Schlabberhosenlyrik und Trommlerfeuerwerk

Lokale Gruppen gaben den Ton an: Zurück zu den Wurzeln hieß es beim 14. Burgfest auf dem Feuerstein

BURG FEUERSTEIN. Es war wieder einmal soweit. Das erste Wochenende im Juli war gekommen, die Picknickkörbe konnten gepackt und der Weg mit Kind und Kegel auf die über Ebermannstadt gelegene Burg Feuerstein angetreten werden. Das nunmehr 14. Burgfest des weit bekannten und geschätzten Jugendgästehauses stand an.

Alte Stätte, altbekannte Gesichter, die man Jahr um Jahr im Burghof trifft. Das Burgfest hat kaum etwas von seinem Flair in puncto Begegnung, familienkompatibler Unterhaltung und preiswerter Bewirtung eingebüßt. Nur die musikalische Grundausrichtung hat sich in diesem Jahr leicht verändert. Das Motto hieß: Zurück zu den Wurzeln.

Während sich in den vergangenen Jahren Größen der süddeutschen Hip-Hop-Szene wie die "Massiven Töne" oder "Freundeskreis" und überregionale Kaberettprogramme (unter anderem "Die kleinen Mäxe") vorstellten, hielt man sich dieses Mal mit dem Programm ziemlich lokal und auf den Ebermannstädter "Dunstkreis" bezogen.

Den Anfang machten die Coverrocker von "Dead on Arrival", die jedoch, wie jeden Opener auf einem Konzert, das Problem der spärlichen Beachtung strafte. Die anschließend agierende "Fränkische Schweiz Connection" tat sich hier schon leichter. Hip-Hop hat auf der Burg eben schon eine gewisse Tradition. So konnten sich die schlabberhosentragenden Sprechgesangliebhaber einmal mehr an kritischen deutschen Texten erfreuen, die natürlich eine gewisse, in dieser Szene schon übliche Selbstbeweihräucherung nicht ausschließen durften. Wahren Rhythmus, der in Mark und Bein ging, zauberten die rund 20, sich selbst als "Sambisten" bezeichnenden Schlagwerker der Bamberger Samba-Gruppe "Ramba Samba" in den Festhof. In ihrer orange-schwarzen Bekleidung hätte man die Trommler anfangs glatt für einen Stoßtrupp holländischer Fußballfans halten können, aber mit den ersten Klängen ihrer Performance wusste man sofort, dass es sich hier um echte Liebhaber heißer brasilianischer Rhythmen handelte.

Zirkus für die Kids

Auch für den jüngeren Nachwuchs, der nicht unbedingt wegen der Musik auf die Burg gekommen war, wurde einiges geboten. Im blauen Saal zauberte das Nürnberger Kindertheater "Teatro Comcio" das schon viel gelobte phantasievolle Theaterstück "Ronja Räubertochter" nach einer Erzählung von Astrid Lindgren auf die Bühne. Der hintere Burghof wurde zu einem Minizirkus umfunktioniert, in dem sich Jung und Alt unter der fachkundigen Anleitung von Tatjana Bilenko spieltechnisch so richtig austoben konnten.

Und auch der neue Pächter der burginternen Pferdestallungen wollte im Rahmenprogramm nicht nachstehen. Pferdeliebhaber konnten einer artistischen Vorführung im Voltigieren, der Kunst, Kunststücke auf dem Rücken dieser Vierbeiner vorzuführen, beiwohnen.

Zurück auf die Hauptbühne des Geschehens. Als erster richtiger Höhepunkt des Nachmittags erschienen "Los Chicolores". Auch wenn sich die zehn Jungmusiker im Alter zwischen 18 und 22 sichtlich hart taten, den ganzen Burghof zum Mitmachen zu animieren, konnte sich die neue Bühnenchoreographie schon im ersten Anlauf sehen lassen. Dass die "Chicos" mit ihrer groovigen Mischung aus SKA, Funk und Blues den Nerv der Zeit zu treffen scheinen, wurde im FT schon des öfteren festgestellt. In ihren neuen einheitlichen Anzügen, die im Verlaufe der Vorstellung wieder durch die altbekannten Hawaiihemden ersetzt wurden, wirkte die Truppe jedoch nicht nur musikalisch, sondern auch stilmäßig gereift. Ihr zuzuhören macht jedenfalls jedes Mal aufs neue Laune.

Mit der Ebermannstädter Cover-Rock-Pop-Formation "Neumond", die anfangs ein wenig mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, im Anschluss aber beileibe keine schlechte musikalische Darbietung in der Schnittmenge zwischen "Pur" und "Bon Jovi" ablieferten, wurde danach der ausgelassene Partyabend eingeleitet. Eine in manchen Augen etwas unglückliche Gruppenwahl, spielte die Beatformation doch genau im gleichen Fahrwasser wie die danach sehnsüchtig erwarteten Rockveteranen von "Revolver", die zum Abschluss bis kurz nach Mitternacht auch noch heftig abrocken sollten.

Diesmal ohne Aha

Die Stimmung vor der Bühne gab den Veranstaltern mit der Auswahl zweier Coverformationen zum Ausklang des auch in diesem Jahr wieder harmonisch verlaufenen Konzertnachmittages zwar Recht, jedoch vermissten einige Besucher alles in allem doch schmerzlich Gruppen mit eigenem Liedmaterial, die, wie in den vergangenen Jahren, für einen gewissen Aha-Effekt sorgen konnten und gerade einem Jugendtreff Feuerstein gut zu Gesicht stehen.

Im Großen und Ganzen jedoch auch in diesem Jahr wieder ein unbeschwerter Nachmittag, der Laune auf die nächstjährige 15. Auflage der Veranstaltung macht.

Thorsten Adelhardt


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