Zahnbürste ist nur ein Stück faseriges Holz

Realschule Ebermannstadt startete Aktion "Lebensläufe" der Welthungerhilfe - Mali stand im Mittelpunkt

EBERMANNSTADT. Eintauchen in einen anderen Kulturkreis konnten die 770 Schüler/innen der Realschule Ebermannstadt. Den Lehrerinnen Marion Engel und Karin Meisinger war es gelungen, für das Projekt "Lebensläufe" der Welthungerhilfe die ganze Schule auf die Beine zu bringen. In Workshops, Unterrichtsprojekten, durch Augenzeugenberichte und Interneteinsatz wurde den Kindern das ferne Land nahe gebracht.

Konrektor Karlheinz Lamprecht begrüßte zum Start des Projekttages "Afrika - total normal" auf dem Sportplatz neben Bürgermeister Franz Josef Kraus die Läufer Jeannine Rathje, Deutsche Meisterin im Triathlon der Körperbehinderten, sowie die Ultraläufer Ulrich Welzel und Dietmar Mücke, die das Motto: "Lebenläufe" wörtlich nahmen und auf dem Sportplatz unermüdlich ihre Runden drehten. Diesem Beispiel folgte Bürgermeister Franz Josef Kraus (im Anzug) und die Kinder, die pro Klasse mindestens hundert Kilometer zurücklegten. Da jeder Kilometer - meist von den Eltern - mit einer bestimmten Summe gesponsert wurde, kam für das Projekt der Welthungerhilfe: "Mali - Schulspeisung in der Wüste" ein ganz schönes Sümmchen zusammen.

Als besonders eifrige Läufer erwiesen sich der Sechstklässler Christof Dötzer, der 12,5 Kilometer lief und Peter Neudecker ebenfalls aus der sechsten Klasse mit nur zwei Runden (800 Meter) weniger. Die höchste ausgesetzte Prämie lag bei 20 Euro pro gelaufenem Kilometer. Doch am wichtigsten war Konrektor Lamprecht das Mitmachen. "Wem die Puste ausgeht, der kann die anderen immer noch anfeuern", appellierte der stellvertretende Schulleiter an Kollegen und Schüler.

Zu Beginn des Projektes hatte er auf die Mehrdeutigkeit des Begriffes "Lebensläufe" verwiesen und daran erinnert, dass es Schicksale gibt, die anders verlaufen als in unserer westlichen Welt. Bei vielen Lebensläufen in Afrika stünden nicht Schulabschlüsse, sondern Armut und Hunger im Mittelpunkt. So gelte es, Solidariät mit der "Dritten Welt" zu üben, Toleranz gegenüber Fremdem zu zeigen.

Sehr anschaulich demonstrierte dies Dorothea Kolbe, die für den deutschen Entwicklungsdienst mehrere Jahre in Mali gearbeitet hatte. Anhand einer Diashow und Gebrauchsgegenständen (Lederhandtasche, Messer, Flaschenöffner und Spielzeug) versuchte sie den Achtklässlern einen Eindruck zu vermitteln, wie und wovon Erwachsene und Kinder in Mali leben. Hier zeigten sich die Kinder beeindruckt vom nomadischen Leben der "Tuareg", einer der 24 unterschiedlichen ethnischen Gruppen in Mali, von der unzureichenden Wasserversorgung und den Problemen aufgrund der Trockenheit, denn zwei Drittel des Landes sind Wüste.

Irit Holzheimer vom "Amt für Kultur und Freizeit in Nürnberg ("Erfahrungsfeld der Sinne") die derlei Projekte begleitet, hatte den Fünftklässlern Gebrauchsgegenstände, wie selbst hergestellte Seife, einen afrikanischen Herd, aus Dosen hergestelltes Spielzeug, oder Baumwollkleidung mitgebracht. Wie völlig anders das Leben in Afrika ist, verdeutliche das Beispiel der "Zahnbürste", die nur ein Stäbchen Holz ist, das erst gekaut werden muss bis es faserig ist und dann seinen Zweck erfüllt.

Hamidou Pare aus Burkina Faso, dem Nachbarstaat Malis, beantwortet Fragen der Schüler, die wissen wollten woher die afrikanische Kinder ihre Fußbälle bekommen, welche Tiere es in afrikanischen Dörfern gibt und wie es dort mit der Schule bestellt ist. Der Afrikaner berichtete aber auch von einer schlechten ärztlichen Versorgung und dass es kaum Medikamente gibt. Er informierte, dass neben französisch die am meisten verbreitete afrikanische Sprache "Bambara" heißt. Sie werde auch in anderen Ländern Afrikas gesprochen.

Welches Ritual mit dem Essen verbunden ist und wie afrikanisches Essen schmeckt, davon konnten sich die Kinder in der Turnhalle überzeugen, wo Hamidou Pare trommelte, während die in der Schulküche zubereitete Mahlzeit aus Reis und Hirse aufgetischt wurde. Ungläubig fragte ein Fünftlklässler: "Wird es einem da nicht schlecht, wenn man immer nur Hirsebrei essen muss?" Dennoch lagen die Rezepte zum mitnehmen auf.

Zeitgleich bastelten die Sechstklässler unter der Leitung von Esther Vogler an einem "Regenmacher", ein Drahtgestell, das mit Pappmach’e umwickelt, mit Reis gefüllt und angemalt wird. Andere Kinder der Gruppe stellten aus Kronenkorken und Holzstäben Rasseln her.

Musiklehrer Helmut Weininger und Anita Finzel ließen "ihre" Schülerinnen afrikanische Trommeln basteln. Das Ausgangsmaterial waren hier alte Autoschläuche, verschiendene Papprohre und diverse Kleinteile zum Verzieren. Damit die Instrumente schön aussehen, wurden sie farbenprächtig bemalt.

Mit Hilfe des "Internets" suchten die Siebtklässler unter der Leitung vom Monika Schwabe Nachbarstaaten, die ein schnelleres Bevölkerungswachstum als Mali haben, oder verglichen Mali und Angola bzw. Mali und Nigeria hinsichtlich Lebenserwartung, Alphabetisierung oder ärztlicher Versorgung.

Mit dem geschichtlichen Aspekt hatte sich eine Gruppe von Neuntklässlern unter Andrea Paulus beschäftigt. Das ergebnis des Workshops - vom französischen Kolonialstaat mit den wichtigsten Bodenschätzen und Exportgütern bis heute - war an einer Schautafel in der Aula aufgebaut. Dort ist auch eine Ausstellung der Deutschen Welthungerhilfe zu sehen, die unter dem Motto: "Afrika total normal" einen Einblick in die Lebensverhältnisse in den 1,24 Millionen Quadratkilometer großen afrikanischen Staat mit der Hauptstadt Bamako (646000 Menschen) und den 10,1 Millionen Einwohnern gibt.

Josef Hofbauer


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