Chancen für "bizarr grandiose Landschaft"

Mit EU-Fördermitteln soll die Fränkische Schweiz werbewirksam vermarktet werden - Aktionskreis gegründet

FRÄNKISCHE SCHWEIZ. Die Erholungslandschaft Fränkische Schweiz soll - schwerpunktmäßig im Kreis Forchheim, östlich der großen Kreisstadt - touristisch werbewirksamer als bisher erschlossen werden. Mit Geldern des EU-Programmes "LEADER PLUS" soll ein Kulturpfad von Forchheim nach Streitberg bis Hundshaupten und zurück über das "Walberla" geschaffen werden.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen nach Informationen von Landrat Reinhardt Glauber, der mit Kulturreferent Toni Eckert das Projekt in der Gaststätte des Wildparks Hndhaupten vorstellte, rund zwei Millionen Euro investiert werden. Die Hälfte davon sind Fördermittel der EU. Zur Realisierung der Maßnahme wurde der Verein "Aktionsgruppe LEADER PLUS" gegründet, bei der Landrat Reinhardt Glauber den Vorsitz hat.

Mit dem Wanderweg sollen die neun Gemeinden Kirchehrenbach, Wiesenthau, Leutenbach, Weilersbach, Pretzfeld, Ebermannstadt, Wiesenttal, Gößweinstein und Egloffstein, die zusammen auf eine Einwohnerzahl von 25869 Menschen auf eine Fläche von 348 Quadratkilometern kommen, verbunden werden. Die Bevölkerungsdichte pro Quadratkilometer beträgt in diesem Gebiet 104 Personen.

Das gedachte Fördergebiet umfasst somit den Unterlauf der Wiesent, ab Behringersmühle, der landschaftlich zum reizvollsten Teil der Region gehört. Darüber hinaus sind die Gebiete südlich davon enthalten, die von weiten Tälern und Höhe geprägt sind, wie etwa das Trubachtal, und am südwestlichen Ende die Ehrenbürg, die als Ausgangspunkt für die Erkundung der Region eine große Rolle spielt.

Burgen, Mühlen, Felsen und Täler

In dem Entwicklungsplan gibt es nach Eckert eine Vielfalt von Sehenswürdigkeiten und kulturellen und touristischen Angeboten: Burgen und Burgruinen, Schlösser, Stadt- und Ortskernen mit historischer Bebauung, Mühlen, Felslandschaften und Täler. Als besondere kulturelle und touristische Attraktioen stellte er das Walberlafest auf der Ehrenbürg, das Fränkische Kirschenfest in Pretzfeld, Theateraufführungen und Lesungen auf der Burgruine Neideck sowie Konzerte in Schloß Hundshaupten heraus. Dieses Potential soll künftig besser gebündelt und vernetzt werden.

Als verbindende "Klammer" soll der neu zu gestaltende Rundwg dienen, der von der Forchheimer Innenstadt über die Ehrenbürg, Pretzfeld, Ebermannstadt, Hummenstein, Streitberg, Neideck, Wartleitenburgstall, Schlüsselstein, den Judenfriedhof Pretzfeld, Dietrichstein, Wannbach, Unter- und Oberzaunsbach, Hundshaupten, Hetzelsdorf, St. Moritz, Leutenbach, Schlaifhausen, Wiesenthau, Gosberg und zurück nach Forchheim führen soll. Die Kulturdenkmäler an dieser Wegstrecke, zum Teil internationalem Rang, sollen entsprechend touristisch vermarktet werden. Dies gilt für die Ehrenbürg ebenso, wie für Schloß und Kirche in Pretzfeld, die Obstgärten und das Pretzfelder Kirschenfest oder das Schloß Hundshaupten, in dem ein "Museum zur Geschichte der Burgen in der Fränkischen Schweiz" entstehen soll. Dazu werden im Erdgeschoss geeignete Räumlichkeiten ausgebaut.

Hier soll dem Besucher auch die Möglichkeit zur Rast gegeben werden. Das Obergeschoss ist nach wie nur bei Führungen zugänglich, das Erdgeschoss mit Museum und Gastronomie ist frei betretbar. Zusätzlich soll der historische Stadel von 1601 ausgebaut und für kulturelle Zwecke genutzt werden. Da im Ort Hundshaupten jegliche Gastronomie fehlt, soll das ehemalige Küchengewölbe des Schlosses zu einem Museumscafe ausgebaut werden, das auch Kaltgetränke und kleinere Imbisse serviert. Der spätmittelalterliche, bislang nicht zugängliche Zwinger kann zusätzlich in der Sommerzeit mit Tischen versehen und für eine Bewirtung der Gäste genutzt werden.

Archäologie auf der Neideck

Der in der Entstehung begriffene "Archäologische Park Neideck" soll die, für sich bereits wichtigste Burgruine der Fränkischen Schweiz zusätzlich aufwerten. Generell soll für den Raum ein Musik- und Theaterprogramm in der Saison organisiert werden. Festwochenenden zu einzelnen historischen Epochen sollen das kulturelle und gesellschaftliche Jahresprogramm ergänzen.

Für Interessierte ist auch an die Vermittlung historischer Handwerks- und Produktionstechniken gedacht. Indirekt soll durch Angebote einer gezielten Direktvermarktung auch die Landwirtschaft gefördert werden. Ferner ist an die Möglichkeiten zur Besichtigung von Bauernhöfen, Handwerksbetrieben sowie von Brauereien und Brennereien gedacht. Damit soll ein verstärkter Kaufanreiz geboten werden.

Durch ein spezielles Förderprogramm könnten historische Handwerkstechniken, und im Bereich der Landwirtschaft die Produktion ehemals vorhandener, historischer Feldbau- und tradierte Gartenkulturen gefördert und der Nachwelt erhalten bleiben.

Mit diesen Denkansätzen werden in den nächsten Wochen die Verantwortlichen des neuen Vereins "Aktionsgruppe LEADER PLUS - Kulturerlebnisse Fränkische Schweiz" beschäftigen und sie "in eine feste verbindliche Antragsform" gießen. Damit, so die Verantwortlichen, tue sich eine große Chance für die Erholungslandschaft Fränkische Schweiz im Zeichen eines "Europas der Regionen" auf.

Franz Och


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