Dies betonte der Agrarreferent der Katholischen Landvolkshochschule Feuerstein, Klaus Schwaab, bei einer öffentlichen Veranstaltung des Landsozialen Arbeitskreises in diesem Bildungshaus. Rund 100 Landwirte aus Franken waren gekommen. Die gegenwärtig aufgewühlte Situation macht offenbar sensibel. Man sucht nach Wegen oder Auswegen.
Schwaab rief die Gäste im großen Lehrsaal der Landvolkshochschule auf, die BSE-Krise für eine Aufwertung der Bäuerlichen Landwirtschaft zu nutzen. Die bisherige Agrarpolitik habe die Bauern in eine Sackgasse geführt. Die Devise müsse künftig lauten: Qualität anstatt billig.
Er konnte zu dem Agrarsozialen Gespräch einen interessanten Gast begrüßen: Dr. Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringsdorf, Vorsitzender des Agrarausschusses im Europäischen Parlament. Der Grünen- Politiker ist Biobauer und hat einen 50-Hektar-Betrieb. Er vermarktet seine Produkte direkt. In seinen Ausführungen meinte der Referent, dass 50 Prozent der Prämien nicht beim Landwirt ankämen. Diese würden in den Kanälen der Agroindustrie verschwinden. Der Grünen-Politiker gab zu bedenken: Die verbliebene Förderung ist sozial ungerecht. 20 Prozent der Betriebe erhalten 80 Prozent der Mittel und sechs Prozent der Getreidebauern erhalten 60 Prozent der Getreideprämien.
Der Vorsitzende des Agrarausschusses im Europäischen Parlament nannte auf dem Feuerstein als Ziel der Europäischen Union: Prämien sollen sich künftig an Umweltstandards und Sozialstandards ausrichten. Die Einführung einer Staffelung sei sinnvoll. Kleinere Betriebe in Franken wären davon nicht betroffen, aber Großbetriebe in Ostdeutschland.
Der Europapolitiker zeigt zum Vergleich die heutige Situation auf: Bei einer Prämie von 700 Mark pro Hektar erhält ein 1000-Hektar-Betrieb in Ostdeutschland 700000 Mark, ein Betrieb im Fränkischen bei 30 Hektar nur 21000 Mark Prämie. Die Förderung soll künftig stärker arbeitskräftebezogen sein, das heißt, ein Großbetrieb mit wenig Arbeitskräften erhält auch weniger Förderung als ein kleiner Betrieb mit wenigen Arbeitskräften.
Durch die Förderung regionaler Kreisläufe werde auch das Risiko von weltweiten Seuchen und Epidemien begrenzt und wieder ein Bezug zum Bauern und dessen Produktionsmethoden geschaffen. Deshalb müssten solche Regionalinitiativen künftig anschubfinanziert werden.
Der führende EU-Agrarparlamentarier zeigte die Logik der Agrarökonomen von bisher auf: Wenn der Preis für Lebensmittel sinkt muss der Bauer eben billiger produzieren und das geht nur mit größeren Strukturen. Dies müsse sich ändern. Der Landwirt müsse in erster Linie Qualität, gesunde Lebensmittel produzieren. Der Preis ergebe sich aus den Kosten für diese Erzeugung. Dem Verbraucher müsse dieser Zusammenhang zwischen Qualität und Preis klar gemacht werden.
Die Ausgaben für Lebensmittel seien immer stärker zurückgegangen, im Gegensatz zu anderen Dingen, die der Mensch glaubt zu brauchen. Die Folgen dieser Billigmacherei würden momentan die Schlagzeilen in der Presse füllen.
fpo