon weitgehend gebunden, zeigte der Planungsingenieur bereits bei der Einfahrt in das Arreal anhand eingezeichneter "Schleppkurven" die Probleme des Schwerlastverkehrs auf; bei den vorgegebenen Kurvenradien würden viele Grünflächen wieder niedergewalzt. Da sich das Gremium darauf geeinigt hat, dass auf allen Straßen im Baugebiet dreiachsige Fahrzeuge durchkommen müssen, sind zur Einhaltung der entsprechenden Schleppkurven einige Eckgrundstücke kleiner abzumarken. Das Planungsbüro wurde beauftragt, die neuen Grenzkoordinaten dem Vermessungsamt mitzuteilen. In Kauf zu nehmen sind für das Sonderungsverfahren Kosten von 4.000 Mark (2045 Euro).

"Das ist es uns wert", betonte das Stadtoberhaupt. So musste nach der genauen Überprüfung der Höhenschnitte auch das Niveau der Gebäude korrigiert werden. Bei der Fußweganbindung entschied sich der Ausschuss für Öko-Pflaster. Für den Straßenbau entstehen Kosten über 935.000 Mark (478065 Euro); für öffentliche Grünflächen fallen 115.000 Mark bzw 58799 Euro an, und der Erdbau für die Wasserversorgung beträgt 100.000 Mark (51130 Euro). Auch dies wurde mit 6:1 Stimmen beschlossen.

Auch in Gasseldorf ein "Trennsystem"

Auch im kleinen Gasseldorfer Baugebiet "Druidenleite II" entschied sich der Bauausschuss in der Planvorlage des Ingenieurbüros Pieger unter drei Varianten für die Abwassertrennung. Das Oberflächenwasser soll hier in offenen Gräben der Leinleiter zugeführt werden.

Zum Einwand von Hubert Herbst: "Wieder kein Regenrückhaltebecken" meinte Bauamtsleiter Erich Seitz: "Das geht nur, wenn bei zwölf Häusern ein Baurecht weggelassen wird". 324.000 Mark (165.661 Euro) kostet die dem Vernehmen nach, "ökologisch sinnvollste Lösung", die ohne Gegenstimme angenommen wurde.

Satzung regelt wer zahlen muss

Ärger und Widersprüche der Grundbesitzer verursachte im Baugebiet "Peunt III" in Ebermannstadt die Entwässerung der vom Kanal aus gesehen zweiten Scheunenreihe, die bisher nicht angeschlossen war. Der Ausschuss handelte jetzt bei seinem einstimmigen Beschluss nach der Gebührensatzung, die besagt, dass jeder zahlen muss, wenn sein Grundstück angeschlossen werden kann. Die acht Hinterlieger sind damit gezwungen, die Entwässerungen durch die Scheunen zu akzeptieren.

Marquart Och


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