HEILIGENSTADT - EBERMANNSTADT. Das war ein gutes Omen: Just in dem Moment, als der Bürgermeister von Heiligenstadt rund 100 Radler aus 16 Teams und zahlreiche Mitradler auf die Strecke schickte und somit die "Fürstbischöfliche Tour" als erstes Teilstück des geplanten Radroutennetz in Oberfranken eröffnete, brach die Sonne durch einen trüben Herbsthimmel.
Vielleicht lag es am Blitzlichtgewitter der Pressevertreter oder am Pistolenschuss von Helmut Krämer, der die Wolken vertrieb, vielleicht war es auch das sportliche Radler- Outfit des bayerischen Umweltministers Dr. Werner Schnappauf, der den Respekt des Wettergottes abnötigte. Auf jeden Fall herrschte gute Laune auf dem elf Kilometer langen Teilstück von Heiligenstadt nach Ebermannstadt, auf dem früher einmal eine Nebenbahn gefahren ist.
Der Umweltminister hatte sich als Vorsitzender des Forums Zukunft Oberfranken e.V. an die Spitze des Radlertrosses gesetzt, begleitet u.a. von Regierungs-Vizepräsident Horst Müller, Bambergs OB Herbert Lauer und Forchheims Bürgermeister Prof. Hermann Ammon. Es ging nicht um Schnelligkeit, sondern um die Demonstration des großen Freizeittrends Radfahren im Rahmen des Projektes "Aktivregion". Dieses umfasst die Ausweisung von sechs regionalen Radrouten in allen Teilräumen Oberfrankens, die untereinander vernetzt sind. Dazu kommen zwei Mountainbike-Trials. Die Routen sind zwischen 140 und 200 Kilometer lang und können von Familien bzw. sportlichen Radlern in Etappen befahren werden.
Maßgeblich beteiligt an der Ausarbeitung des Konzeptes und der Beschilderung der Strecke ist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Die Planung soll bis 2002 umgesetzt sein, investiert wird eine halbe Million Mark, sagte Minister Dr. Schnappauf vor dem Start. Das Projekt, das bayernweit einmalig ist, wird von der EU, vom Bezirk Oberfranken und dem Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen unterstützt.
In einem Beiblatt mit Karte wird darauf verwiesen, dass die Bamberger fürstbischöfliche Herrschaft 800 Jahre währte und zahlreiche kulturelle Schätze hinterließ. Erwähnt sind in diesem Sinne natürlich Bamberg, das Kloster Ebrach, der fürstbischöfliche Sommersitz Weißenstein bei Pommersfelden, das Bischofsschloss Kaiserpfalz in Forchheim, Schloss Greifenstein bei Heiligenstadt, Giechburg und Gügel bei Scheßlitz und das frühbarocke Sommerschloss Seehof. Das fürstbischöfliche Jagdschloss Jägersburg bei Forchheim findet übrigens keine Erwähnung, obwohl es an der Route liegt.
Nach Grußworten von Bürgermeister Helmut Krämer, der die Entwicklung von Heiligenstadt als Radlerhochburg im Fremdenverkehr darstellte, und Landrat Dr. Günther Denzler, schwärmte Umweltminister Werner Schnappauf von Franken als "Aktivpark im besten Sinne des Wortes". Das Geständnis des (anwesenden) Welt-Umradler und Extremsportler Hubert Schwarz im "Forum Zukunft", dass es "in Franken am schönsten" sei, habe dazu ermuntert, die Region für die Radler zu erschließen. Natur und Kultur böten Abwechslung, Täler und Höhen alle Schwierigkeiten. "Man kann diese herrliche Landschaft einatmen", rief Schnappauf, selbst Franke aus Steinbach am Wald, unter dem Beifall der Zuhörer aus.
Auf dem Marktplatz von Ebermannstadt wartete auf die Radler und Besucher ein Aktionspark mit Kletterwand, Mountainbike-Parcours, Stand- Ergometern und ein Fahrradlooping, den man mit Muskelkraft und Kettenantrieb in Rotation versetzen konnte. In seinem Grußwort brachte stv. Landrat Gregor Schmitt die Freude darüber zum Ausdruck, dass die Fürstbischof-Route durch den Landkreis Forchheim führt, und Bürgermeister Franz Josef Kraus legte Minister Schnappauf den Radweg- Lückenschluss bei Ebermannstadt in Richtung Heiligenstadt ans Herz, damit die Strecke weg vom Straßenverkehr sicherer wird.
Die 16 Teams von Firmen und Behörden aus Oberfranken, die mit ihrem Teilnehmerbeitrag den Kinderschutzbund Bamberg, die Sozialstation und den Integrativen Kindergarten Ebermannstadt unterstützten, konnten an der Kletterwand und auf dem Bike-Parcours Punkte ergattern. Sie hatten auch gleichzeitig die Preise gestiftet.
Es siegte das Team Günther Dörfler/Pius Schmelzer von der Direktion für Ländliche Entwicklung Bamberg vor der Scherdel GmbH Marktredwitz und der Uni Bayreuth. Die Uni- Radler gewannen eine Einladung ins FT-Druckhaus mit Abendessen, das FT-Team (Verlagsdirektor Karsten Hertel/ Barbara Lilje, Maketing) wurde Vierter.
Michael Wuttke