Häuser ohne Heizraum und ohne Kamin

Agenda-21-Arbeitskreis “Energie und Klimaschutz” informierte sich über zukunftsweisende Nahwärmekonzepte

EBERMANNSTADT. Neue Wege in der Strom- und Wärmeversorgung standen im Mittelpunkt einer Expertenanhörung, zu der der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz der Agenda 21 in Ebermannstadt die Mitglieder des Stadtrats und interessierte Bürger eingeladen hatte. Als Referenten begrüßte Moderator Ehrenfried Heller Walter Karrer.

Der Gastredner betreibt in Schweinfurt ein Fachplanungsbüro und kann auf langjährige Erfahrungen mit dem Einsatz neuer Technologien im ganzen nordbayerischen Raum verweisen. Neben Bürgermeister Franz Josef Kraus nahmen auch einige Mitglieder des Bauausschusses, die Leiter der Stadtwerke und der Firma Kennametal-Hertel sowie zwei Handwerksmeister aus dem Elektro- und Heizungsfachhandel an der Informationsveranstaltung teil.

Idealismus unentbehrlich

Mit einem Rückblick auf die Entwicklung der Stromgewinnung und -versorgung in Ebermannstadt führte Heller zum Thema hin. Voraussetzung für Fortschritte in der Energietechnik sei schon immer gewesen, dass Idealisten sie quasi als Hobby mit großem Aufwand an Kapital und Arbeitszeit voranbrachten. Am Beispiel der ersten Betreiber von Wasserkraftwerken zeigte Heller auf, dass diesen Pionieren der Elektrizitätsgewinnung seitens der Verwaltung und der großen Stromversorger in den zwanziger Jahren teils erhebliche Hindernisse in den Weg gelegt wurden.

Ingenieur Karrer stellte zunächst einige bereits realisierte Projekte in Amberg, Schweinfurt und Mellrichstadt vor, wo Wohnungen und Siedlungen verschiedenster Bebauungsdichte mit Nahwärmenetzen versorgt wurden. Die Wärme wird zentral mit Motoren erzeugt, die gleichzeitig Strom produzieren, der entweder von den Bewohnern verbraucht oder ins Netz eingespeist wird. Die Technik dieser “Blockheizkraftwerke” sei heute voll ausgereift und rechne sich immer dann, wenn die Planung genau auf die örtlichen Verhältnisse zugeschnitten sei.

So sah er im Seniorenzentrum in der “Peunt” und in der übrigen dort vorgesehenen Bebauung äußerst günstige Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Blockheizkraftwerken mit Nahwärmeversorgung. Beim Baugebiet Judenäcker müsse zunächst eine genauere Kalkulation durchgeführt werden, bevor endgültige Aussagen oder Empfehlungen möglich seien.

Wie ein Kühlschrank

Grundsätzlich müsse man sich ein solches Aggregat wie einen etwas größeren Kühlschrank vorstellen, dessen Geräuschpegel nicht höher sei als der eines herkömmlichen Heizkessels. Für den Bauherrn, dessen Haus oder Wohnung an ein Nahwärmenetz angeschlossen ist, ergäben sich eine Reihe von Vorteilen. So könne bei den Baukosten ein eigener Heizungsraum und der dazu gehörige Kamin eingespart werden.

Der Betrieb der gemeinsamen Wärmeversorgungsanlage könne durch Zuschaltung eines Brennwertkessels zuverlässig sichergestellt werden. Die Erfahrungen in Wohngebieten mit einer gemeinsamen Nahwärmeversorgung seien außerordentlich positiv. Selbst Baugebiete, die erst nach und nach bebaut werden, könnten die neue Technik nutzen, indem zunächst nur mit einer zentralen Kesselanlage beheizt wird und bei ausreichender Baudichte zusätzlich ein oder mehrere Blockheizkraftwerke installiert werden.

Als Betreiber von Nahwärmenetzen und Blockheizkraftwerken seien die städtischen Stromversorger meist ideal geeignet. Sie könnten die Stromerzeugung an ihre Bedürfnisse anpassen und so den wirtschaftlichen Nutzen optimieren. Aber auch der gemeinsame Betrieb durch eine Betreibergesellschaft der Haus- und Wohnungseigentümer habe sich bewährt, wenn engagierte Personen dies in die Hand nähmen.

Als weitere neue Technologien, die in wenigen Jahren auf den Markt kommen werden, stellte Walter Karrer noch die Brennstoffzelle und die gas-/ölbetriebene Absorptionswärmepumpe vor. Die Brennstoffzelle erzeugt aus Erdgas und Luft auf elektrochemischem Weg Strom, ohne dass eine Verbrennung stattfindet. Hier könne in der Einführungsphase vielleicht mit erheblichen Zuschüssen gerechnet werden, wenn eine Wohnbebauung mit Pilotcharakter mit der neuen Technik versorgt würde.

Vorausdenken

Bürgermeister Kraus zeigte sich gegenüber diesen Perspektiven sehr aufgeschlossen und sagte zu, entsprechend bei der Bayerischen Staatsregierung vorstellig zu werden, um für die noch anstehenden Baugebiete eventuell völlig neue Techniken einzusetzen.

Wenn man sich für die Zukunft alle Möglichkeiten offen halten wolle, müsse bereits bei der Erschließung geeigneter Baugebiete ein Nahwärmenetz verlegt werden, stellte Walter Karrer nochmals heraus. Als Standort für das gemeinsame Heizaggregat genüge es, ein oder zwei Garagen vorzusehen. Dort könne man problemlos umrüsten, wenn neue Techniken verfügbar würden.

In der Diskussion beantwortete der Experte verschiedene Fragen zur Verlegung der Leitungen, Wirtschaftlichkeit, Geräuschbelastung und zur baurechtlichen Umsetzung. Die nächste Sitzung der Arbeitskreises kündigte Ehrenfried Heller für 5. Mai um 19.30 Uhr im Rathaus an.


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