CSU will Baugebiet “Judenäcker” nicht verschandeln lassen

Bau-Experten der CSU stellten den Planungsentwürfen des Architekturbüros Grebe einen eigenen Planentwurf entgegen — Die Diskussion geht weiter

EBERMANNSTADT. Mit den bisher vorgelegten Entwürfen des Büros Grebe für den Bebauungsplan “Judenäcker” mochten sich die Ebermannstadter Räte absolut nicht anfreunden. Als auch der nachgeschobene Entwurf des Büros Lautner die Vorstellungen der Ebermannstadter Räte nur “halbseiden” beherzigte, hatte die “Bauabteilung” der CSU, Architekt Klaus Neuner sowie die Bautechniker Schmeußer und Böhm die Faxen dicke. Sie zeigten “was Sache ist” und brachten einen eigenen Entwurf in die Diskussion ein.

Sie rügten die geplante Verkehrserschließung der einzelnen Grundstücke, die “so nicht durchführbar” sei. Größte Probleme bereite die Erschließung durch Wohnwege. Gerade die Besitzer der oberen Grundstücke würden benachteiligt, weil ihre Parzellen nur über Treppen erreichbar seien. Abgesehen von der Versorgung (Getränkekästen schleppen, Kinderwagen über Treppen hieven, die Hindernisse für Rollstuhlfahrer und Senioren darstellten) gebe es bautechnische Probelme. So müßten diese Grundstücke zuerst bebaut werden weil sonst keine Zufahrtsmöglichkeit bestehe und über Monate ein Kran mit fast 50 Meter Ausladung notwendig sei. Dies würde einen Mehraufwand von 50 bis 60 000 Mark bedeuten.

Parkplatz kein Spielplatz

“Die zentralen Parkhöfe können niemals gleichzeitig Kinderspielplätze sein” kritisierte die CSU-Planungsgruppe “Judenäcker”. “Diese Nutzungen vertragen sich nicht”, so Neuner. Stattdessen favorisierte er Garagen am Haus.

Als völlig deplaziert wertete Klaus Neuner die Reihenhäuser (Drei- und Vierspänner) im Südwesten des Baugebietes. Dadurch entstehe eine Riegelfunktuion, die sich negativ auf das ganze Erscheinungsbild der Siedlung auswirke.

So geht der CSU Entwurf geht von der Ringstraßen-Lösung aus, durch die jedes Grundstück mit einem Fahrzeug problemlos erreichbar ist. Die Bauparzellen haben sich in der Größe nicht verändert, die Wohnqualität bleibt erhalten und die Möglichkeit, den Baukörper frei auszurichten wird nicht beeinträchtigt. Durch die Gebäudeform Erdgeschoß und ausgebautes Dachgeschoß ist auch die Verschattungsproblematik geringer als bei der, vom Planungsbüro Grebe vorgeschlagenen Pultdach-Version.

Verkehrsberuhigter Ring

Die Ringstraße soll verkehrsberuhigt ausgebaut werden, um Raser zu bremsen. Die Steigugn der Straße beträgt an der nordöstlichen Auffahrt acht, im Südosten zwölf Prozent. Der als Kompromiß angedachte Ausbau der Wohnwege, um eine Befahrbarkeit zu ermöglichen, wäre nur mit größeren Auffüllungen bei den Hangkanten möglich und würde die Geländestruktur gravierend verändern. Während nach der Planung des Büros Grebe fünf bis sechs solcher Einschnitte vorgesehen sind, wären bei der CSU-Alternative nur zwei solche Einschnitte nötig.

Statt der Reihenhäuser sprach sich das Planungs-Kleeblatt für Einzelhäuser aus. Mit der “Peunt” sei der Bedarf an Reihernhäusern auf Jahre hinaus gesättigt. Dennoch könne sich das Gebiet als ökologische Wohnsiedlung entwickeln. Auf ein Blockheizkraftwerk wollten Neuner und Co jedoch verzichten, weil die Auslastung nicht gegeben sei und die Anlage aufgrund der sukzessiven Bebauung nicht wirtschaftlich arbeiten könne. Als Alternative wurden Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen vorgeschlagen. Dies solle die Stadt durch finanzielle Anreize fördern.

Treffpunkt für die Bürger soll ein 1700 Quadratmeter großer Dorfplatz nach Nabburger Vorbild werden. Ein Spielplatz sei in zumutbarer Entfernung vorhanden, könnte aber zum Abenteuerspielplatz erweitert werden.

Hangrutsch befürchtet

Das Regenwasser im offenen Graben in Richtung “ibg” abzuleiten, erschien den Baufachleuten zu gefährlich. Sie fürchteten, daß die Böschung durchweichen und der Hang abrutschen könnte. Stattdessen sollen die Grundstücke an einen Regenwasserkanal angeschlossen werden. Das Wasser nach dem Baumgürtel, der Wohn- Gewerbegebiet trennt, könnte aber in einem offenen Gerinne zu einem Sammel- und Biotopbecken an der unteren Bayerischen Gasse geleitet werden und dort versickern.

