Ein Brückenbauer in den Strömen der Zeit

Jugendseelsorge, Ökumene, Erwachsenenbildung: Prälat Dr. Gerhard Boß 50 Jahre Priester

EBERMANNSTADT. Prälat Dr. Gerhard Boß - er wohnt seit den 60er Jahren in Ebermannstadt - kann auf ein halbes Jahrhundert seelsorgerischen Wirkens zurück blicken. Am Sonntag feierte der frühere Jugendseelsorger der Burg Feuerstein mit der Pfarrei St. Nikolaus Ebermannstadt das goldene Priesterjubiläum.

Am 29. Juli 1951 wurde Gerhard Boß durch Erzbischof Josef Otto Kolb zum Priester geweiht. Das Jubiläum feierte der Päpstliche Ehrenprälat mit einem Gottesdienst in Konzelebration mit Stadtpfarrer Hans Hübner und Pfarrer i.R. Franz Deinlein und anschließend im Rahmen des Pfarrfestes. In seiner Ansprache ging der populäre Jubelpriester auf die verschiedenen Formen priesterlichen Wirkens ein und betonte dabei, dass ein Pfarrer "nicht alles" können müsse, sondern seine individuelle Stärken einsetzen sollte. Entscheidend sei, dass er zuerst "bei sich in der Mitte" ist, dann könne er auch für andere segensreich wirken.

Bewegt in der Nazizeit

Dr. Gerhard Boß fand die Berufung zum Priestertum, so sagte er in einem FT-Gespräch, in der Katholischen Jugendbewegung, die von den braunen Machthabern des "3. Reiches" verboten war. Er wurde am 7. Januar 1923 in Nürnberg geboren, besuchte das Humanistische Gymnasium Erlangen und mußte ab Dezember 1941 zum Reichsarbeitsdienst bzw. zur Wehrmacht. Der Einsatz in Rußland hat ihn schwer gezeichnet, im August 1945 wurde der 23-Jährige aus dem Lazarett entlassen. Noch im gleichen Jahr nahm er in München das Studium der Philosophie und Theologie auf und absolvierte im Anschluss daran ein Pastoraljahr in Bamberg. Es folgten drei Jahre Kaplanszeit in Bayreuth und 1954 das weitere Studium in München. 1958 promovierte Gerhard Boß über ein ökumenisches Thema.

Die Linien für das priesterlichen Wirken waren vorgezeichnet: Arbeit für die Jugend und die Ökumene und die Vertiefung des Glaubenslebens durch intensive Bildungsarbeit. Trotz der schweren Kriegsverwundung schaffte der Priester ein gewaltiges Arbeitspensum, auch über das Ruhestandsalter hinaus. In jüngster Zeit kam ein Schlaganfall als Erschwernis hinzu.

Der charismatische Priester hat, was von vielen anerkannt wird, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur die Kirche im Erzbistum Bamberg, sondern darüber hinaus in Bayern und Deutschlands mit geprägt.

In seinem Haus an der Oberen Röth zieht der Prälat eine positive Bilanz seines priesterlichen Wirkens und betont zurückblickend: "Ich habe mir einen schönen Beruf ausgewählt. Es ist ein Beruf, der mit Menschen zu tun hat, also nicht mit einer Werkstatt, mit einer Maschine, mit einem PC in einem Büro. Das macht seinen Reichtum aus, aber auch seine Last".

Gerne erinnert sich Dr. Boß an die Arbeit in der Jugendburg Feuerstein, wo er von 1957 bis 1967 als "Burgkaplan" wirkte. Er schwärmt rückblickend: "Die Burg wurde damals von jungen Menschen nicht nur aus Europa besucht. Es war eine große Zeit für sie."

Dr. Boß wurde 1967 zum Landespräses der Katholischen Jugend Bayerns ernannt. Kontakte zur Regierung und zur Bischofskonferenz waren in dieser Zeit des Aufbaus sehr wichtig.

Seine Priesterbilanz ist so umfangreich, dass man sie nur stichpunktartig würdigen kann:

- Auf- und Ausbau der Katholischen Erwachsenenbildung durch die Gründung vieler Stadt- und Kreisbildungswerke.

- Im Bereich der Liturgie Umsetzung und Anwendung der Anweisungen des Konzils. Eine besondere Aufgabe sah Gerhard Boß in der Ausbildung von Laien als Gottesdiensthelfer.

- Förderung des kirchlichen Büchereiwesens. Dr. Boß konnte über 100 Büchereien etablieren, eine davon auch in Ebermannstadt.

- Die Ökumene war 1951 noch ein Fremdwort. Als langjährige Ökumenerefernt der Katholischen Kirche appellierte der Geistliche in vielen Vorträgen, Artikeln und Kursen für die Zusammenarbeit der Christen. Es wurden Kurse für bekenntnisverschiedene Ehepaare gehalten und ökumenische Pfarrertage. Die "ruhigen Maßnahmen" erachtete er aber wichtiger als spektakuläre Einzelmaßnahmen.

Kirche gesprächsfähiger

Heute ist ökumenische Gesinnung weitgehend "eine Selbstverständlichkeit", resümiert der "Brückenbauer" zwischen den getrennten Christen, der im Auftrag der deutschen katholischen Bischöfe Ökumenische Priesterkurse für Pfarrer beider großen Konfessionen gehalten hat. Eine Sonderaufgabe für Dr. Boß war die Mitwirkung an dem 30-teiligen Fernsehprojekt Credo.

Was den Jubelpriester ebenso freut: "Die katholische Kirche ist offener und gesprächsfähiger geworden".

Franz Och


© FT 2001 - Der Inhalt der Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung, insbesondere die Speicherung in Datenbanken, Veröffentlichung, Vervielfältigung und jede Form von gewerblicher Nutzung sowie der Weitergabe an Dritte - auch in Teilen oder in überarbeiteter Form - ohne Zustimmung des FT sind untersagt.