Die richtigen Schlüsse aus dem 18-seitigen Werk zu ziehen fiel den Stadträten nicht ganz leicht. Die Begriffe "innenstadtrelevant", "innenstadtverträglich" und "Innenstadterweiterung" sorgten für Verwirrung. Bürgermeister Franz Josef Kraus wörtlich: "Es ist ganz kompliziert, aber das ist ganz einfach"! Sein Kollege Ludwig Brütting bekannte: "Dann brauch ich jemanden, der mir das Lesen beibringt".
Einerseits heißt es nämlich in der Studie: "Für die innenstadtrelevanten Sortimente ergibt sich ein Potenzial von insgesamt rund 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche, die im Bereich Oberes Tor angesiedelt werden könnten, wobei die Sortimentsbereiche Bekleidung (600 Quadratmeter), Elektro (240 Quadratmeter) und Unterhaltungselektronik (180 Quadratmeter) an erster Stelle steht". Auf der anderen Seite ziehen die Gutachter das Fazit: "Gelingt es der Stadt Ebermannstadt nicht, das Vorhaben als Innenstadterweiterung voranzutreiben, erlauben landesplanerische Bestimmungen nur Verkaufsflächen von 600 Quadratmetern". Dabei sei jedoch auf die einzelnen Sortimentsgruppen zu achten. Ausgenommen seien davon nur nicht innenstadtrelevante Bereiche wie etwa ein Baumarkt.
Das Gutachten, so erläuterte der Bürgermeister, treffe keine Aussagen darüber, ob ein bestimmtes Sortiment eine Konkurrenz zu einem bereits vorhandenen Unternehmen darstellt, sondern gebe lediglich darüber Auskunft, ob sich die Ansiedlung einer Sortimentsgruppe negativ auf die Bezuschussung im Rahmen der Altstadtsanierung auswirkt. Das Gutachten sei aber auch die Basis dafür, dass Großprojekte verhindert werden könnten, wenn bestimmte Maximalgrenzen überschritten würden.
Dr. Manfred Franze (SPD) hob die Bedeutung der Tatsache heraus, dass das Areal nur auf Erbpacht bebaut werden soll. Dadurch sichere sich die Stadt ein stetes Mitspracherecht bei allem, was da entstehen soll.
Damit die Bebauung ein einheitliches Gesicht erhält, plädierte Dr. Franze dafür, ein Gesamtunternehmen zu beauftragen. Allerdings sei vieles noch "blanke Theorie", weil die Vorgaben doch "noch recht dünn" seien.
Stadtrat Hubert Herbst (CSU) warf noch einmal die Grundsatzfrage auf, ob die Innenstadt um den Bereich am "Oberen Tor" erweitert werden soll und Ulrich Reh bekräftigte, dass das Herz der Stadt in der Mitte (Marktplatz) schlage. Eine Erweiterung sei nach oben durchaus möglich.
Ludwig Brütting versicherte sich, dass die Gesamtzahl der anzusiedelnden Unternehmen durch die Zahl der Parkplätze, die ausgewiesen werden müssen, beschränkt werde. Unter der Voraussetzung, dass die neuen Märkte keine unzumutbare Konkurrenz für bestehende Geschäfte in der Innenstadt darstellten, sieht er in einer Erweiterung des Zentrums und einer fußläufigen Anbindung mit Begleitgrün sogar eine Chance für Ebermannstadt.
So beschloss das Gremium, dass die beiden Gesamtinvestoren, die Baugruppe Blank und bbi (Büro für Bauplanung und Ingenieurtechnik) Dresden, ihre Konzepte aufgrund des "Planwerk"-Gutachtens erstellen sollen. Einzige Bedingung: Das Projekt muss städtebaulich "ins Konzept passen".
Josef Hofbauer