Alte Stätte, altbekannte Gesichter, die man Jahr um Jahr im Burghof trifft. Das Burgfest hat kaum etwas von seinem Flair in puncto Begegnung, familienkompatibler Unterhaltung und preiswerter Bewirtung eingebüßt. Nur die musikalische Grundausrichtung hat sich in diesem Jahr leicht verändert. Das Motto hieß: Zurück zu den Wurzeln.
Während sich in den vergangenen Jahren Größen der süddeutschen Hip-Hop-Szene wie die "Massiven Töne" oder "Freundeskreis" und überregionale Kaberettprogramme (unter anderem "Die kleinen Mäxe") vorstellten, hielt man sich dieses Mal mit dem Programm ziemlich lokal und auf den Ebermannstädter "Dunstkreis" bezogen.
Den Anfang machten die Coverrocker von "Dead on Arrival", die jedoch, wie jeden Opener auf einem Konzert, das Problem der spärlichen Beachtung strafte. Die anschließend agierende "Fränkische Schweiz Connection" tat sich hier schon leichter. Hip-Hop hat auf der Burg eben schon eine gewisse Tradition. So konnten sich die schlabberhosentragenden Sprechgesangliebhaber einmal mehr an kritischen deutschen Texten erfreuen, die natürlich eine gewisse, in dieser Szene schon übliche Selbstbeweihräucherung nicht ausschließen durften. Wahren Rhythmus, der in Mark und Bein ging, zauberten die rund 20, sich selbst als "Sambisten" bezeichnenden Schlagwerker der Bamberger Samba-Gruppe "Ramba Samba" in den Festhof. In ihrer orange-schwarzen Bekleidung hätte man die Trommler anfangs glatt für einen Stoßtrupp holländischer Fußballfans halten können, aber mit den ersten Klängen ihrer Performance wusste man sofort, dass es sich hier um echte Liebhaber heißer brasilianischer Rhythmen handelte.
Und auch der neue Pächter der burginternen Pferdestallungen wollte im Rahmenprogramm nicht nachstehen. Pferdeliebhaber konnten einer artistischen Vorführung im Voltigieren, der Kunst, Kunststücke auf dem Rücken dieser Vierbeiner vorzuführen, beiwohnen.
Zurück auf die Hauptbühne des Geschehens. Als erster richtiger Höhepunkt des Nachmittags erschienen "Los Chicolores". Auch wenn sich die zehn Jungmusiker im Alter zwischen 18 und 22 sichtlich hart taten, den ganzen Burghof zum Mitmachen zu animieren, konnte sich die neue Bühnenchoreographie schon im ersten Anlauf sehen lassen. Dass die "Chicos" mit ihrer groovigen Mischung aus SKA, Funk und Blues den Nerv der Zeit zu treffen scheinen, wurde im FT schon des öfteren festgestellt. In ihren neuen einheitlichen Anzügen, die im Verlaufe der Vorstellung wieder durch die altbekannten Hawaiihemden ersetzt wurden, wirkte die Truppe jedoch nicht nur musikalisch, sondern auch stilmäßig gereift. Ihr zuzuhören macht jedenfalls jedes Mal aufs neue Laune.
Mit der Ebermannstädter Cover-Rock-Pop-Formation "Neumond", die anfangs ein wenig mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, im Anschluss aber beileibe keine schlechte musikalische Darbietung in der Schnittmenge zwischen "Pur" und "Bon Jovi" ablieferten, wurde danach der ausgelassene Partyabend eingeleitet. Eine in manchen Augen etwas unglückliche Gruppenwahl, spielte die Beatformation doch genau im gleichen Fahrwasser wie die danach sehnsüchtig erwarteten Rockveteranen von "Revolver", die zum Abschluss bis kurz nach Mitternacht auch noch heftig abrocken sollten.
Im Großen und Ganzen jedoch auch in diesem Jahr wieder ein unbeschwerter Nachmittag, der Laune auf die nächstjährige 15. Auflage der Veranstaltung macht.
Thorsten Adelhardt