Statt begrünter Dächer und Split-Level-Häusern (versetzte Wohnebenen), die das Baugebiet nur verschandelten, plädierten die Bau-Experten der CSU für landschaftsgebundenes Bauen. Eine Situation wie in Thurnau wo sich in einem ähnlichen Hanggebiet seit Jahren nichts mehr tue, müsse verhindert werden. Ferner seien dort die Erschließungskosten doppelt so hoch geworden wie in Ebermannstadt.

Klaus Neuner, Sprecher der Planungsgruppe, wollte das Werk als Vorschlag und Richtschnur für die Planer verstanden wissen. “Die sollen nicht die Quadratur des Kreises versuchen, sondern unsere Vorschläge zielgerecht umsetzen” forderte er.

Während sich Ludwig Brütting beeindruckt zeigte und daran erinnerte, daß auch die Ökonomie ins Kalkül gezogen werden müsse, konnte Ludwig Schwabe keinen allzu grußen Unterschied zwischen der CSU-Variante und den ursprünglichen Vorstellungen im Bauausschuß erkennen. “Statt der Reihenhäuser stehen nun Einzelhäuser auf dem Plan, ein Dorfplatz ist dazugekommen und die Ringstraße ist ein wenig anders angesetzt” faßte er die Neuerungen zusammen. “Dabei sind wir aber bei einem ganz normalen Baugebiete gelanden”. Gerade als Grundstückseigentümer solle das Gremium das Ziel, eine vorbildhafte Siedluing entstehen zu lassen nicht vorschnell aufgeben. Wir sollten mit Fachleuten reden, ob nicht doch fortschrittliche Bautechnische Lösungen mit Nachhaltigkeitscharakter gefunden werden können, appellierte Schwabe. Zumindes müsse man das versuchen. Viel Hoffnung hatte er aber nicht, vielmehr fürchtete er, daß “eh schon alles gelaufen” sei, “wenn man die Mehrheitsverhältnisse kennt und weiß, daß die CSU hinter der Variante Neuner steht”.

Kein gutes Haar gelassen

Diese Anmerkung kritisierte Bürgermeister Franz-Josef Kraus als “kontraproduktiv”. “Sie haben kein gutes Haar an den Vorstellugnen der CSU gelassen, alles schlecht gemacht, was vorgeschlagen wurde, aber keine eigenen Vorstellungen eingebracht” monierte Kraus. Außerdem gehe die Kritik ins Leere, denn es seien sehr wohl Niedrig-Energiehäuser und flächensparendes Bauen möglich. Auch Neuner verwahrte sich gegen die Nörgelei und verwies auf die fachliche Kompetenz der Bau-Experten.

Dr Manfred Franze faßte zusammen, daß nach den bisherigen Erkenntnissen an diesem Hang ökologisches Bauen offenbar nicht möglich sei. Das gelte es zu hinterfragen, ansonsten müsse man sich auf das Urteil der Fachleute verlassen. Zu Bedenken gab er, daß ein Dorfplatz am Rand einer Siedlung immer etwas problematisch sei. Wenn schon, dann in zentralerer Lage, vielleicht in der Umgebung des Spielplatzes schlug Dr. Franze vor. Außerdem sollten die 90-Grad-Kurven und die Stichstraße mit dem Karo-Wendeplatz noch einmal überdacht werden.

Blockheizkraftwerk möglich

Manfred Eberle vom Arbeitskreis Siedlungsökologie der Agenda 21, der ebenfalls Rederecht eingeräumt erhielt, war von einem Dorfpaltz wenig angetan. Diplomingenieur Ehrenfried Heller, ebenfalls von diesem Arbeitskreis, widersprach der These, daß ein Blockheizkraftwerk nicht möglich sei. “So ein Ding hat die Größe einer Gefriertruhe und kann zehn bis zwölf Häuser mit Energie versorgen. Gelinge es, ein Dutzend Leute dafür zu interessieren, könne ein Blockheizkraftwerk sehr wohl funktionieren. Allerdings dürfe man nicht Maßstäbe anlegen, wie bei dem Werk in Forchheim-Nord.

Wie es weitergeht soll erst einmal in den Fraktionen, dann im Bauausschuß und schließlich im Plenum behandelt werden. Dabei sollen auch die übrigen Forderungen des Arbeitskreises die in einem vierseitigen Schreiben zusammengefaßt sind, hinter das sich Stadtrat Ludwig Schwabe in vollen Umfang stellte, berücksichtigt werden.


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