Jesus und Allah: Was eint, was trennt?

Dekan Manfred Erstling referierte vor Kulturkreis Ebermannstadt über Islam und Christentum

EBERMANNSTADT. Der Kulturkreis Ebermannstadt hatte zu einem brennend aktuellen Thema eingeladen: „Islam und Christentum - Gemeinsames und Trennendes“ lautete das Motto zu dem Vorsitzender Dr. Hans Weisel als Referenten Dekan i. R. Manfred Erstling, Wiesenttal, begrüßte.

Der evangelische Kirchenmann bewährte sich als profunder Kenner und Interpret des Islam. Der Resengörgsaal war überfüllt. Unter den Gästen waren auch der katholische Ökumene-Experte Prälat Dr. Gerhard Boß und der evangelische Theologe Dr. Max Adolf Wagenführer.

Manfred Erstling verstand es gekonnt, die Entstehung und Entwicklung des Islam aufzuzeigen, dessen Gründer Mohammed um das Jahr 610 als Visionär und Prophet erstmals in die Geschichte tritt. Er schien fasziniert von den beiden „Buchreligionen” der Juden und der Christen gewesen zu sein. Sie werden im Koran, der Heiligen Schrift der Mohammedaner, als „Leute der Schrift” zitiert und in der Regel nicht mit den Ungläubigen gleich gesetzt.

Erstling berichtete: Mohammed sieht in Abraham, der für ihn noch vor dem Juden- und vor dem Christentum steht, den ersten wahren Muslim (Sure 3,67) „Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er lauteren Glaubens, ein Muslim...”.

Zwar gebe es eine ganze Reihe schöner, erbaulichern Koranverse, doch auch eine Summe gewichtiger Themen, wo Christen und Moslems nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen, so Erstling.

Das beginnt schon bei der jeweiligen Sichtweise für die Glaubensquellen. Der Gedanke an eine Menschwerdung Gottes, wie wir Christen sie feiern, verbiete sich da ebenso wie der Gedanke, dass Gott sich den Menschen als Partner erwählt haben könnte.

Die Trinitätslehre wurde von Mohammed falsch verstanden. So wende er sich gegen eine Trias aus Allah als Vater, dessen Ehefrau Maria, sowie deren beider, fleischlich gezeugten Sohn Jesus.

Der Islam wisse nichts von einer dauerhaften Pervertiertheit menschlicher Natur. Es bedürfe damit für ihn auch keiner Erlösung. Ein stellvertretendes Leiden und Sterben Jesu Christi sei somit ausgeschlossen. Die Jungfrauengeburt, der Messiastitel, Wunder und die Macht der Totenerweckung würden zwar nicht geleugnet aber später relativiert.

Während beim Islam die Ausbreitung des Glaubens von Anfang an Hand in Hand mit der Errichtung politischer Herrschaft ging, war das Christentum in den ersten drei Jahrhunderten seines Bestehens im römischen Reich „religio non licita”. Die Christen waren waren in der römischen Gesellschaft so etwas wie „Underdogs“ .

Die Frauen sind in den Islamischen Gesellschaften bis heute in ihren Rechten eingeschränkt. Der Prophet Mohammed will Offenbarungen in eigener Sache erhalten haben, die im Koran niedergelegt sind und die ihm als persönliches Privileg eine größere Zahl von Gattinnen einräumten.

Der Gründer des Islam, Mohammed, wuchs in die Rolle eines Staatenlenkers der Beutezüge und Kriege anführte, während der Gründer des Christentums, Jesus Christus, bekannte und auch lebte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt” (Joh. 18, 36).

In der Aussprache wurde deutlich, dass der Dialog mit dem Islam gerade auf unterer Ebene fortgeführt werden sollte. Menschen islamischen Glaubens sind schließlich unsere Nachbarn. Und Toleranz war in den vergangenen Jahrhunderten in der Fränkischen Schweiz selbstverständlich, wie die Zeugnisse jüdischer Mitbürger belegten. Wichtig fanden die Diskussionsteilnehmer, dass solche Toleranz auch in islamischen Ländern gegenüber Christen eingefordert wird.

Der „Ewige Friede”, das Paradies auf Erden” sei noch fern. Wohl aber könne es Annäherungen geben. Ein gemeinsames Weltethos der Religionen als Grundlage des Weltfriedens, wie es Hans King anmahnt, müsse keine unerreichbare Utopie bleiben. Vor allem der Islam sei hier gefordert.

Franz Och


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