Schritttempo gilt nun auch für die Seitenstraßen

Bürokratische Hürden beim “Seniorenbus” überwunden — Start im März 2000 — Zwei verkaufsoffene Sonntage auf Wunsch

EBERMANNSTADT. Auf die Bremse traten die Mitglieder des Hauptverwaltungsausschusses in ihrer jüngsten Sitzung. Sie sprachen sich einstimmig dafür aus, das in der Hauptstraße geltende Schritttempo auch auf die Seitengassen auszuweiten. Außerdem beschloss das Gremium eine neue Marktsatzung und legte die Gebühren für die Benutzung des Bürgerhauses fest. Ferner wurden eine Reihe außerplanmäßiger Ausgaben abgesegnet.

Langsam fahren ist nun in Ebermannstadt angesagt. Der Hauptverwaltungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung einer Ausweitung des verkehrsberuhigten Bereiches, der in der Straße “Zum Breitenbach” nach der Brücke vor der Einmündung zum “Bierbrunnen ” beginnt, zugestimmt. Betroffen von der Verkehrsberuhigung sind die Rosengasse, die Franz-Dörrzapf-Straße, die Brauhausgasse und der Gerhard-Hauptmann-Weg.

Eine Ausweitung des Busangebotes lehnten die Räte ab. Das Busunternehmen OVF hatte eine Verbesserung der Fahrtmöglichkeiten von Moggast nach Ebermannstadt mit der Bedingung verknüpft, dass sich die Stadt an den Kosten beteiligt. Mit Hinweis auf die Finanzlage wurde diesem Angebot nicht nähergetreten.

Überwunden sind die bürokratischen Hindernisse nun bei dem Projekt “Seniorenbus”. Wie Seniorenvertreter Manfred Kähler erläuterte, haben die freiwilligen Fahrer sich eine Reihe von Gesundheitstests unterzogen und sogar einen von der Regierung geforderten Personenbeförderungsschein erworben. Zwei der drei Fahrer sind im Besitz des neuen EU-Führerscheines. Die Routen der drei Linien nach Rüssenbach und Eschlipp, nach Kanndorf, nach Moggast, Wohlmuthshüll und in Richtung Unterleinleiter und Gasseldorf stünden ebenso fest wie die Abfahrtszeiten.

Mit dem Start des Projektes wollen die Senioren angesichts des bevorstehenden Winters aber noch warten. “Es macht keinen Sinn, drei- viermal zu fahren und dann wieder zu pausieren. Das verwirrt die Leute nur” fand Kähler. So soll das Unternehmen Seniorenbus im März 2000 endgültig starten. Bürgermeister Franz Josef Kraus dankte den Senioren für ihre Langmut, ihr Verständnis für die bürokratischen Hemmnisse und sicherte ihnen die weitere Unterstützung für den Linienverkehr mit dem Bürgerbus zu.

Flexibler gehandhabt wird künftig die Praxis der verkaufsoffenen Sonntage. Während zwei der vier Markttage von vorneherein festgelegt wurden (12. März und 10. September) sollen die übrigen beiden verkaufsoffenen Sonntage frei wählbar sein. Die Geschäftsleute wollen durch diesen Vorstoß flexibler auf aktuelle Ereignisse reagieren können. Bürgermeister Kraus wurde bevollmächtigt die jeweils notwendige Rechtsverordnung im Bedarfsfalle zu erlassen.

In diesem Zusammenhang wurde auch gleich eine neue Marktsatzung erlassen. Danach dürfen auf dem Marktplatz nur feste Verkaufsstände stehen. Der Verauf vom Auto heraus ist nicht zulässig. Entsprechende Fieranten soll ein Standort am Rande des Marktplatzes zugewiesen werden. In der Hauptstraße sollen die Verkaufsstände “Rücken an Rücken” in der Straßenmitte angeordnet werden. Damit soll verhindert werden, dass die Schaufenster der örtlichen Geschäfte verstellt werden.

Stadtrat Ludwig Brütting (Freie Wähler) gefiel die Anordnung zwar außerordentlich gut, brachte aber Sicherheitsbedenken vor. Da die betroffenen Gebäude jedoch rückwärtig angefahren werden können stimmte auch er der neuen Aufstellungsvariante zu.

Damit abgefunden haben sich die Mitglieder des Hauptverwaltungsausschusses wohl damit, dass Ebermannstadt nun doch zum Einzugsbereich des Waldkindergartens in Wiesenttal gezählt wird. So riet Bürgermister Kraus von einer Klage gegen diese Festsetzung ab. Derzeit, so der Stadtchef besuchten zwei Kinder diese Einrichtung. Die Beiträge seien jedoch günstig, so dass nichts Weiteres in dieser Sache veranlasst werden müsse.

Eine soziale Ader zeigte das Gremium bei den Gebühren für die Benutzung des Bürgerhauses. Danach sollen alle sozialen Einrichtungen von Zahlungen befreit bleiben. Lediglich kommerzielle Nutzer oder Privatpersonen müssen ein Benutzungsentgelt entrichten.

Die Palette der Leistungen, bei denen Zusatzausgaben angefallen waren, für die nun nachträglich Mittel aus dem Haushalt locker gemacht werden müssen, reichte von Gastschulbeiträgen über den Ostereiermarkt '99 und Geld für Maschinen beim Holzeinschlag bis zu einem Rasenmäher für Wohlmuthshüll und den überplanmäßigen Ausgaben bei der Marktplatzsanierung, Bauabschnitt II.

Während es sich bei der überwiegenden Zahl dieser Anordnungen um Formalien handelte erregten sich die Gemüter erneut über die Mehrkosten bei der Marktplatzsanierung. Dabei ging es nicht um die angefallenen Kosten, sondern darum, dass nach Meinung des Gremiums das zuständige Ingenieurbüro die Kosten zu niedrig angesetzt und der Planer den Mehraufwand der Stadt erst mit einem Jahr Verspätung mitgeteilt hatte.

Unabhängig von der Mittelbereitstellung soll nun geprüft werden inwieweit die Planer in Regress genommen werden können. Durch die erhebliche Überschreitung des Kostenvoranschlages gingen der Stadt Fördermittel in beträchtlicher Höhe verloren.

Die Diskussion über die Neuregelung der Vereinsförderung wurde auf die Haushaltsberatungen vertagt. Auch von einer Anhebung der Hundesteuer sah das Gremium ab. Erst ab 2002 sollen die Herrchen für ihre Vierbeiner tiefer in die Tasche greifen müssen. Kein Erfolg war dem Antrag der Pfadfinderschaft St. Georg beschieden, die einen Zuschuss für die Sanierung des Pfadfinderhauses “Lindersberg” auf dem Feuerstein haben wollte. Das Gremium verneinte seine Zuständigkeit und leitet nun das Schreiben an das Landratsamt weiter. Gebilligt wurden schließlich die Mietverträge mit der Caritas bezüglich der Einrichtung einer Spiel- und Lernstube im Mittelschulweg 11.

Josef Hofbauer



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