Außerdem standen mit den Schulleitern Rainer Heinz, Eberhard Krieger und Hans-Joachim Baier kompetente Gesprächspartner für die Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Die Pädagogen bezogen aus der täglichen Erfahrung ihres Schulalltages zu den Auswirkungen der bayerischen Schulreform Stellung.
Zunächst verdeutlichte MdL Eduard Nöth, dass die Einführung der sechsstufigen Realschule keinerlei Nachteile für die Kinder bedeute, vielmehr sei ein deutlicher Leistungsanstieg bei den Schülern gegenüber dem bisherigen Modell der vierstufigen Realschule zu verzeichnen. Dies bedeute gleichzeitig, dass wesentlich weniger Schüler eine Klasse wiederholen müssen.
Ein Wechsel der Schulart, also zwischen Haupt-, Realschule und Gymnasium sei weiterhin nach der 5. und 6. Klasse, oder sogar später gewährleistet. Das Schulsystem werde durchlässiger. Realschulleiter Heinz ergänzte, dass die Kinder bei einem Wechsel in die Realschule aus der vierten Klasse heraus wesentlich lernbereiter und dadurch weniger stressanfällig seien, als zwei Jahre später bei beginnender Pubertät.
Gymnasialdirektor Baier sah in der Qualität der Grundschullehrer, die bereits in der vierten Klasse ihre Schüler im Normalfall optimal einschätzen könnten, die beste Voraussetzung für einen reibungslosen Übergang von der vierten Klasse zur Realschule, ins Gymnasium oder auch wenn nötig von da wieder zurück in die Realschule. Von einer Auslesefolter oder zu großem Streß in der vierten Grundschulklasse könne nicht gesprochen werden.
Friedrich Odenbach dagegen führte für die Gegner der Bildungsoffensive Bayern an, dass die geplante R 6 das Aus für viele Hauptschulen bedeute. Gerade im ländlich strukturierten oberfränkischen Raum müssten durch den frühzeitigen Abgang der Schüler in die Gymnasien und Realschulen Hauptschulklassen geschlossen werden. Anstatt Millionen für ein solch unsinniges Projekt auszugeben, hätte schon längst eine Innere Schulreform durchgeführt werden müssen. So sei seit langem eine Verringerung der Klassenstärken und eine bessere Aufbereitung der Lehrstoffe überfällig.
Die größte Gefahr für Schulkinder sieht Odenbach allerdings darin, sie in einem streßbehafteten Ausleseverfahren in eine Sortierschublade zu geben, anstatt sie im Rahmen einer zweijährigen Aufbaustufe auf höhere Schulweihen vorzubereiten.
Grund- und Hauptschulrektor Eberhard Krieger sieht bei dem Modell der Bayerischen Staatsregierung das Drei-Säulen-Schulsystem auf einem soliden Fundament in Gefahr. Er fürchtete, dass der Notendruck auf die Kinder, die eine höhere Schule besuchen sollen, immer größer wird.
Bei den Eltern überwog die Angst, dass ihre Kinder zum einen mit dem übergroßen Leistungsdruck nicht mehr fertig würden, zum andern dass es die in der Hauptschule verbleibenden Schüler mit einer ständig wachsenden Diskriminierung zu tun bekämen. Die Arbeitgeber in unserem Lande rümpften bei einem Auszubildenden mit einem Hauptschulzeugnis die Nase.
Dem hielt Eduard Nöth entgegen, dass zur R 6 die sogenannten M 7-Züge an den Hauptschulen gehörten. Sie ermöglichten den Schülern, in ihrer angestammten Hauptschule in eigenen Mittlere-Reife-Klassen den mittleren Bildungsabschluss zu erwerben. Das Beispiel Baden Württemberg, wo sich dieses Schulmodell bereits seit 35 Jahren bestens bewährt habe, zeige, welch gute Sache eine sechsstufige Realschule für Eltern, Lehrer und Schüler darstelle.
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