Sehnengalgen und Schmachtfladen

Historischer Markt mit einem Bogenbauer - Flötentöne aus Ungarn

EBERMANNSTADT. Längst ist der Historische Markt im Flair des Unteren Scheunenviertels zu einem "Selbstläufer" geworden. Jedes Jahr ziehen mittelalterliche Musik, alte Handwerkskünste wie Schmieden oder Klöppeln jede Menge Besucher an. Zum ersten Mal gab heuer der "Bogenklaus" Einblicke in sein spannendes Metier.

Zu dem vielfältigen Sortiment an Töpferwaren gesellten sich - auch aus Ton - birnenförmige Flötchen aus Ungarn. Katharina und Dea entlockten den Instrumenten sanfte Melodeien, wie sie heute noch von den Hirten in ihrem Heimatland zu hören sind. Dem Instrument mit den nebeneinanander liegenden Tonlochreihen ist auch eine ganze Oktave zu entlocken, vorausgesetzt, man beherrscht das Flöten. Der von Wojciech Grabietz geleitete Musikverein Kirchehrenbach, erlaubte sich bei seinem erfrischenden Auftritt einige Oktaven mehr.

Die Marktbesucher erfuhren auch, was ein Sehnengalgen ist. Auf diesem Grundbrett spannt der Hemhofener Bogenbauer Klaus Schellmann eine um die andere Kunststofflitze, früher Tiersehnen. Zehn Stück davon mit Wachs zu einem Strang verbunden, entsprechen der Zugkraft, wie sie für einen Jugendbogen geeignet ist. Selbst spannt sich der berufsmäßige Feinmechaniker 50 (englische) Pfund in den Langbogen, wenn Training oder Ritterturniere anstehen.

Kompagnon Thomas Scholl, seines Zeichens staatlich geprüfter Leibwächter und angehender Bodyguard, wendet an seinem Sportgerät die doppelte Spannkraft auf. An Erfolge sind die Hobby-Bogenschützen schon gewöhnt; erst letztes Jahr zischten ihre Pfeile auf einem Turnier bei Frankfurt ins Gold.

Das Bogenmachen mit Beil, Ziehmesser, Schabhobel und Holzfeilen ist mit viel Zeit und Geschick verbunden, betonte der Spezialist vor seinen Zuschauern. Schon ein unbedachter Messerschnitt in die Jahresringe oder Aststellen führt zum Bruch des Bogens. Am Stand erklärte Klaus, dass die Pfeile aus sibirischer Lärche hergestellt werden und das zum Austarieren ihrer Flugeigenschaften ein "Spinetester" verwendet wird.

Doch was wäre ein Historischer Markt ohne Gaumenfreuden; Gebrautes und Gegrilltes, goldbraune Küchla, goldgelber Honig und glasklare Destillate - all dies waren Erzeugnisse aus Stadt und Umland - nur die Schmachtfladen kamen aus dem württembergischen Wertheim. An dem mobilen Backofen hatten vier Leute alle Hände voll zu tun, um der Nachfrage für die zwiebel- und speckbelegte Teigware Herr zu werden. Die Sonne meinte es gut, und wem's zu heiß war, der konnte sich bei der Feuerwehr von den Knirpsen mit der alten Kübelspritze abkühlen lassen.

Mao


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