"Wenn ein Mitglied der Staatsregierung angekündigt ist, muss auch ein Vertreter der Regierung erscheinen", demonstrierte Freller Zuverlässigkeit. Bei einem Empfang im Sitzungssaal des Rathauses stellte Bürgermeister Kraus dem Gast nicht nur die Stadt vor, sondern gab ihm auch ein paar "Anliegen" mit auf den Weg.
So mahnte Kraus die Förderung des Baus einer Flutmulde im Zuge der Hochwasserfreilegung und eine großzügige Bezuschussung der Dreifachturnhalle an. Hier stellte Kraus die Einmaligkeit heraus, dass drei Schulen gemeinsam eine Dreifachturnhalle nutzen. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", bekräftigte der Bürgermeister mit Hinweis auf die Mittagsbetreuung und den Kinderhort (ehemals Lernstube), der 30 Kindern zur Verfügung steht. So erwarte die Kommune, dass auch der Freistaat seinen Verpflichtungen nachkommt, fand der Bürgermeister deutliche Worte.
Vor rund 400 Besuchern eröffnete MdB Hartmut Koschyk unter den Klängen der Blaskapelle Niedermirsberg, die nicht in Rot, sondern in Weiß-Blau auftraten, die Kundgebung auf dem Marktplatz. Er bekannte sich zum Mittelstand, dem Jobmotor der Wirtschaft. Den fränkischen Kirschbauern versicherte er seine Solidarität. Es gehe nicht an, dass in Deutschland das einzig wirksame Mittel gegen die Kirschfruchtfliege verboten werde, während die Konkurrenz in anderen europäischen Ländern derartige Pestizide verwenden darf. Immerhin hänge in Franken noch jeder sechste bis achte Arbeitsplatz mit der Landwirtschaft zusammen. Diese Arbeitsplätze gelte es zu sichern. Die Berliner Politiker dürften nicht länger die deutschen Bauern "an den Füssen fesseln und sie dann ins Rennen mit den anderen Europäern schicken".
"Nachdenkliche Worte" fand Koschyk zur Deutschen Haltung gegenüber der amerikanischen Außenpoliitk im Hinblick auf den Irak. "Ich hoffe dass wir nicht in die Situation kommen, von Tellern essen zu müssen, die wir nun leichtfertig zerschlagen" plädierte Koschyk für eine außenpolitisch enge Abstimmung mit den Nato-Bündnispartnern.
Emotional präsentierte sich Karl Freller bei seinem Wahlaufruf. Es gehe darum, ob Deutschland weiterhin im Export Schlusslicht in Europa bleibt. Die hohen Arbeitslosenzahlen und der Ministerverschleiß seien ein Armutszeugnis für die rot-grüne Regierung. Den jungen Menschen müssten wieder Perspektiven gegeben werden. Es müsse wieder Optimismus einkehren, die Bereitschaft zu investieren wieder gefördert werden.
Erschreckend fand Freller die Oberflächlichkeit, die er in Teilen der Gesellschaft ausgemacht hatte. "Ich halte das nicht mehr aus". Bezug nehmend auf das "Kanzlerduell" kritisierte Freller: "Es geht doch nicht darum, wer am besten gekämmt, gefönt oder getönt ist, wer die schönere Krawatte hat oder wer die bessere Schauspielschule besucht hat. Das hat Deutschland nicht verdient". Politik sei vielmehr ein Wettstreit von Konzepten.
Der einzige fränkische Staatssekretär forderte "null Toleranz gegen Kriminaltät, konsequentes Einschreiten und keine rechtsfreien Räume". "Wir wollen Beckstein als Innenminister", so der Schwabacher Politiker, denn dieser garantiere geringste Kriminalitätsrate und höchste Aufklärungsquote.
Zur Schulpoltik meinte Freller: Das Ergebnis der Pisa-Studie sei Auszeichnung und Verpflichtung zugleich, denn "wer aufhört besser sein zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein". Die Lehrpläne müssten gestrafft werden auf das, "was man wirklich braucht". Großes Augenmerk müsse auch dem emotionalen Verhältnis zwischen Lehrendem und Lernenden geschenkt werden, denn "ein Lehrer muss Kinder mögen".
Und die Privatsender rief Karl Freller dazu auf, nicht Leute in Container zu sperren und zu "zeigen wie sie ihre Socken ausziehen". "Die sollen lieber die Fränkische Schweiz filmen und zeigen wie schön Deutschland ist."
Josef Hofbauer