"Größter Betrieb" ist Tourismus

FDP-Bezirkstag überlegt, wie Oberfranken für Gäste attraktiver wird

EBERMANNSTADT. Die FDP hielt auf Einladung des Forchheimer Kreisvorsitzenden Albrecht Waasner den oberfränkischen Bezirksparteitag in Ebermannstadt ab. Es ging um "Entwicklungspotentiale für den Deutschlandtourismus in Oberfranken".

Landrat Reinhardt Glauber hielt ein Plädoyer für den Landkreis Forchheim, die "Toskana Oberfrankens". Probleme bereitet ihm der nur geringe Bevölkerungszuwachs. Im Bereich Tourismus werden in der Fränkischen Schweiz jährlich rund 400 Millionen Mark umgesetzt und rund 6.000 Menschen leben davon. Damit dürfte dieser Wirtschaftszweig der größte "Betrieb" der Region sein. Den gestiegenen Ansprüchen der Gäste Rechnung zu tragen, sei die große Herausforderung für die Zukunft, meinte Glauber.

Der Obstbau könnte auch ein wichtiger Tourismusfaktor werden, weil die landschaftlich prägenden Obstbäume zu den verschiedensten Jahreszeiten ein herrlicher Anblick und die Früchte in den verschiedensten Variationen wahre Gaumengenüsse sind. Denkbar wären zum Beispiel Gäste-Patenschaften für einzelne Bäume.

Ebermannstadts Bürgermeister Franz Josef Kraus setzte sich für die "Erneuerung der Naturparklandschaft" ein. Seine Gemeinde beteiligt sich am landkreisweiten Projekt "200.000 Obstbäume". Andrea Luger, Bezirksvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Oberfranken, prangerte vor allem politische "Fehlentscheidungen" an. Ausgehend von der Tatsache, dass oberfrankenweit die durchschnittliche Bettenauslastung nur bei rund 27 Prozent liegt stellt langsam sich Frage des Überlebens für viele Gastronomen.

Erschwert wurde die wirtschaftliche Situation durch die Einführung der Ökosteuer, die Besteuerung der Trinkgelder und die geänderten Rahmenbedingungen bei den 630- Mark-Jobs.

Spezialisierung

In der Spezialisierung auf bestimmte Zielgruppen sieht sie Chancen, Marktlücken für den Kurzurlauber zu finden. Sie appellierte an das Gastgewerbe und an touristische Einrichtungen, endlich das Kirchturmdenken zu überwinden und touristische Angebote besser auf einander abzustimmen.

Franz Xaver Bauer, Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, stellte die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Tourismus für die Region heraus. Demnach werden jährlich etwa 1,6 Millionen Übernachtungen und über acht Millionen Tagesgäste registriert. Diese sorgen für einen Umsatz von rund 400 Millionen Mark. Der Tourismus werde in der Region als Wirtschaftsfaktor vielfach unterschätzt. Einen (steuerlichen) Nutzen davon haben auch die Gemeinden. Man schätzt rund 2,5 Prozent vom Gesamtumsatz, was eine Summe von etwa neun Millionen Mark im Jahr ergibt. Nutzen aus dem touristischen Umsatz zieht der Einzelhandel mit zirka 35 Prozent Anteil, die Dienstleister mit etwa 24 Prozent und das Gastgewerbe mit 41 Prozent. Nicht zuletzt sorgt der Tourismus für steigende Lebensqualität und hilft die Landflucht zu mindern.

Friedrich Händel, Tourismusreferent der IHK Oberfranken, sieht im Tourismus ebenfalls einen Wachstumsmarkt. Derzeit liegt Oberfranken mit zehn Prozent Anteil am Tourismuskuchen Bayern zwar noch hinter Oberbayern aber noch vor der Oberpfalz. Sechs Ziele hat sich die IHK gesetzt, um diesen Wirtschaftsfaktor weiter anzukurbeln. Ganzheitliche Konzepte, die die Qualität des Angebotes verbessern, Zielgruppengerechte Angebote und Werbung, Neuorientierung im Dienstleistungsgewerbe, Weiterbildung der Beschäftigten, Werbung für Gäste aus dem Ausland forcieren und die touristischen Sehenswürdigkeiten der Region deutlich herausstellen.

Ernst Burgbacher, tourismuspolitischer Sprecher der FDP- Bundestagsfraktion, kritisierte die Ökosteuer, weil sie den Tourismus belaste. Er kritisierte auch die Absenkung der Promillegrenze als "total unsinnig", weil sie zu Lasten der Gastronomie gehe.

löw


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