High-Tech-Institut ins Naturschutz-Reservat?
Firma EMCC Dr. Rasek will den ehemaligen Steinbruch kaufen und dort ein Forschungszentrum etablieren
EBERMANNSTADT. "Die Firma EMCC Dr. Rasek, Moggast, will auf dem ehemaligen Steinbruch unterhalb des Feuersteins ein High-Tech-Institut bauen. Wir werden das von den Fachbehörden prüfen lassen" fasste Bürgermeister Kraus das Ergebnis der nicht öffentlichen Diskussion des Bauausschusses zu diesem Thema zusammen.
Der Bauausschuss habe die Angelegenheit hinter verschlossenen Türen behandelt, weil es sich um keine offizielle Bauvoranfrage gehandelt habe. Das Baugesuch sei nur "offiziös" gewesen. Überdies seien wirtschaftliche Belange diskutiert worden rechtfertigt Bürgermeister Kraus seine Vorgehensweise. Es gehe nur darum, prüfen zu lassen, inwieweit die Absichten des Dr. Rasek mit den naturschützerischen Belangen in Einklang zu bringen seien.
In der Klemme
Damit umschreibt der Bürgermeister wortgewandt die Zwickmühle, in der sich die Stadt nach dem (offenbar lukrativen) Angebot des Moggaster Entwicklungsingenieurs befindet. "Ich will den alten Steinbruch kaufen", erklärt Dr. Werner Rasek unmissverständlich am FT-Telefon. Die Stromlieferung sowie die Wasserversorgung und die Kanalisation seien mit Stadtwerks-Leiter Josef Weber bereits abgesprochen. "Allerdings habe ich nicht gewusst, dass die eine Müllkippe zum Naturschutzgebeit erklärt haben" staunt Dr. Rasek.
Der Standort sei von den äußeren Voraussetzungen her ideal. Ein Steinbruch der Firma Geck habe den Vorstellungen des Moggaster Forschungsinstitutes nicht entsprochen. Auch Angebote anderer Kommunen wie Gößweinstein oder Pottenstein - Bürgermeister Dieter Bauernschmitt soll dem Unternehmen in seinem Gewerbegebiet den Quadratmeter voll erschlossenes Bauland für sechs Mark pro Quadratmeter angeboten haben - seien keine echten Alternativen. "Ich will in kein Gewerbegebiet, ich brauchen einen Platz, an dem ich in Ruhe arbeiten kann" hält Dr. Rasek am ehemaligen Ebermannstadter Steinbruch fest.
Letzter Versuch
Den Anstoß dafür, habe die High-Tech-Offensive Oberfranken gegeben, bei der Bayerische Spitzenpolitiker signalisiert hätten, dass derartige Projekte wieder gefördert würden, so Dr. Rasek, der nach eigenem Bekunden seit Jahren auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten sei. Das Angebot mit dem Steinbruch nannte der Ingenieur den "letzten Versuch", im Bereich von Ebermannstadt zu bleiben. Es gehe nicht darum, den Standort Moggast aufzugeben, vielmehr sucht das Institut EMCC eine "ideale Ergänzung". Darunter versteht der Unternehmenschef ein High-Tech-Instiut, das sich auf elektromagnetischen Umweltschutz und die Erforschung von Radareinflüssen konzentriert.
Dazu sei ein Gelände notwendig, das von der Umweltstrahlung abgeschirmt ist. Wegen der ungewöhnlichen Empfindlichkeit der Messungen sei ein einsamer Ort wie der Ebermannstadter Steinbruch ideal. Das Grundstück, das von drei Seiten von natürlichem Gestein umschlossen wird, sei prädestiniert, weil es dem physikalischen Idealfall einer großen Höhle nahekomme, heißt es in der schriftlichen Anfrage an die Stadt.
Die Planung sieht ein Gebäude, ähnlich dem in Moggast vor, das aber einen etwas größeren Durchmesser von 50 Metern hat. Statt ein- soll der Neubau unterhalb des Feuersteins zweigeschoßig werden. Zur Straßenseite hin sind Büros angedacht. Nordöstlich sollen die "Absorberhallen" hinkommen. Ferner ist von einer Freifeld-Messtrecke und Parkflächen für 50 Mitarbeiter und 20 Gäste-Autos die Rede. Ebenfalls vorgesehen ist ein so genannter "Antennen Kalibrierplatz", nach den Unterlagen eine "möglichst große, möglichst plane Metallfläche, realisiert durch Stahlbeton mit Drahtgitter und Rasensteinen, die bepflanzt werden.
BN geschockt
Heinrich Kattenbeck, Vorsitzender der Bund-Nantruschutz Kreisgruppe Forcheim zeigt sich davon schockiert. Es erstaune ihn aufs Höchste, dass Bürgermeister Kraus ein derartiges Ansinnen in dem, vor zweieinhalb Jahren als geschützer Landschaftsbestandteil ausgewiesenen Bereich, überhaupt prüfen wolle. Es bestehe der Verdacht, dass alles gekippt werden soll. "Für uns ist der ehemalige Steinbruch ein Vorzeigeobjekt und wir werden alles unternehmen, dass die Planungen des Dr. Rasek an dieser Stelle nicht realisiert werden" verspricht Kattenbeck. - Der Bund Naturschutz will andererseits aber nicht in den Ruf geraten, Arbeitsplätze oder Investitionen zu verhindern, im Gegenteil. So betont Heinrich Kattenbeck seine Bereitschaft zu einem Gespräch am runden Tisch, an dem Lösungsmöglichkeiten gesucht werden. "Warum muss es unbedingt dieser Steinbruch sein"? fragen sich die Naturschützer, die angeboten haben, bei der Suche nach einer Alternative behilflich zu sein.
Wenig Chancen
Regierungsdirektor Wolfgang Thiel vom Landratsamt Forchheim, der unter anderem über ein solches Vorhaben befinden müsste, räumt dem Projekt wenig Chancen ein. Ohne die Zustimmung des Naturschutzbeirates gehe sowieso nichts. Ansonsten müsse man die Stellungsnahmen der Fachbehörden (Wasserwirtschaftsamt, Naturschutz) abwarten. In diesem Zusammenhang verweist Thiel darauf, dass es bisher noch nicht vorgekommen sei, dass die Ausweisung eines Naturschutzgebietes wieder rückgängig gemacht wurde.
Zehn Millionen
Ausschließen mochte dies Bürgermeister Kraus, der dem Ganzen offenbar recht aufgeschlossen gegenübersteht, aber nicht. Immerhin handelt es sich um eine Investition in einer Größenordnung von zehn Millionen Mark. Ganz davon zu schweigen, dass der ehemalige Steinbruch nun "versilbert" werden könnte. Seinerzeit, als das Areal unter Naturschutz gestellt wurde, habe man an die, sich nun abzeichnenede Entwicklung einfach nicht gedacht, bedauert Bürgermeister Franz Josef Kraus, der in diesem Zusammenhang auch klarstellt, dass der Naturschutzbeirat nur "empfehlenden Charakter" habe.
Zunächst geht es nur darum, die prinzipielle Möglichkeit abzuklären, gibt sich Bürgermeister Kraus bedeckt. Frei nach dem Motto: "Schau mer mal"...
Josef Hofbauer
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